kalaydo.de Anzeigen stellen auto immobilien kleinanzeigen tiere ferienwohnungen inserieren
  RP Providing |  RP Shop |  PremiumCard |  RP Reise
         
  Newsletter |  RSS |  Mobil |  Apps
Abo & Service | Anzeigen | ePaper | Schulprojekte  
 
       
 
  Gast
Kommentare ()

Deutsche Geschichte: Vor 30 Jahren: Drama der „Landshut“

zuletzt aktualisiert: 06.10.2007 - 17:42

Frankfurt (RP). Die Bilder haben sich tief ins kollektive Gedächtnis eingebrannt: Im Oktober 1977 entführten palästinensische Terroristen die Lufthansa-Maschine, um RAF-Gefangene freizupressen. Die Geiseln hatten fünf Tage Qual und Todesangst vor sich.

Es ist eine Art innere Stimme, die Jürgen Vietor vielleicht das Leben rettet. Eben noch hatte er ruhig von seinem Copilotensessel aus in den Himmel über Mogadischu geschaut. Doch jetzt überkommt ihn nur ein Gefühl: „Ich muss hier raus.“ Vietor setzt sich nach hinten in die Passagierkabine.

Wenige Momente später explodiert die erste Blendgranate, und Elitepolizisten der GSG 9 stürmen die „Landshut“. In dem sieben Minuten langen Kampf erschießen die deutschen Beamten drei der vier Terroristen und befreien die Passagiere nach fünf Tagen Qual. Als Bundeskanzler Helmut Schmidt in Bonn von der erfolgreichen Aktion in Somalia erfährt, schießen ihm Tränen in die Augen.

Die Geiselbefreiung ist einer der wenigen glücklichen Momente im „Deutschen Herbst“, der im April 1977 mit dem Attentat auf Generalbundesanwalt Siegfried Buback beginnt und im Oktober mit der Ermordung von Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer endet.

Im Stuttgarter Gefängnis Stammheim begeht die Führungsriege der Rote-Armee-Fraktion Selbstmord. Andreas Baader und Jan-Carl Raspe erschießen sich mit Pistolen, die von Anwälten ins Gefängnis geschmuggelt wurden, Gudrun Ensslin erhängt sich. Irmgard Möller sticht sich vier Mal in den Brustkorb und überlebt schwerverletzt.

Wie Schleyers Entführung sollte die Kaperung der „Landshut“ die Bundesregierung unter Druck setzen, elf RAF-Häftlinge zu entlassen. Bei ihrem Vorhaben wurden die Linksterroristen von der palästinensischen Organisation PFLP unterstützt. Sie eint der Hass auf Israel, das sie seit dem Sechs-Tage-Krieg von 1967 als Teil des imperialistischen Systems ansehen.

Vier Terroristen treiben Passagiere zusammen

Die Entführung der „Landshut“ beginnt am 13. Oktober über Südfrankreich. Lufthansa-Flug 181 ist mit 86 Fluggästen, drei Stewardessen und zwei Piloten auf dem Weg von Palma de Mallorca nach Frankfurt am Main, als die vier Terroristen die Passagiere im Heck der Maschine zusammentreiben und ins Cockpit stürmen.

Die Gruppe, die mit Pistolen und Handgranaten bewaffnet ist, besteht aus zwei Männern und zwei Frauen. Anführer ist der 23-jährige Libanese Zohair Youssif Akache, der sich zum „Captain Martyrer Mahmud“ ernennt. Er schlägt und erniedrigt immer wieder Besatzungsmitglieder und Passagiere. „Es war ein Terror-Regime über fünf Tage“, erinnert sich die damalige Stewardess Gabriele Dilling.

Erster Zwischenstopp ist Rom. Bei der Bundesregierung in Bonn liegen die Nerven blank: Innenminister Maihofer will die Reifen zerschießen lassen. „Das wäre ein Blutbad geworden“, sagt Copilot Vietor heute. Ohne Erlaubnis startet die Boeing 737 am Abend und fliegt mit Zwischenstopps in Larnaca auf Zypern und Bahrain nach Dubai am Persischen Golf.

Landung verboten

Wie zuvor in Beirut, Damaskus, Bagdad und Kuwait hatten die Behörden dort die Landung verboten. Die Terroristen ignorieren dies. In Dubai spitzt sich die Lage zu. Der Flughafen verweigert Kraftstoff, die Terroristen drohen mit der Erschießung von Geiseln.

Im letzten Moment lenken die Behörden ein. Die Maschine fliegt weiter nach Aden im Jemen, wo Vietor mit dem Jet wegen einer verstellten Landebahn auf einer Sandpiste aufsetzt. Als Kapitän Jürgen Schumann von einer Inspektion der Maschine verspätet zurückkehrt, ist Anführer Mahmud außer sich und erschießt den 37-Jährigen.

Schumann kostet auch sein Mut das Leben: Er hatte in Dubai per Funk heimlich Informationen über die Zahl der Entführer herausgegeben - eine Information, die Gold wert ist für den Sturm auf die „Landshut“. Die GSG 9 folgt der „Landshut“ per Sondermaschine unbemerkt zur letzten Station Mogadischu.

Dort verhandelt ein Vertreter der Bundesregierung mit Mahmud, spricht von Entlassung der Inhaftierten und erreicht die Verlängerung des Ultimatums. Dann geht alles Schlag auf Schlag: Somalische Soldaten entzünden zur Ablenkung ein Feuer, GSG-9-Beamte sprengen um 00.05 Uhr die Türen auf und werfen Blendgranaten. Geiseln und Grenzschutzbeamte überleben die Operation „Feuerzauber“ - nahezu unverletzt.


 
weitere Artikel
 
Links zu diesem Artikel
 

 
Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung:

       
Anzeige:

Aktuell bei RP Online
Syrische Rebellen stellen Assad Ultimatum

Nach neuem Massaker

Syrische Rebellen stellen Assad Ultimatum

Die oppositionelle Freie Syrische Armee hat dem Regime von Präsident Baschar al-Assad ein Ultimatum für die Umsetzung des Friedensplans des ... mehr 

Union will Millionenprogramm für Stromspeicher

Förderungen im Zuge der Energiewende

Union will Millionenprogramm für Stromspeicher

Die Unionsfraktion im Bundestag dringt auf ein Millionenprogramm, um das Speichern von Strom im Zuge der Energiewende stärker zu fördern. mehr 

Mehr Politik
Aus der Region

Förderungen im Zuge der Energiewende

Union will Millionenprogramm für Stromspeicher

Interview mit Wirtschaftsminister Philipp Rösler

"Union darf nichts mehr draufsatteln"

Rechts- und Linksextremismus

Schünemann für gemeinsames Abwehrzentrum

Videos

Video

Grefrather Eisbahn wird zur Filmkulisse

Die Schlittschuhläufer laufen eine Runde nach der anderen. Auf der Außenbahn des Grefrather Eisstadions ist dieses Mal alles etwas anders . ... mehr 

Video

Italien: Frau lebend aus Trümmern gezogen

Das Beben in Norditalien war am Dienstagabend schon 12 Stunden her, da gab es eines dieser kleinen Wunder, auf die die Menschen in den ... mehr 

Förderungen im Zuge der Energiewende

Union will Millionenprogramm für Stromspeicher

Die Unionsfraktion im Bundestag dringt auf ein Millionenprogramm, um das Speichern von Strom im Zuge der Energiewende stärker zu fördern. mehr

 

Interview mit Wirtschaftsminister Philipp Rösler

"Union darf nichts mehr draufsatteln"

 

Rechts- und Linksextremismus

Schünemann für gemeinsames Abwehrzentrum

 

Machtkampf bei der Linken

Wagenknecht lässt Kipping den Vortritt

 
 

Bundespräsident sorgt für Wirbel

Gauck vermisst ein Zeichen Israels

Top-Services