Konzept für Dokumentationszentrum steht: Vertriebenen-Zentrum ohne Bund der Vertriebenen
zuletzt aktualisiert: 24.10.2007 - 12:07Berlin (RPO). Erika Steinbach, Präsidentin des Bundes der Vertriebenen, hat die Einrichtung eines Dokumentationszentrum begrüßt. "Ich freue mich, dass die Bundesregierung das Zentrum unter Dach und Fach gebracht hat", sagte Steinbach.
Das Projekt sei "in engem Schulterschluss mit dem BdV auf den Weg gebracht worden". Dazu, dass sie selbst keine führende Rolle bei der Konzeption der Zentrums übernehme, sagte Steinbach, sie habe "nie den Wunsch gehabt, Museumsdirektorin zu werden".
Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) und Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) verständigten sich nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" vom Mittwoch darauf, ein Dokumentationszentrum für Vertriebene in Berlin einzurichten. Der Gedenkort soll vollständig vom Bund finanziert werden.
Der "Bund der Vertriebenen" ist laut Thierse an dem Projekt nicht beteiligt. Die SPD habe ihre Zustimmung offenbar davon abhängig gemacht, dass die Steinbach keine führende Rolle bei der Konzeption der Dokumentationsstätte übernehme, heißt es in dem "SZ"-Bericht
Noch gestern hatte Angela Merkel beim Festakt zum 50. Gründungstages des Bundes der Vertriebenen gesagt, in Kürze würde ein Konzept für ein Dokumentationszentrum vorgelegt. "Ich habe die Idee immer unterstützt und werde das auch weiter tun", fügte sie hinzu. "Ich bin ganz sicher, wir werden die letzten Schritte auch noch schaffen."
Die "SZ" meldete, der Erinnerungsort solle eine historische Ausstellung, Seminarräume, ein "künstlerisches Element des Gedenkens" sowie eine große Ausstellungsfläche umfassen. Der Gedenkort soll im Deutschen Haus am Anhalter Bahnhof untergebracht und vollständig vom Bund finanziert werden. Für 2008 ist bereits ein Budget von 1,2 Millionen Euro vorgesehen.
Erika Steinbach begrüßte die Regierungspläne. Zur Unterbringung am Anhalter Bahnhof sagte die CDU-Bundestagsabgeordnete der AP: "Das Gebäude, das ausgewählt worden ist, halte ich für sehr geeignet. Es ist ausreichend groß und hat auch eine emotionale Bindung zum Thema Vertreibung, denn dort waren über viele Jahre landsmannschaftliche Einrichtungen untergebracht."
Das Fassaden-Fragment des Anhalter Bahnhofs an der Ecke sei zudem "ja fast ein Symbol für Ankommen und Vertreibung". Zugleich stellte sie Äußerungen von Thierse klar, der Bund der Vertriebenen sei an dem Projekt nicht beteiligt. "Es entspricht den Vereinbarungen, dass die deutschen Heimatvertriebenen in den wichtigsten Gremien dieses Dokumentationszentrums der Regierung vertreten sein werden", sagte sie.
Sie persönlich sei auch im Vorfeld in die Planungen eingebunden gewesen, so wie alle anderen Opferorganisationen auch. Abschließend sagte Steinbach: "Wir waren die treibende Kraft, dass es dieses Dokumentationszentrum überhaupt geben wird - und wollen dies natürlich weiterhin bleiben."
Neumanns Sprecher, Dietrich von der Schulenburg, widersprach ebenfalls der Aussage, dass Vertreter der Vertriebenen nicht beteiligt wurden. "Vertriebenenvertreter waren bereits in der Arbeitsgemeinschaft beteiligt, die das Konzept erarbeitet hat. Und sie werden auch in dem Beirat, der die künftige unselbstständige Stiftung begleitet, angemessen vertreten sein", erklärte er.
Die Debatte darüber läuft seit sieben Jahren, als der BdV die Stiftung "Zentrum gegen Vertreibungen" gründete. Union und SPD einigten sich 2005 in ihren Koalitionsverhandlungen darauf, ein "sichtbares Zeichen" gegen Vertreibungen in Berlin zu setzen.
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