Heute Treffen mit Unternehmern und Religionsführern: Türkischer Staatspräsident
empört über Merkel-Einladung
zuletzt aktualisiert: 06.10.2006 - 10:10
Istanbul (rpo). Bundeskanzlerin Angela Merkel versucht sich bei Ihrem Türkeibesuch als Brückenbauerin. Bei ihrem Treffen mit Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan warb sie für einen verstärkten Dialog der Kulturen. Der Rahmen war gut gewählt: Erdogan hatte Merkel zum Iftar geladen, dem traditionellen Fastenbrechen im Ramadan. Diese Ehre steht traditionell nur engen Freunden und Verwandten zu. Beim türkischen Staatspräsidenten Ahmet Necdet Sezer stieß diese Einladung jedoch sauer auf.
Wie die türkische Presse am Freitag berichtete, reagierte Sezer äußerst gereizt, als er erfuhr, dass sein eigenes Treffen mit Merkel wegen der "Iftar"-Einladung für die Kanzlerin sehr kurz sein werde. Sezer ist ein strenger Säkularist und Gegner der islamisch geprägten Regierung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan.
"Gibt's denn so was?" fuhr Sezer den türkischen Minister und EU-Verhandlungsführer Ali Babacan an, der Merkel am Donnerstagnachmittag ins Präsidentenamt von Ankara begleitet hatte. Babacan hatte das Staatsoberhaupt gebeten, sich kurz zu fassen, weil die Kanzlerin pünktlich zum "Iftar" um 17.50 Uhr MESZ in Istanbul sein müsse. "Darüber reden wir noch", sagte Sezer nach übereinstimmenden Berichten mehrerer türkischer Zeitungen. Den Presseberichten zufolge war Sezer auch Merkel gegenüber äußerst reserviert: Der Präsident habe in seinem Gespräch mit der Kanzlerin die EU scharf kritisiert, weil sie bei der Türkei strengere Maßstäbe anlege als bei anderen Beitrittskandidaten, meldeten die Blätter.
Am Donnerstag sprach sich Merkel beim Iftar unter anderem für die Gründung einer deutsch-türkischen Universität aus. Am Freitag spricht Merkel in Istanbul mit deutschen und türkischen Unternehmern und nimmt an einem Wirtschaftsforum teil. Zum Abschluss ihres zweitägigen Aufenthalts wird sie am Nachmittag gemeinsam mit dem türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan die Oberhäupter mehrerer Religionsgemeinschaften treffen.
Die Kanzlerin hatte ihren Antrittsbesuch am Donnerstag mit politischen Gesprächen in Ankara begonnen. Bei dem anschließenden Iftar-Essen in Istanbul betonte sie, dass Deutschland ein besonderes Interesse an der Annäherung der Türkei an die EU habe. Zugleich lobte sie die vielfältigen deutsch-türkischen Beziehungen. Merkel wies darauf hin, dass die Türkei im kommenden Jahr Partnerland der Hannover Messe und 2008 Gastland der Frankfurter Buchmesse ist. "Wir sind also dabei, die Brücken zueinander, die fest verankert sind, noch breiter zu machen."
Die Kanzlerin plädierte für eine stärkere Zusammenarbeit auch in den Bereichen Hochschule und Wissenschaft. Die Idee einer deutsch-türkischen Universität sei "ein gutes Projekt, das auch von der deutschen Seite mit voller Kraft unterstützt wird".
Erdogan wirbt für EU-Beitritt der Türkei
Erdogan setzte sich in seiner Rede für eine Aufnahme der Türkei in die EU ein. "Die türkische Mitgliedschaft in der Europäischen Union wird für alle Seiten und den globalen Frieden eine wichtige Angelegenheit sein", sagte er. Der türkische Ministerpräsident warb dafür, dass die in Deutschland lebenden Türken ihre eigene Kultur und Sprache bewahren sollten. "Die zweieinhalb Millionen Türken in Deutschland müssen unbedingt Deutsch lernen", sagte er. Aber bei den Kindern sollte das Erlernen der türkischen Sprache Vorrang haben. "Zuerst die Muttersprache, dann die deutsche Sprache", betonte Erdogan.
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