Angela Merkel spottet über Beck: Verliert die Kanzlerin die Nerven?
zuletzt aktualisiert: 28.05.2008 - 08:06Berlin (RPO). Kurz vor Sommerbeginn ist das Klima in der Koalition eisig. Die Entscheidung der SPD, mit Gesine Schwan eine eigene Kandidatin für die Wahl des Bundespräsidenten aufzustellen, geht offenbar selbst Bundeskanzlerin Angela Merkel an die Nieren. Offen spottete Merkel in einer Sitzung ihrer Fraktion über die SPD und richtete Spitzen gegen Parteichef Kurt Beck.
"Manchmal weiß man gar nicht mehr, wen man morgens anrufen soll. Am besten gleich Frau Nahles?", soll Merkel nach Angaben des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" in der Fraktionssitzung gesagt haben. Damit ließ sie indidrekt duchblicken, dass Beck ihrer Meinung nach seine Partei nicht im Griff hat.
Denn den Überraschungscoup Gesine Schwan schreiben Merkel und die CDU-Spitze vor allem Andrea Nahles und dem linken Flügel der SPD zu. Die übrige SPD-Führung um Beck, seine Stellvertreter Frank Walter Steinmeier und Fraktionschef Peter Struck hingegen hatte immer wieder Unterstützung für eine zweite Amtszeit Köhlers signalisiert. Dass sie sich jetzt nicht gegen die Forderung nach einer eigenen SPD-Kandidatin durchsetzen konnten, nimmt ihnen Merkel offenbar schwer übel.
Poltern und Spotten allerdings könnte Merkel eine ihrer größten Stärken kosten: Ihre Beliebtheit in der Bevölkerung. Derzeit ist Merkel die beliebteste Politikerin Deutschlands - doch ein großer Teil dieser Sympathie gründet auf ihrer gelassenen Art.
Seit Merkel das Amt 2005 übernommen hatte, schien sie nichts aus der Ruhe zu bringen. Welch wohltuender Kontrast zu ihrem aufbrausenden Vorgänger Gerhard Schröder, fanden ihre Fans, Kritiker bezeichneten sie dafür als Kanzlerin des Nichtstuns.
Die stichelnde Bemerkung passt so gar nicht zu diesem sorgfältig gepflegten Image und zeigt, wie viel Frust sich seit dem Stopp der Diätenerhöhung in der Union und dem Nominierungs-Krimi um Gesine Schwan aufgestaut hat. Soll die Koalition allerdings noch ein Jahr lang regierungsfähig bleiben - und keine der beiden Parteien wünscht sich einen vorgezogenen Wahlkampf - müsste aber wenigstens die Kanzlerin ihre Souveränität wahren.
So appellierte auch Merkel an beide Seiten, die Koalitionsarbeit trotz der bestehenden Differenzen fortzuführen. "Wir haben vom Wähler einen REgierungsauftrag erhalten und haben die Pflicht, diesen auf die bestmögliche Art zu erfüllen," sagte sie zum Bonner "General-Anzeiger und mahnte, ein Dauerwahlkampf bis 2009 entspreche "weder der Gemütslage der Deutschen noch meinem persönlichen Arbeitsverständnis."
Die neuesten Nachrichten und Berichte aus Politik, Wirtschaft, Panorama, Sport,
Kultur, Gesellschaft, Wissenschaft, Multimedia, Auto,
Reise und Beruf - im Archiv auch gratis recherchierbar. Dazu die besten Bilder,
Live-Ticker, Kolumnen und Hintergrundberichte.