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Die wahren Grünen?
Neue Partei will Schlachten von Tieren verbieten

V-Partei: Neue Partei will Schlachten von Tieren verbieten
Der Vorstand der "Partei für Veränderung, Vegetarier und Veganer" - das Mikrofon hält der Vorsitzende Roland Wegner. FOTO: V-Partei
Düsseldorf. Der "V-Partei³" sind die Grünen noch nicht grün genug. Die "Partei für Veränderung, Vegetarier und Veganer" fordert das Ende von industrieller Massentierhaltung und "Jagd als Hobby". Außerdem will sie die tierische Schulmilch abschaffen. Von Sebastian Dalkowski

Roland Wegner ist ein Mann, zu dessen größten Hobbys es gehört, rückwärts zu laufen. Wegen einer Knieverletzung wechselte er einfach die Richtung, wurde zu einem der besten Rückwärtsläufer der Welt und trat bei "Wetten, dass..?" auf. Doch als Vorsitzender einer neuer Partei will er nun vor allem eines: vorwärtskommen in Sachen Tier- und Umweltschutz. Die "V-Partei³" (Partei für Veränderung, Vegetarier und Veganer) will das Potenzial von angeblich knapp zehn Millionen Vegetariern und Veganern in Deutschland ausschöpfen und schon 2017 bei den Bundestagswahlen antreten. Spätestens 2021 möchte die Partei im Bundestag vertreten sein.

Auslöser für die Gründung der Partei war ein erfolgreiches Volksbegehren in Brandenburg gegen Massentierhaltung, als 104.000 Stimmen zusammenkamen. Das zeigte: Potenzial für eine neue grüne Partei ist vorhanden. Auf der Messe "VeggieWorld" in München kamen die Gründer kürzlich zusammen, um die Partei aus der Taufe zu heben – um Punkt 3 vor 12. Die Zeit drängt, sollte das signalisieren.

Essen keine Privatsache mehr

Nach dreistündiger Diskussion beschlossen die Anwesenden ein Grundsatzprogramm, das gleich in der Präambel nichts weniger als die Rettung der Welt zur Aufgabe der Partei macht. Dort ist ist die Rede von der Verpflichtung "eine V-Partei zu gründen, die in der Lage sein wird, die gesellschaftliche und politische Landschaft grundlegend zu verändern, nämlich die Menschen als Verbraucher zu schützen und zu unterstützen, Tiere zu achten, Klima und Natur zu retten und die Ursachen von Hunger, Krieg und Flucht auf der Welt zu minimieren".

Zentraler Programmpunkt ist die "Agraragenda 2030", die eine Landwirtschaft ohne Tierproduktion, Genmanipulation und Chemie zum Ziel hat. Die Partei will die Massentierhaltung abschaffen und bis 2030 alle Tierschlachtungen zur Produktion von Lebensmitteln, Kosmetik, Kleidung und Gebrauchsgegenständen verbieten. Ein Import tierischer Produkte soll ebenfalls untersagt werden.

"Jagd als Hobby", wie es die Partei formuliert, soll abgeschafft werden, die tierische Schulmilch durch pflanzliche Alternativen ersetzt werden, für stark zuckerhaltige und ungesunde Produkte soll nicht mehr geworben werden dürfen. "Jeder kann natürlich essen, was er will", sagt Wegner. "Aber unserer Meinung nach nicht, 'wen' er isst. Eine reine Privatsache ist Essen außerdem schon längst nicht mehr, wenn dadurch nachhaltige Schäden für uns alle entstehen. Denken Sie an die vielen Todesfälle durch die multiresistenten Keime, welche durch die Massentierhaltung hervorgerufen werden."

Einen Zwang zum Fleischverzicht sieht er im Programm nicht. "Ein Verbot von Tierschlachtungen kann nur mehrheitlich vom Parlament mit einer Änderung des Tierschutzgesetzes beschlossen werden", sagt er. "Das bedeutet, dass die Mehrheit der Bevölkerung dies dann für inakzeptabel hält, weil sie die entsprechende Partei gewählt hat."

Zeitumstellung soll abgeschafft werden

Die Politik der Grünen reicht Wegner nicht aus. "Die Tiere landen bei den Grünen weiterhin im Schlachthaus, auch wenn sie zuvor vielleicht ein paar Zentimeter mehr Platz im Käfig bekommen haben", sagt er.

Zu den weiteren Zielen der V-Partei gehört die Förderung regenerativer Energien und Elektro-Autos, das Verbot von Rüstungsexporten, das Volksbegehren auf Bundesebene und die Abschaffung der Zeitumstellung.

Neben Roland Wegner, der als Kämmerer in einer Gemeinde bei Augsburg arbeitet, gehören zum Vorstand ein Sportwissenschaftler, eine Pädagogin, ein Moderator des Senders "VeggieRadio", und der Betreiber einer veganen Smoothie-Bar. Der Leiter der Bundesgeschäftsstelle, Florian Harzmann, ist von Beruf Mediengestalter für Bild und Ton, arbeitet aber auch als Astrologe und sogenannter Reinkarnationstherapeut.

Gegen Fleischesser hat die Partei laut Wegner trotz ihres Programms nichts: "Die Fleischesser sind im Kern genauso gute Menschen wie die ehemaligen Fleischesser, die sich heute bereits pflanzlich ernähren. Sie wurden so von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft erzogen und haben noch nicht das Bewusstsein über die gesundheitlichen wie globalen Folgen des Fleischkonsums erlangt."

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