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Festnahme von Islamisten: Ulm: Zentrum des radikalen Islamismus in Deutschland

zuletzt aktualisiert: 05.09.2007 - 13:48

München (RPO). Die Spuren der drei festgenommenen Terrorverdächtigen führen in die so genannte Ulmer Szene. Sie gilt in Ermittlerkreisen als eine der wichtigsten Zentren des radikalen Islamismus in Deutschland. 

Die drei Festgenommenen hatten nach Angaben der Bundesanwaltschaft Kontakte zu der so genannten Ulmer Szene. In der baden-württembergischen Stadt und der nur durch die Donau getrennten bayerischen Nachbarstadt Neu-Ulm sehen die Ermittler einen Schwerpunkt radikaler Islamisten in Deutschland. Vom seit 2005 verbotenen Multikulturhaus in Neu-Ulm und dem Islamischen Informationszentrum in Ulm aus sollen so genannte Hassprediger über Jahre die Saat für eine Radikalisierung junger Moslems gelegt haben, in den vergangenen Jahren zogen sie auch zunehmend radikale Deutsche an, die zum Islam konvertiert sind.

Schon bei einer von der Bundesregierung im Juni und Juli ausgesprochenen Warnung vor einer deutlich erhöhten Gefahr durch Anschläge verwiesen Sicherheitsbehörden auf die Region Ulm/Neu-Ulm. Damaligen Medienberichten zufolge hatten sich dort drei bis vier Islamisten angesiedelt, die zuvor in Pakistan als Terroristen ausgebildet worden waren. "Diese Leute kommen ganz bewusst wieder nach Deutschland zurück, und wir wissen, dass sie intensiv ausgebildet wurden", sagte Bayerns Innenminister Günther Beckstein (CSU) damals der "Süddeutschen Zeitung".

Eine Verbindung von islamistischen Terroristen zu den Zentren in Neu-Ulm und Ulm ist mehrfach belegt. So beteiligten sich mehrere Männer aus der Region 2002 und 2003 auf Seiten der muslimischen Rebellen an Kämpfen in Tschetschenien, drei starben dort. Die mittlerweile nicht mehr erscheinende Zeitung des dortigen Islamischen Informationszentrum (IIZ), "Denk mal islamisch", verherrlichte danach einen der Toten als Märtyrer. Dabei handelte es sich um den zum Islam konvertierten Thomas F., der auch Mitbegründer des IIZ war.

In der Moschee des Multikulturhauses in Neu-Ulm ging der Deutsch-Ägypter Reda S. ein und aus. Dieser stand lange unter dem Verdacht, am Terroranschlag auf Bali mit 202 Toten im Oktober 2002 beteiligt gewesen zu sein. S. sorgte zuletzt für Aufsehen, weil er sein Kind "Dschihad" - also heiliger Krieg - nennen wollte.

Das Multikulturhaus steht auch im Zusammenhang mit dem Fall Khaled el Masri. Dieser war in Mazedonien von der CIA festgenommen worden und anschließend fünf Monate in Afghanistan festgehalten worden. Anlass für die Verschleppung waren offenbar El Masris regelmäßige Besuche des Multikulturhauses. El Masri selbst war allerdings nie im Visier deutscher Ermittler.

Das 1996 gegründete Multikulturhaus in Neu-Ulm wurde Ende 2005 vom bayerischen Innenministerium wegen verfassungsfeindlicher Aktivitäten verboten, das Verbot wurde mittlerweile vom Bayerischen Verwaltungsgerichtshof bestätigt. Mehrere Prediger wurden aus Deutschland abgeschoben.

Dagegen besteht das IIZ nach wie vor. An Silvester konnte eine dem IIZ zugeordnete Gruppe ermittelt werden, die eine US-Kaserne in Hanau ausspähte. Einer der damals nur kurzzeitig festgenommenen Männer gehört zu den jetzt festgenommenen drei Terrorverdächtigen. Auch in Ulm aktiv war der seit August in Deutschland in Haft sitzende Tolga D. Dieser war im Juni in Pakistan festgenommen worden. Dort soll der von den Behörden als "Gefährder" eingestufte D. in einem Terrorcamp ausgebildet worden sein, außerdem soll er einen Deutschen für den Dschihad, den so genannten Heiligen Krieg, angeworben haben.

Quelle: afp

 
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