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Islamisten in Deutschland
Verfassungsschutz beobachtet neue Terror-Strategien mit Sorge

Razzia gegen Islamisten in Düsseldorf
Razzia gegen Islamisten in Düsseldorf FOTO: Gerhard Berger
Berlin . Verfassungsschützer sehen neue Strategien der Islamisten-Szene und der Terrormiliz IS mit Sorge. Komplexe Anschlagsvorhaben würden durch gut ausgerüstete und in mehreren mobilen Zellen agierende Attentäter ausgeführt. Sorge bereite ein neuer Tätertypus.

"Verschiedene Tätergruppen wie Schläferzellen, Rückkehrer und als Flüchtlinge eingeschleuste Dschihadisten agieren zusammen", erklärte das Bundesamt für Verfassungsschutz. In Europa träten verstärkt auch Einzeltäter auf, die Anschläge mit einfachen Tatmitteln begingen. Seit einiger Zeit sei außerdem zu beobachten, dass es bei Einzeltätern eine Steuerung durch den IS gebe.

"Sorge bereitet uns ein neuer Tätertypus, bei dem es sich nur scheinbar um Einzeltäter handelt", sagte Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen. "Diese Attentäter werden virtuell aus dem Ausland über Instant Messaging ferngesteuert. Ein derartiges Szenario ist eine besondere Herausforderung für die Sicherheitsbehörden – ebenso wie die Aufdeckung von Schläferzellen."

Islamisten-Szene nutzt das Internet als zentrale Plattform

Die Sicherheitsbehörden hatten am Dienstag in Schleswig-Holstein drei junge Männer mit syrischen Pässen festgenommen. Gegen sie wird wegen Terrorverdachts ermittelt. Die drei sollen im Auftrag des IS ins Land gekommen sein, "um entweder einen bereits erhaltenen Auftrag auszuführen oder sich für weitere Instruktionen bereitzuhalten". Der Verfassungsschutz war maßgeblich an den Ermittlungen beteiligt. Die Behörde wollte sich jedoch nicht näher zu dem Fall äußern.

Die Islamisten-Szene nutzt das Internet nach Einschätzung des Verfassungsschutzes als zentrale Plattform für die Radikalisierung, Rekrutierung, Kommunikation und Steuerung von Dschihadisten - und zur Planung und Vermarktung von Anschlägen. Viel Kommunikation laufe über Dienste wie Facebook, Whatsapp und Telegram. In den sozialen Netzwerken existierten Netzwerke, in denen gezielt nach Ausreisewilligen und potenziellen Attentätern gesucht werde. Dort würden Interessenten individuell beraten und bekämen dezidierte Anleitungen und Kontakte vermittelt.

Sorge wegen wachsender Zahl von Salafisten in Deutschland 

"Islamistische Terroristen setzen auf das Internet und die sozialen Medien als Werkzeug hybrider Kriegsführung", sagte Maaßen. "Die mediale Marketingstrategie des IS inspiriert nicht nur Nachfolgetäter, die '15 minutes of fame' suchen." Neu seien Aufrufe in sozialen Netzwerken zu Anschlägen, bei denen der Attentäter selbst unversehrt und erkannt bleibe.

Besorgt sind die Verfassungsschützer auch über die wachsende Zahl von Salafisten in Deutschland – einer besonders konservativen Strömung innerhalb der Islamisten-Szene. 2011 lag ihre Zahl noch unter 4000.
Mitte 2015 waren es 7500, Ende Juni 2016 dann 8900 und inzwischen 9200. "Das ungebremste Wachstum der Salafistenzahl vergrößert auch den Rekrutierungspool für Dschihadisten", beklagte Maaßen.

(dpa)
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