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Diskussion um Erdogan-Forderung
Türkische Schulen sind ganz deutsch

2008: Erdogans große Show in der Kölnarena
2008: Erdogans große Show in der Kölnarena FOTO: ddp
Düsseldorf (RPO). Recep Tayyip Erdogan fordert türkische Schulen in Deutschland und löst damit breite Entrüstung aus. Doch eines übersieht der türkische Ministerpräsident bei seinem Vorschlag. Es gibt solche Schulen bereits in der Bundesrepublik - allerdings auf privater Ebene. Von Dana Schülbe

"Erdogan ignoriert die Schullandschaft in Deutschland", erklärte dementsprechend auch die Integrations-Staatsministerin Maria Böhmer (CDU) am Donnerstag in Berlin. Diese türkischen Schulen werden als Ersatzschulen geführt und bedürfen daher einer Genehmigung durch die Kultusministerien. Dadurch erhalten sie auch finanzielle Unterstützung. Allerdings geht es den Trägern nicht unbedingt um türkischsprachigen Unterricht. Und die Schulen verstehen sich als offen für alle Nationalitäten.

Türkisch als zweite Fremdsprache

Bereits vor zwei Jahren hatte Erdogan eine ähnliche Debatte angestoßen. Schon damals betonte das Privatgymnasium Dialog in Köln, dass man keine nationalitätsbezogene, sondern eine staatlich anerkannte Ersatzschule sei, die nach dem Lehrplan Nordrhein-Westfalens unterrichte. Die Unterrichtssprache, so schreibt die Schule auf ihrer Internetseite, sei Deutsch. Türkisch könne als zweite Fremdsprache gewählt werden.

Gestartet ist die Kölner Schule im August 2007, damals mit 37 Schülern. Heute sind es mehr als 152. Neben Religionsunterricht bietet das Gymnasium auch Ethikunterricht an. Zudem gibt es spezielle Arbeitsgemeinschaften und Projekte wie Theater (auch auf Türkisch), Musical oder Kunst auf dem Schulhof. "Wir möchten unseren Schülern eine gute Basis für eine ausgewogene Bildung und Erziehung schaffen", heißt es auf der Webseite. Träger des Kölner Gymnasiums ist der Türkisch-Deutsche-Akademischer-Bund.

Ohne Religionsunterricht

In Berlin gibt es inzwischen sogar zwei Gymnasien, die zweisprachig unterrichten, wie der Berliner Integrationsbeauftragte Günter Piening am Donnerstag sagte. Eines davon ist das Tüdesb Gymnasium in Spandau, das 2004 in freier Trägerschaft gegründet wurde. Die Schule hebt auf ihrer Webseite vor allem die kleinen Klassen hervor. Die Schüler sollen, so heißt es weiter, demokratisches, tolerantes, respektvolles Verhalten und die friedliche Auseinandersetzung mit anderen Meinungen und Ansichten lernen.

Worin sich das Berliner Gymnasium allerdings stark von den staatlichen unterscheidet, ist die Pflicht zum Tragen einer Schuluniform. Sie soll den Zusammenhalt der Schüler fördern. Unterrichtet wird dann aber auch nicht auf Deutsch und Türkisch, sondern auf Deutsch und Englisch. Türkisch kann lediglich als zweite oder dritte Fremdsprache gewählt werden. Wie in Köln gibt es dafür auch in Berlin keinen Religionsunterricht.

In Mannheim gibt es seit 2006 das Sema Gymnasium, das ebenfalls als türkische Privatschule gilt. Nur wird an dieser Schule nicht ein Wort Türkisch unterrichtet. Vielmehr legt die Schule Wert auf kleine Klassen, ein ausgeprägtes Betreuungsprogramm und soziale Aktivitäten. Die Semaschulen, so heißt es im Konzept, seien offen für Schüler aus allen Kulturkreisen und Nationen und interkulturell ausgerichtet. Verzichtet wird aber ebenfalls auf Religionsunterricht. Doch nicht nur das. In Mannheim wird auch kein Wort Türkisch unterrichtet.

Mannheim, Berlin und Köln sind nicht die einzigen türkischen Privatschulen in Deutschland. Doch eins zeigen ihre Profile allemal: Es geht ihnen um Integration - und das heißt nicht in jedem Fall, nur türkisch unterrichten zu wollen.

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