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Irak: Von entführten Deutschen fehlt jede Spur

zuletzt aktualisiert: 26.01.2006 - 13:01

Berlin (rpo). Noch immer fehlt jede Spur von den im Irak entführten Deutschen. Zwei Tage nach dem Verschwinden der Männer aus Sachsen sagte der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Gernot Erler (SPD), es gebe nach wie vor keinen Kontakt zu den Entführern. Der Krisenstab arbeite aber mit Hochdruck, um das Leben der beiden Ingenieure zu retten.

Am Donnerstag, drei Tage nach dem Kidnapping, geriet ihre Firma in Bennewitz bei Leipzig wegen der risikoreichen Entsendung der Ingenieure in die Kritik. Sportkameraden nahmen den entführten René Bräunlich gegen Unterstellungen in Schutz, er sei aus Geldgier in den Irak gereist. Im Auswärtigen Amt trat erneut der Krisenstab zusammen. Die Bemühungen um die Freilassung würden intensiv fortgesetzt, hieß es.

Die Fußballer des SV Grün-Weiß Miltitz in Leipzig erklärten im Internet: "Wir distanzieren uns von Meinungen von so genannten Experten, die Abenteuerlust oder Geldgier als Beweggründe für den Einsatz im Irak darstellen". Bräunlich, der bei der Fußballmannschaft im Mittelfeld spielt, kenne man sehr gut und man wisse, dass "allein die Sicherung des Lebensunterhalts und die Erhaltung seines Arbeitsplatzes ihn veranlasst haben, eine solche risikovolle Aufgabe wahrzunehmen".

Zugleich kündigten die Mannschaftskameraden an, in den nächsten Tagen ein Spendenkonto einzurichten. Damit solle gewährleistet werden, dass der Ingenieur und seine Familie gegebenenfalls notwendige Hilfe wie psychologische Betreuung oder Ähnliches erhielten.

Der frühere Geheimdienstkoordinator und heutige CDU-Bundestagsabgeordnete Bernd Schmidbauer kritisierte die Firma Cryotec für die Entsendung ihrer beiden Techniker scharf. "Hier kann auch das beste Geschäft nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Mitarbeiter in eine riesige Gefahr geschickt wurden", sagte der Politiker in einem Interview von DW-TV. Das Auswärtige Amt habe nicht ohne Grund vor Reisen in diese Region gewarnt. Schmidbauer: "Wer frisch in dieses Gebiet geworfen wird und sich nicht entsprechend schützt, muss sich nicht wundern, wenn er sofort aufgegriffen wird."

Erler (SPD) sagte im SWR, mit der Entsendefirma werde nach geglückter Geiselbefreiung über eine Kostenerstattung zu reden sein. Die Reisewarnungen seines Ministeriums ließen keinerlei Zweifel über die Lage zu. Wer diese Warnungen nicht beachte, lade sich eine hohe Verantwortung auf.

Erler verwarf im N24 Berichte, wonach die Entführten Opfer des harten Kerns des Widerstandes geworden seien, als Spekulation. Auch Schmidtbauer sprach von einem "primär kriminellen Hintergrund".

FDP-Fraktionsvorsitzender Wolfgang Gerhardt forderte "Schluss mit Irak-Reisen". Er sagte in N24: "Es kann eben nicht sein, dass man aus wirtschaftlichem Interesse oder privatem Interesse das Land besucht, und dann die gesamte deutsche Öffentlichkeit in Atem gehalten wird, über Lösegeld verhandelt wird, ganze Krisenstäbe sich täglich abmühen und die Angehörigen sich sorgen." Irak sollte erst wieder bereist werden, wenn Stabilität eingekehrt sei.

Glos dankt Monteuren im Auslandseinsatz

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos appellierte in einer Rede im Bundestag an die Entführer, die Techniker freizulassen. Er dankte den Menschen, die - wie die beiden Entführten - als Monteure und Ingenieure ins Ausland gingen, um deutsche Anlagen zu montieren und installieren. Dies komme der deutschen Wirtschaft zu Gute und diene einer friedlichen Entwicklung, sagte der CSU-Politiker.

Die deutsch-irakische Mittelstandsvereinigung Midan warnte die Wirtschaft davor, weitere Mitarbeiter in die Brennpunkte des Irak zu entsenden. Präsident Geland Khulusi sagte der "Berliner Zeitung", sicher seien die Kurdengebiete im Norden. 56 Prozent der Deutschen glauben nach einer n-tv-Umfrage, dass alle Deutschen, die keine familiären Bindungen hätten oder nicht in diplomatischen Diensten stünden, das Land verlassen sollten. 40 Prozent habe Verständnis für Journalisten, Geschäftsleuten sowie für Mitarbeiter von Sicherheitsfirmen und Hilfsorganisationen, wenn sie im Irak blieben.

Quelle: ap

 
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