Medienbericht: Verübten Taliban Anschlag auf Merkel?
zuletzt aktualisiert: 08.05.2009 - 19:54Berlin (RPO). Angela Merkel könnte einem Medienbericht zufolge bei ihrem Truppenbesuch in Afghanistan möglicherweise nur knapp einem Mordanschlag der Taliban entgangen sein.
So berichtet es "Bild.de" am Freitag unter Berufung auf das Gemeinsame Internetzentrum der deutschen Sicherheitsbehörden. Das Verteidigungsministerium teilte mit, der von KSK-Soldaten gefangene Taliban-Anführer Abdul Razeq werde nicht nach Deutschland überstellt.
Der Einschätzung des Gemeinsamen Internetzentrums (GIZ), Merkel sei womöglich knapp einem Taliban-Anschlag entkommen, liegt laut "Bild. de" eine Auswertung des arabischsprachigen Online-Magazins der Taliban, El Somud, zugrunde. Der Militärverantwortliche der Taliban für die Provinz Kundus, Mullah Baridschalai, spreche darin von einer kalkulierten Aktion gegen die Kanzlerin während ihres geheimen Besuchs im Bundeswehr-Camp Masar-i-Scharif am 6. April.
Flughafen beschossen
Der Flughafen von Masar-i-Scharif war 20 Minuten nach dem Abflug der Regierungschefin mit Raketen beschossen worden. Baridschalai zufolge wollen die Taliban eigene "nachrichtendienstliche Informationen" über den Aufenthalt der Kanzlerin erhalten haben. Sicherheitskräfte sagten laut "Bild.de", im deutschen Camp in Kundus gebe es möglicherweise einen Taliban-Spion.
Regierungsprecher Ulrich Wilhelm sagte am Freitag in Berlin, er könne den Bericht über den Anschlagsplan nicht bestätigen. Der Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums, Thomas Raabe, hob hervor, dass die Taliban allgemein versuchten, die Öffentlichkeit bewusst in die Irre zu führen.
KSK-Einsatz
Zur Gefangennahme des mutmaßlichen Taliban-Anführers Razeq am Donnerstag in der nordafghanischen Region Faisabad sagte Raabe, der Mann stehe im Verdacht, an mehreren Anschlägen auf deutsche Soldaten sowie auf afghanische Sicherheitskräfte beteiligt gewesen zu sein. Außerdem gebe es Hinweise darauf, dass er Kontakte zum Drogenmilieu pflege. Razeq war von Elitesoldaten des Kommandos Spezialkräfte (KSK) der Bundeswehr und afghanischen Sicherheitskräften gefasst worden. Laut Raabe wurde der Bundestag über den Einsatz der Spezialkräfte informiert.
Razeq soll nicht nach Deutschland überstellt werden. Der Taliban-Führer sei der Staatsanwaltschaft des afghanischen Inlandsgeheimdienstes in Kabul übergeben worden und werde "hoffentlich zügig verurteilt nach den vereinbarten rechtsstaatlichen Grundsätzen", sagte der parlamentarische Staatssekretär im Verteidigungsministerium, Christian Schmidt (CSU), im Bayerischen Rundfunk.
Heftige Feuergefechte mit der Bundeswehr
Nach dem Angriff von Aufständischen auf eine Bundeswehr-Patrouille in der Nähe von Kundus am Donnerstag teilte das Verteidigungsministerium nun mit, dass 29 Soldaten in drei Dingo-Transportfahrzeugen und zwei Fuchs-Transportpanzern mit Hand- und Panzerabwehrwaffen beschossen worden seien. Die Soldaten hätten zurückgeschossen, die Angreifer verfolgt und afghanische Sicherheitskräfte zur Verstärkung angefordert. Diese hätten bei heftigen Feuergefechten vermutlich vier Angreifer getötet, teilte das Ministerium mit. Vier Aufständische und ein afghanischer Polizist wurden demnach verletzt und vier Angreifer verhaftet.
US-Verteidigungsminister Robert Gates warb zum Abschluss seiner Afghanistan-Reise bei einem Truppenbesuch in der Provinz Wardak um Verständnis für den verstärkten Einsatz am Hindukusch. Die Erfahrung mit den Taliban und ihrem Verbündeten El Kaida habe gezeigt, dass Washington das Land nicht "vernachlässigen" dürfe, sagte er.
Spiegel: Groß-Offensive geplant
Der Bundeswehr und ihren Verbündeten in Afghanistan droht nach einem Bericht des "Spiegels" in den kommenden Monaten eine Offensive der Taliban. Das Hamburger Nachrichtenmagazin meldete am Freitagabend auf Berufung auf einen hohen US-Offizier, die militanten Islamisten wichen bereits dem militärischen Druck der Amerikaner im Süden und Osten aus und planten, in Regionen zuzuschlagen, in denen sie weniger Widerstand erwarteten, vor allem im deutschen Verantwortungsbereich.
Die Taliban hätten ihre Kommandostruktur der neuen Lage bereits angepasst. Offenbar hätten sie die afghanische Präsidentschaftswahl im August und die Bundestagswahl im September im Blick, schrieb "Der Spiegel" weiter. Sie wollten die Wähler im eigenen Land durch Anschläge verunsichern und die Mehrheit in Deutschland für den Bundeswehreinsatz zum Kippen bringen
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