Selbstmordanschläge jederzeit möglich: Verfassungsschützer warnt vor "erheblicher Terrorgefahr"
zuletzt aktualisiert: 02.12.2006 - 13:42Hamburg (RPO). Der Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz, Heinz Fromm, warnt mit ungewöhnlich deutlichen Worten vor der Terrorgefahr in Deutschland. Die Gefahr von Anschlägen sei "erheblich", so Fromm. Die Deutschen müssten damit rechnen, dass hierzulande zu Selbstmordanschlägen komme.
"Die Anschlagsgefahr in Deutschland ist erheblich", sagte Fromm der "Bild am Sonntag" ("BamS"). Bei den versuchten Kofferbombenanschlägen auf Regionalzüge "haben wir Glück gehabt", fügte der oberste Verfassungsschützer hinzu. "Wir müssen damit rechnen, dass es hier auch in Zukunft solche Versuche geben wird." Fromm sprach sich zudem dafür aus, auch unter Folter erpresste Terrorgeständnisse zu verwerten, um Anschläge zu verhindern.
Der Verfassungsschutzchef warnte, dass sich die Menschen in Deutschland auch auf Selbstmordattentate einstellen müssten: "Ein Ereignis wie in London kann auch in Deutschland eintreten." Es sei davon auszugehen, dass Auslandseinsätze der Bundeswehr die Bedrohung verstärkten. "Deutschland zählt für die islamistischen Terroristen zu den so genannten Kreuzzüglern. Dabei spielt die deutsche Beteiligung an der Anti-Terror-Koalition eine wichtige Rolle", sagte Fromm. Dies sei aus Verlautbarungen der Terroristen abzulesen.
Zugleich widersprach Fromm aber Berichten, wonach für die Weihnachtstage eine besondere Gefahr bestehe: "Wir kennen keine Fakten, die das belegen." Islamistische Terroristen orientierten sich nicht an Daten wie Weihnachten. "Man schlägt zu, wenn die Planungen abgeschlossen sind und die Gelegenheit da ist", sagte der Verfassungsschützer. "Unsere Einschätzung ist: Anschläge können zu jeder Zeit passieren."
Mit Blick auf mögliche Informationen aus Foltergeständnissen betonte Fromm, dass seine Behörde allen Gefährdungshinweisen nachgehe, die sie bekomme. Den Informationen sei nicht anzusehen, woher sie stammten und wie sie gewonnen worden seien. Die Möglichkeit, dass Informationen "nicht nach unseren rechtsstaatlichen Grundsätzen erlangt worden sein könnten, darf nicht dazu führen, dass wir sie ignorieren". Schließlich gehe es darum, Terroranschläge zu verhindern, betonte Fromm.
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