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Heute beginnt die Artenschutzkonferenz: Umweltsünder Deutschland

VON STEFANIE WINKELNKEMPER - zuletzt aktualisiert: 19.05.2008 - 08:51

Berlin (RP). Nicht weniger als die Zukunft der Tier- und Pflanzenarten steht seit heute in Bonn auf dem Spiel. Von der Weltnaturschutzkonferenz soll ein Signal für die Umwelt ausgehen wie vom Klimagipfel in Bali. Doch ausgerechnet das Gastgeberland Deutschland nimmt es nach Meinung von Experten mit dem Umweltschutz nicht so genau.

Heute eröffnet Bundesumweltminister Sigmar Gabriel in Bonn die 9. UN-Artenschutzkonferenz. Bis zum 30. Mai werden rund 5200 Delegierte aus 190 Staaten über Strategien zum Schutz der Tiere und Pflanzen verhandeln. Als eines der wichtigsten Ziele gilt die Eindämmung der Biopiraterie. Vereinbarungen zwischen Industrie- auf der einen sowie Schwellen- und Entwicklungsländern auf der anderen Seite sollen einen gerechten finanziellen Ausgleich schaffen.

Täglich sterben rund 150 Arten aus. Die weltweite Naturzerstörung soll die Menschheit Studien zufolge jährlich rund zwei Billionen Euro kosten.

Zur Konferenz wird auch Kanzlerin Angela Merkel erwartet - allerdings erst am 28. Mai. Sie hat bereits angekündigt, die Mittel für den globalen Waldschutz deutlich aufzustocken. Als "Messlatte" gilt regierungsintern die Initiative Norwegens, jährlich 500 Millionen Dollar im Kampf gegen die Zerstörung der Regenwälder zu investieren.

Scheitern nicht ausgeschlossen

Schon vor Beginn bremste allerdings Gabriel die Erwartungen. Er schließt sogar ein Scheitern des Gipfels nicht mehr aus. Die Welt stehe „am Scheideweg“, sagt der Minister. Dabei hat er bereits vorgearbeitet, um als Gastgeberland am Ende einen Teilerfolg vorweisen zu können.

Nach Informationen von Umweltverbänden sprach Gabriel Projekte für Schutzgebiete in Entwicklungsländern im Vorfeld ab und prüfte die finanziellen Spielräume. „Wir wollen etwas drauflegen“, bestätigt ein Ministeriumssprecher. Laut Deutscher Umwelthilfe soll es sich um einen zweistelligen Millionenbetrag handeln. „50 Millionen Euro sind abrufbar“, sagte Friedrich Wulf vom Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND).

Das Geld soll in Schutzgebiete weltweit investiert werden. Reiche Länder finanzieren arme, damit sie durch die Ausweisung von Brachflächen nicht am Wirtschaftswachstum gehindert werden. Aus Sicht des BUND aber sind Gabriels 50 Millionen Euro lediglich ein Tropfen auf den heißen Stein. „Nach unseren Kalkulationen müsste die Welt jährlich 30 Milliarden Euro investieren, um den Artenverlust zu stoppen“, sagte Wulf. Auf Deutschland entfielen zwei Milliarden.

Schwerwiegende Kritik an Deutschland

Ausgerechnet das Gastgeberland Deutschland nimmt es nach Meinung von Experten mit dem Umweltschutz nicht so genau. Ein Beispiel: Nur schleppend werden Vogelschutz und „FFH-Gebiete“ (Flora-Fauna-Habitate) ausgewiesen. Die Rückzugsräume sind Herzstück des Artenschutzes in der Europäischen Union und sollen 13 Prozent der Landmasse ausmachen. Deutschland hat bislang 9,9 Prozent ausgewiesen und liegt damit im hinteren Drittel aller EU-Staaten.

Auch im Kleinen spricht eine neue Studie den Deutschen die Vorbildrolle ab. In Ökofragen seien die Verbraucher allenfalls Mittelmaß, geht daraus hervor. Die Washingtoner National Geographic Society ließ 14000 Bürger in 14 Ländern befragen, unter anderem nach ihrem Willen zum Recycling, zum Energiesparen und zur Fortbewegung. Gut sind die Deutschen demnach bei Ökostrom, Isolierung und sparsamem Wasserverbrauch. Besonders negativ zu Buche schlägt die Vorliebe für das Auto.

„Deutschland ist eines der am meisten von Straßen zerschnittenen Länder“, sagt Ulrike Fokken von der Deutschen Umwelthilfe. Täglich verschwinden in Deutschland 113 Hektar Land unter Asphalt und Baugebieten. Auch die intensive Agrarwirtschaft trägt zum Artensterben bei - ohne dass der Entwicklung Einhalt geboten wird. Vom Gipfel in Bonn werden erneut Vorsätze, aber wenig Umsetzung erwartet.


 
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