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Plagiatsvorwurf
VroniPlag-Gründer: "Von der Leyen verweigert die Realität"

VroniPlag: Martin Heidingsfelder will Ursula von der Leyens Rücktritt
Von der Leyens einzige Möglichkeit ist ein Rücktritt - findet "VroniPlag"-Gründer Martin Heidingsfelder. FOTO: dpa, nie wst fpt
Düsseldorf. Martin Heidingsfelder, Gründer der Plattform VroniPlag, fordert einen Rücktritt der Verteidigungsministerin - und das möglichst schnell. "Sie kann es sich nicht leisten, rumzueiern", sagte Heidingsfelder unserer Redaktion. Im Moment verweigere von der Leyen die Realität.  Von Jill Frenz

"Mit einem Rücktritt rechne ich fest", sagte VroniPlag-Gründer Martin Heidingsfelder am Montag zur Plagiats-Affäre um Ursula von der Leyen. Eine andere Alternative gebe es nicht. Für ihn stelle sich gar nicht die Frage, ob die Dissertation Plagiate enthalte - daran bestehe ohnehin kein Zweifel. Auch sei nicht wichtig, ob von der Leyen letztlich den Doktortitel behalten könne. "Aber die entscheidende Frage ist jetzt, wie die Große Koalition damit umgeht." Und dort sieht Heidingsfelder nur eine akzeptable Lösung: Von der Leyen muss von ihrem Amt zurücktreten - und das möglichst schnell.

Von der Leyen weist Vorwürfe zurück

Ein Rumgeeiere über mehrere Monate hinweg, wie es damals Annette Schavan vollzogen hatte, könne sie sich in ihrer Position nicht leisten, findet Heidingsfelder, der stattdessen auf eine schnelle Entscheidung der Politikerin drängt. 

Auch die Doktorarbeit der CDU-Politikerin Schavan hatte VroniPlag Wiki 2012 untersucht und zahlreiche Plagiate entdeckt. Die Universität Düsseldorf hatte die Dissertation daraufhin geprüft und der damaligen Bildungsministerin schließlich im Februar 2013 den Doktorgrad entzogen. Vier Tage später war Schavan von ihrem Ministeramt zurückgetreten. Bis dahin hatte sie alle Vorwürfe zurückgewiesen. 

Das tut derzeit auch Ursula von der Leyen. "Den Vorwurf des Plagiats kann ich zurückweisen", sagte sie der Funke-Mediengruppe. Sie wisse seit Ende August von den Vorwürfen der Plattform VroniPlag Wiki, Teile ihrer Doktorarbeit abgeschrieben zu haben. Daraufhin habe sie selbst die Medizinische Hochschule Hannover gebeten, ihre Dissertation durch eine fachkundige und neutrale Ombudsstelle auf Plagiate zu überprüfen.  

"Plagiate auf 27 der 62 Seiten"

Seit dem Wochenende ist die anfangs anonymisierte Plagiatsdokumentation von der Leyen auch namentlich zuzuordnen. Laut der Internetseite von "VroniPlag Wiki" enthalte die Dissertation "zahlreiche wörtliche und sinngemäße Textübernahmen, die nicht als solche kenntlich gemacht sind". Die Mitglieder des Netzwerks berichten, auf 27 der 62 Textseiten Plagiate gefunden zu haben; auf fünf der Seiten seien sogar mehr als 75 Prozent des Inhalts abgeschrieben - ein belastender Vorwurf gegen die Verteidigungsministerin. 

"VroniPlag Wiki" ist eine Plattform, die Dissertationen überprüft, welche unter Plagiatsverdacht stehen. Martin Heidingsfelder ist der Gründer von "VroniPlagWiki", aber inzwischen nicht mehr daran beteiligt. Der Name geht auf Veronica Saß, die Tochter des CSU-Ehrenvorsitzenden Edmund Stoiber, zurück, deren Doktorarbeit 2011 als erste von der Plattform untersucht wurde. Die Mitglieder erhoffen sich durch die Veröffentlichungen, wissenschaftliches Arbeiten qualitativ verbessern und gegen akademisches Fehlverhalten vorgehen zu können. 

Die Medizin-Doktorin Ursula von der Leyen hatte 1991 an der Medizinischen Hochschule promoviert. Der Titel ihrer Dissertation: "C-reaktives Protein als diagnostischer Parameter zur Erfassung eines Amnioninfektionssysndroms bei vorzeitigem Blasensprung und therapeutischem Entspannungsbad in der Geburtsvorbereitung". Derzeit ist die Hochschule noch mit der Prüfung der Doktorarbeit beschäftigt.

"So eine Realitätsverweigerung geht nicht"

Plagiatsexperte Martin Heidingsfelder glaubt fest daran, dass von der Leyen ihr Doktorgrad nach der gründlichen Prüfung aberkannt wird. Und dann sei auch eine weitere Tätigkeit als Ministerin nicht mehr tragbar. Schließlich habe von der Leyen die Plagiatsvorwürfe öffentlich von sich gewiesen. "So eine Realitätsverweigerung geht nicht im Amt der Verteidigungsministerin", betonte der VroniPlag-Gründer. 

Aber hängt die Qualität der Verteidigungsministerin wirklich mit ihrer Medizin-Dissertation von 1991 zusammen? Muss aus einem entdeckten Plagiat eine Staatsaffäre werden, die von der Leyen aus dem Amt drängt, oder könnte die CDU-Politikerin weiter Ministerin bleiben - notfalls auch ohne einen Doktortitel?

"Nein", sagt Martin Heidingsfelder. Ursula von der Leyen habe keine wissenschaftlichen Gepflogenheiten und sei deshalb nicht für gehobene Aufgaben geeignet und deswegen unfähig, weiterhin eine ganze Armee zu führen. Ihr bleibe keine Alternative als der Rücktritt von ihrem Amt: "Man kann ihr nicht mehr helfen, sondern einfach nur noch raten, jetzt einen guten Abgang zu machen."

Die Ministerin will hingegen die Prüfung durch die Medizinische Hochschule Hannover abwarten. Nach einer Vorprüfung durch eine Ombudsperson entschied die Hochschulleitung am Montag, nun eine fünfköpfige Kommisssion mit einer "förmlichen Untersuchung", also einer Hauptprüfung, zu betrauen. Dies lasse aber keinen Rückschluss auf das Ergebnis zu, hieß es.

Unseren Kommentar zum Fall Ursula von der Leyen finden Sie hier.

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