Elterngeld: Von der Leyen beharrt auf Babypause für Männer
zuletzt aktualisiert: 04.03.2006 - 09:25Mannheim/Berlin (rpo). Der Wind bläst ihr aus der Union mit voller Wucht entgegen. Dennoch will Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) an dem geplanten Elterngeld festhalten. Und dies werde nur dann für ein volles Jahr ausgezahlt, wenn auch die Väter sich auf eine zweimonatige Auszeit einließen. Von der Leyen bleibt hart: "Die Väterkomponente ist nicht verhandelbar."
Die Zeitung "Welt am Sonntag" berichtete über eine Studie des Bundesfamilienministeriums, derzufolge sich Väter heute genauso zwischen Beruf und Familie hin- und hergerissen fühlen wie Mütter.
Von der Leyen forderte, die Politik müsse den Vätern mehr Beachtung schenken. "Auch viele junge Männer haben Sorge, Familie und Beruf nicht unter einen Hut bringen zu können", sagte sie. Laut Umfragen wolle mehr als jeder Zweite von ihnen gerne Elternzeit nehmen, wenn er in dieser Zeit ein Einkommen hätte. Die skandinavischen Länder hätten mit diesem Modell gute Erfahrungen gemacht.
Elterngeld soll Erziehungsgeld ablösen
Das einkommensabhängige Elterngeld soll 2007 das derzeitige Erziehungsgeld ablösen. Die Eltern erhalten dann ein Jahr lang 67 Prozent des vorherigen Nettoerwerbseinkommens desjenigen, der zu Hause bleibt, bis zu einer Höchstgrenze von 1800 Euro. Das Elterngeld soll aber nur dann über volle zwölf Monate gezahlt werden, wenn der Vater des Kindes mindestens zwei Monate davon zu Hause bleibt. Ansonsten steht es nur für zehn Monate zur Verfügung. Das stößt bei Politikern in der Union auf Kritik, weil sie Alleinverdiener-Familien benachteiligt sehen.
Die "Welt am Sonntag" berichtete unter Berufung auf eine Studie des Bundesfamilienministeriums, der Konflikt zwischen Beruf und Familie sei bei Männern ein "unsichtbares Dilemma". Üblicherweise werde angenommen, dass die Doppelbelastung nur Frauen treffe. "Tatsächlich ist jedoch die von berufstätigen Vätern erlebte Belastung genauso groß wie die erwerbstätiger Mütter", zitierte die Zeitung aus dem Papier. Die Geschlechterrollen verhinderten allerdings, dass Frauen und Männer offen über Konflikte zwischen Beruf und Familie bei Vätern diskutieren. Im Beruf hielten viele Väter ihr Familienleben geheim, um keine Nachteile zu erfahren. Die Studie fordere die Einführung eines einkommensabhängigen Elterngeldes und die Ausweitung von Kinderbetreuungsmöglichkeiten.
Von der Leyen (CDU) sagte, in vielen Unternehmen herrsche die Vorstellung, dass Erfolg gleichbedeutend mit Dauerpräsenz ist. "Andererseits wollen die meisten jungen Männer Zeit für ihre Kinder haben und aktive Väter sein", sagte die Ministerin. Ein aktiver Vater müsse viel Durchsetzungskraft im Beruf haben, da er unter Ausgrenzungen zu leiden habe.
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