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Frauen machen nicht mit: Vereinigung von links

VON GREGOR MAYNTZ - zuletzt aktualisiert: 18.06.2007 - 08:41

Berlin (RP). Samstag Nachmittag an der Sonnenallee. Seit Stunden läuft ein die „Genossinnen und Genossen“ mitreißender Parteitag. Mit perfekter Inszenierung der Vereinigung von Sozialisten kennt man sich aus in Ost-Berlin. Doch plötzlich ist der Schwung erlahmt. Die Frauen machen nicht mit.

Die 50-Prozent-Frauen-Quote gilt. Doch der Vorstands-Vorschlag lässt die neue Linke als Partei der alten Männer erscheinen. Lothar Bisky (65) und Oskar Lafontaine (63) an der Spitze, dann Schatzmeister Karl Holluba (62) sowie Dietmar Bartsch als Geschäftsführer.

Der ist zwar erst 49, aber ein Mann. Mit einem um Stellvertreter und Beisitzer ausgeweiteten geschäftsführenden Vorstand wird die Frauenquote krampfhaft erfüllt. Nun streitet der Parteitag stundenlang darüber, ob die das ermöglichende Wahlordnung nur für diesen Tag oder überhaupt gelten soll. Um ein Haar sprengen die Frauen die Gründung - ganze zwei Stimmen fehlen an Unterbrechung und Vertagung.

So kann die Show weiter gehen. Am Morgen ist die trennende Wand zwischen WASG und PDS weggeräumt, ist der neue Name Buchstabe für Buchstabe auf die Bühne getragen worden, hat Fraktionschef Gregor Gysi 80 Delegationen aus 50 Ländern begrüßt und besonders bei Erwähnung der Kommunisten Kubas großen Jubel entfacht. Trotz der für ihn zu frühen Stunde entfacht Gysi rhetorisch überzeugende Stimmung von einem Ausmaß, dass die Begeisterung der Genossen sogar die lustlos vorgelesene Rede von Bisky übersteht.

Auch Willy Brandt wurde erwähnt

Euphorie kommt auf, als Lafontaine die Linke in die Tradition der deutschen Arbeiterbewegung, ja sogar Willy Brandts stellt. Viele melden sich zu Wort, um zu gratulieren und den Verhältnissen den Kampf anzusagen. Rainer Sauer aus Bocholt freut sich, dass „die kleinen Leute endlich wieder eine Stimme“ haben, Solidarität bekunden auch Schauspieler Peter Sodann, Intendant Frank Castorf, Liedermacher Konstantin Wecker, Kabarettist Werner Schneyder. Parteivize Katja Kipping will dem Verfassungsschutz die Arbeit abnehmen, und ihm von sich aus ihre Überzeugung zufaxen, dass „der Kapitalismus nicht das Ende der Geschichte“ sei.

Minutenlang feiern die Linken die bei nur einer Gegenstimme erfolgte Gründung, lassen riesige rote Luftballons durch die Halle hüpfen - und verfolgen die online eingehenden Parteibeitritte. Zehn Minuten nach Gründung sind es schon 22, eine halbe Stunde später 145 und am späten Abend rund 300. Die Linke sieht sich auf dem Weg zur neuen Volkspartei und kehrt zu alten Traditionen zurück: zur „Internationale“ als klingendem Abschluss.

Quelle: RP

 
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