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Sammelabschiebung nach Afghanistan
Drei Asylbewerber vor Abschiebung abgetaucht

Vor Sammelabschiebung nach Afghanistan: Drei Asylbewerber in NRW abgetaucht
Für Abschiebungen werden meist Chartermaschinen genutzt. FOTO: dpa, pse hpl jai fux
Frankfurt/Main. Mit einem Charterflug sind am Montag mehrere Asylbewerber nach Afghanistan abgeschoben worden. Dagegen protestierten etwa hundert Menschen am Frankfurter Flughafen. Drei Afghanen sind jedoch vorher in NRW untergetaucht.

Vor einer geplanten Sammelabschiebung nach Afghanistan sollen drei abgelehnte Asylbewerber aus Nordrhein-Westfalen abgetaucht sein. Wie unsere Redaktion von einem unmittelbar mit der Durchführung Beteiligten erfuhr, hatte das Innenministerium sie zuvor nach einer Einzelfallprüfung durch NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) für den Charterflug nach Kabul angemeldet. Aus bislang ungeklärter Ursache konnten sich die Asylbewerber aber der Rückführung entziehen. Einen entsprechenden Bericht der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" wollte das NRW-Innenministerium zunächst nicht kommentieren.

Demo gegen Sammelabschiebung

Am Frankfurter Flughafen hatten kurz vor der Abschiebung knapp hundert Menschen demonstriert. Zu dem Protest hatten eine afghanische Flüchtlingsorganisation und Pro Asyl aufgerufen. Pro-Asyl-Geschäftsführer Günter Burkhardt sprach von einem "russischen Roulette auf dem Rücken der Flüchtlinge". Angesichts einer dramatisch verschlechterten Sicherheitslage in Afghanistan müssten Ablehnungen aus den Jahren 2015/16 noch einmal überprüft werden, sagte er. 

Für die Abschiebung von Afghanen war Innenminister Jäger vor kurzem auch vom Grünen Koalitionspartner scharf kritisiert worden. Unter anderem trat die flüchtlingspolitische Sprecherin der Grünen im NRW-Landtag, Monika Düker, aus Protest zurück. Jäger kündigte darauf an, abgelehnte Asylbewerber nur noch nach Einzelfallprüfung zurückzuführen. 

Die Maschine ist am Dienstagmorgen mit 26 abgelehnten Asylbewerbern in Kabul gelandet. Damit erreichten weniger Afghanen ihre Heimat, als ursprünglich von den dortigen Behörden erwartet.

(maxk/tor/dpa)
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