Suche nach neuem Bundespräsidenten: Vorrang für Merkels Vertraute
VON REINHOLD MICHELS - zuletzt aktualisiert: 02.06.2010 - 07:31(RP). Der 67-jährige Jurist und Finanzminister Wolfgang Schäuble und die sechzehn Jahre jüngere Ex-Familien- und jetzige Arbeitsministerin Ursula von der Leyen sind zwei Leistungsträger der Regierung. Die Christdemokraten schätzen sich zudem menschlich und politisch besonders.
In der Sprache der Formel-1-Asse könnte man sagen: Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble und Arbeits- und Sozialministerin Ursula von der Leyen starten aus Reihe eins ins Rennen um die Bundespräsidentschaft nach Horst Köhler, der seinen Wagen an die Boxen gelenkt hat.
Schäuble (67) und von der Leyen (51) sind christdemokratische Leistungsträger in Merkels Runde. Schäuble war das auch bereits während der Kanzlerschaft von Helmut Kohl, die 1998 nach 16 Jahren zu Ende ging. Schäuble, ein in allen Sätteln gerechter Jurist aus dem Badischen, war schon Kanzleramtschef, Bundesinnenminister, als Ursula von der Leyen noch nicht alle ihrer insgesamt sieben Kinder zur Welt gebracht hatte.
Aus hartem Kanzlerholz geschnitzt
Schäuble ist der Altmeister der Berliner Politik geworden. Wenn und wo er sich zu Wort meldet, findet er Gehör. Was den Mann, den im Oktober 1990 ein Psychopath zum Krüppel schoss, besonders auszeichnet, ist der Ernst, mit der er politisch zu Werke geht; ist auch die ans Verbissene grenzende Bereitschaft, trotz schwerer Behinderung als Rollstuhlfahrer Dienst, er würde es wie "Dinscht" aussprechen, zu tun, und sei es vom Krankenbett aus wie zuletzt über Wochen hinweg. Einfach aufgeben, hinschmeißen gar – das käme Schäuble, der aus hartem Kanzlerholz geschnitzt ist, nie in den Sinn. Wie man ihn kennt, wird er in kleinstem Kreis mit bitterböser Ironie über "Köhler, das Weichei" Klage führen.
Schäuble ist ein Kopfmensch, seine Gabe, ein Problem geistig zu durchdringen und notfalls schonungslos beim Namen zu nennen, ist seit seinen Jahren in Regierungs-, Partei- und Fraktionsführungs-Positionen bekannt – und gefürchtet. Schäuble ist verheiratet und Vater von vier Kindern.
Mit Kabinettskollegin von der Leyen versteht sich der anspruchsvolle Senior besonders gut. Umgekehrt heißt es, sie schätze und respektiere ihn unter allen Politikern aus Reihe eins am meisten. Kleine Gesten, wie das Überlassen bestimmter Schalentierchen, die Schäuble gar nicht, von der Leyen aber für ihr Leben gerne isst, erhalten die respektvolle Freundschaft.
Von der Leyen nicht unterschätzen
Für die verheiratete Medizinerin von der Leyen, eine Tochter des ehemaligen niedersächsischen CDU-Ministerpräsidenten Ernst Albrecht, gilt der von Horst Seehofer auf Angela Merkel gemünzte Satz ebenso: "Wer sie unterschätzt, hat schon verloren."
Die charmante, intelligente Frau, die als Familienministerin unter Angela Merkel viel für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie auf den Weg gebracht hat, ist eine moderne Bürgerliche. In ihrem zierlichen Körper stecken unbändiger Ehrgeiz und Leistungswille: eine stählerne Magnolie. Wird sie nicht Bundespräsidentin, könnte sie – wer weiß? – einst sogar Bundeskanzlerin werden.
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