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Höhere Kindererziehungszeiten
Von der Leyen: "Höhere Renten für Mütter"
Ministerin von der Leyen im Interview
Berlin. Arbeits- und Sozialministerin Ursula von der Leyen hat sich offen dafür gezeigt, Müttern eine höhere Anerkennung der Kindererziehungszeiten in der Rente zu gewähren. Voraussetzung: Die Finanzierung muss gesichert sein. Von Martin Kessler und Eva Quadbeck

Die Forderung der Frauenunion nach höheren Renten für Mütter stößt auch bei der dafür zuständigen Sozialministerin Ursula von der Leyen (CDU) auf positive Resonanz. „Wenn die Finanzen gesichert sind, bin ich dafür offen, dass die Kindererziehungszeiten in der Rente besser anerkannt werden“, sagte von der Leyen im Interview mit unserer Zeitung.

Profitieren sollen Mütter, deren Kinder vor 1992 geboren wurden. Bislang wird für jedes dieser Kinder ein Rentenpunkt gutgeschrieben. Bei der Berechnung der Rente wird die Mutter so behandelt, als hätte sie in diesem Jahr Beiträge von einem Durchschnittsgehalt bezahlt. Müttern, deren Kinder ab 1992 zur Welt kamen, werden pro Kind drei Jahre in der Rentenversicherung gutgeschrieben. Die Frauen in der Union dringen darauf, dass alle künftigen Rentnerinnen mit Kindern gleich behandelt werden.

Dafür hat auch die Sozialministerin von der Leyen Verständnis. So gebe es eine Generation von Frauen, in der „Wenige Kinder erzogen haben“, sagte die CDU-Politikerin. „Im Alltag dieser Mütter gab es keine Kindergartenplätze und keine Ganztagsschulen. Beruf und Kindererziehung zu vereinbaren, war enorm hart.“ Es sei ungerecht, so von der Leyen, wenn diese Frauen im Alter nur eine Minirente bekämen.

Monatliches Plus von 27,50 Euro

Es geht um viel Geld. Jedes Jahr, das zusätzlich für ein Kind angerechnet wird, bringt der Rentnerin ein monatliches Plus von 27,50 Euro. Eine stufenweise Anhebung der Kindererziehungszeiten würde im Anfangsjahr nach Berechnungen aus dem Arbeitsministerium 100 Millionen Euro kosten. Experten rechnen, dass bei voller Anrechnungszeit von drei Jahren rund 3,5 Milliarden Euro zusätzlich fällig würden. Derzeit zahlt der Bund rund elf Milliarden Euro jährlich an die Rentenversicherung für die Kindererziehungszeiten.

Bereits im Koalitionsvertrag hatten Union und FDP vereinbart, eine Besserstellung der Mütter in der Rentenversicherung zu prüfen. Beim vergangenen CDU-Parteitag, bei dem das hoch umstrittene Betreuungsgeld beschlossen wurde, gab es eine Nebenverabredung, wonach auch die Rentenanpassung für die Mütter umgesetzt werden soll. Die Verabredung war als Kompensationsgeschäft zwischen den verschiedenen Interessengruppen in der CDU interpretiert worden: Viele Frauen in der Union lehnen das vor allem von der CSU geforderte Betreuungsgeld ab, winken es aber durch und können dafür im Gegenzug die höheren Renten für Mütter durchsetzen.

Quelle: rm
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