kalaydo.de Anzeigen stellen auto immobilien kleinanzeigen tiere ferienwohnungen inserieren
  RP Providing |  RP Shop |  PremiumCard |  RP Reise
         
  Newsletter |  RSS |  Mobil |  Apps
Abo & Service | Anzeigen | ePaper | Schulprojekte  
 
       
 
  Gast
Kommentare ()

Erwin Huber neuer Parteivorsitzender: Vom Notnagel zum CSU-Chef

zuletzt aktualisiert: 29.09.2007 - 23:10

München (RPO). Die Delegierten auf dem CSU-Parteitag haben Erwin Huber zum neuen Partei-Vorsitzenden gewählt. Er soll die Christsozialen in die Zukunft führen. Kritiker haben ihre Zweifel. Ihnen gilt der 61-Jährige als Provinzpolitiker und politischer Langeweiler. Ein Blick in Hubers Biografie zeigt, dass er tatsächlich nur durch Zufall in die Politik fand.

Auch mit seiner Rede auf dem CSU-Parteitag riss er keinen vom Hocker. Aber es war ein Ansprache voller Leidenschaft. Mit rund 58 Prozent der Stimmen wählte ihn der CSU-Parteitag gegen Horst Seehofer und Gabriele Pauli zum neuen Vorsitzenden. Der vaterlos in ärmlichen Verhältnissen auf einem Einsiedlerhof in Niederbayern aufgewachsene Huber hat damit nach jahrelanger Dienerschaft für Edmund Stoiber sein großes Ziel erreicht.

Huber scheute sich nicht, sein angeblich größtes Manko in den Mittelpunkt seiner Bewerbung zu stellen. Seit 35 Jahren sitze er im Kreistag von Dingolfing. Aber von wegen Provinzialität, wie sie ihm seine Gegner vorwerfen: In den Städten und Dörfern Bayerns gewinne die CSU ihre Wahlen. Zuvor hatte ihm schon sein Kontrahent, Bundeslandwirtschaftsminister Seehofer, gegen jeden Verdacht in Schutz genommen, Hubers Horizont ende am Weißwurst-Äquator. "Der Erwin Huber hat die gleiche bundespolitische Kompetenz."

Auch wenn er selten in Lederhose auftritt, steht Huber dennoch wie kein anderer aus der CSU-Führungsspitze für das bayerische "mir san mir"-Gefühl. Zeigen tut er das durch Frechheit und Bauernschläue ebenso wie durch Charme und Humor. Huber sagt, er könne den Metzgermeister ebenso überzeugen wie die Schauspielerin Veronica Ferres, die er zu seinen Anhängern zählt. Als seine größten Stärken nennt Huber, der an seinen freien Tagen auf dem Rennrad durch Niederbayern tourt, "Zuverlässigkeit, treu zur Sache zu stehen, Einsatzbereitschaft, Verlässlichkeit, Glaubwürdigkeit".

Großer Einsatz

Der bayerische Wirtschaftsminister hat auf seinem steinigen Karriereweg tatsächlich großen Einsatz gezeigt. Er selbst bezeichnet sich als "Workaholic". Am 26. Juli 1946 im niederbayerischen Reisbach geboren, konnte er aus finanziellen Gründen nur zur Realschule gehen. Von 1963 an arbeitete Huber als Finanzbeamter, die Ausbildung schloss er als Jahrgangsbester ab. In der Abendschule holte Huber das Abitur nach und wurde Diplom-Volkswirt.

Parallel zur beruflichen Karriere kam Huber eher zufällig in die Politik. Weil 1967 sein JU-Kreisverband tief zerstritten war, musste jemand Unbelastetes als Vorsitzender her - die Wahl fiel auf den frommen Katholiken. Ein Notnagel, weil sich niemand anderes fand. Von einem derart steilen Aufstieg hat damals wohl Huber selbst nicht zu träumen gewagt.

Danach wurde er 1972 Kreistagsmitglied, 1978 Landtagsabgeordneter und 1988 noch unter Franz Josef Strauß CSU-Generalsekretär. Bis 1994 behielt Huber den Job. Unter Ministerpräsident Stoiber war er Staatskanzleichef, Finanz- und Wirtschaftsminister - eine je nach den Bedürfnissen eingesetzte Allzweckwaffe. Stoiber lobte oft die Loyalität Hubers - und fühlte sich arg getäuscht, als ihn dieser zusammen mit Günther Beckstein aus dem Amt drängte.

Aber wofür steht Huber?

Obwohl er auf Bundesebene Koalitionsverträge mit aushandelte und von Angela Merkel mit dem Job des Kanzleramtsministers gelockt wurde, ist er in der öffentlichen Wahrnehmung nie über den Rang eines Landespolitikers hinaus gekommen. Zwei Säulen machen ihn aus: Da steht beim verheirateten Vater von zwei erwachsenen Kindern eine stramm konservative Haltung, die er mit dem Satz "Ich bin stolz, ein Deutscher zu sein" kürzlich wieder nach außen trug. Und zum anderen ist da der gewiefter Finanzexperte, der sowohl Sparmöglichkeiten als auch Chancen für wählerfreundliche Ausgaben aus einem Haushalt zu lesen weiß.

Die Zukunft Hubers liegt nun in Berlin. Er hat schon angekündigt, bei der nächsten Bundestagswahl 2009 als CSU-Spitzenkandidat anzutreten. Doch bis dahin muss die CSU im kommenden Jahr zunächst die Kommunal- und Landtagswahlen überstehen. Bis dahin weiß Huber allerdings, worauf es in der CSU nach den Monaten der Zerrissenheit um den Abgang Stoibers ankommt. "Ich bitte alle, dass wir zusammen stehen und zusammen halten", appelliert er an den Parteitag.

Quelle: afp

 
weitere Artikel
 
Links zu diesem Artikel
 

 
Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung:

       
Anzeige:

Aktuell bei RP Online
Gesetzentwurf erntet Kritik von allen Seiten

Betreuungsgeld

Gesetzentwurf erntet Kritik von allen Seiten

FDP-Generalsekretär Patrick Döring schließt weitere Ausgaben für die Familienpolitik nach der Einführung des umstrittenen Betreuungsgeldes a ... mehr 

Teheran angeblich zu Kehrtwende bereit

Atomgespräche

Teheran angeblich zu Kehrtwende bereit

Der Iran ist nach den Worten seines Botschafters in Deutschland zu einem Verzicht auf die 20-prozentige Urananreicherung bereit. mehr 

Videos

Video

Grefrather Eisbahn wird zur Filmkulisse

Die Schlittschuhläufer laufen eine Runde nach der anderen. Auf der Außenbahn des Grefrather Eisstadions ist dieses Mal alles etwas anders . ... mehr 

V.I.P Duisburg:"Der Checker" - von Vivien Daberkow

Sie kennen es mittlerweile alle. Casting-Shows gibt es noch und nöcher. Die Teilnehmer überschwemmen in der Hoffnung auf den ganz ... mehr 

Kristina-Schroeder-die-Familienministerin_1_50355.jpg

Betreuungsgeld

Gesetzentwurf erntet Kritik von allen Seiten

Innerhalb der schwarz-gelben Koalition ist die Mehrheit für den Gesetzentwurf zum Betreuungsgeld nicht sicher. Die Unionsfrauen haben bereits angekündigt, dass sie dem Gesetzentwurf in dieser Form nicht zustimmen werden. Sie fordern eine ... mehr

 

Bildungsministerin unter Druck

Neue Plagiatsvorwürfe gegen Schavan

 

Zukunft des umstrittenen Kohlekraftwerks

Rot-Grün sucht Datteln-Kompromiss

 

Bundespräsident auf Staatsbesuch

Joachim Gauck – Israels kritischer Freund

 

Drohender Verzug bei Bergung der Abfälle

Altmaier besucht Atommülllager Asse

 
Top-Services