| 17.47 Uhr

Proteste gegen angebliche Islamisierung
Warum die "Pegida"-Bewegung im Netz erfolgreich ist

Fragen und Antworten zu "Pegida"
Fragen und Antworten zu "Pegida"
Berlin. Die Politik schaut mit Sorge auf die wachsende "Pegida"-Bewegung. 10.000 Demonstranten waren am Montag gegen eine angebliche Islamisierung der Bundesrepublik auf die Straße gegangen. Auch im Netz sammelt die Bewegung immer mehr Anhänger.  Von Dana Schülbe

Angefangen haben die "Pegida"-Proteste in Dresden, doch inzwischen gibt es auch Ableger in anderen Städten – und angekündigte Proteste wie etwa in Bonn. Auch die Facebook-Seiten der Bewegung gewinnen immer mehr Anhänger. Bis Donnerstagmittag hatte die "Pegida"-Seite schon mehr als 42.000 Fans, die der "Dügida", des Düsseldorfer Ablegers, mehr als 4000 und "Pegida NRW" fast 1700. 

Jeder Eintrag in dem sozialen Netzwerk wird reichlich kommentiert. Auch Gegner der Bewegung äußern sich, werden aber häufig verbal angegriffen. Immer wieder betonen die "Pegida"-Anhänger dort, dass sie nicht in die Nähe von Rechtsextremen gerückt werden wollen, verteidigen ihre Ansichten über die angebliche Islamisierung der Bundesrepublik. Videos werden geteilt, Kritik an Politik und Medien geäußert. Der Ton ist rau. Warum die Bewegung auch im Netz erfolgreich ist, erklärt der Digital- und Politikberater Martin Fuchs, der die Seite Hamburger Wahlbeobachter betreibt.

Kritik an vielem in den Kommentaren

"Polarisierende Aussagen funktionieren im Netz immer besser als verwaschene Positionen", sagte Fuchs unserer Redaktion. "Mit extremen und polarisierenden Aussagen, die oftmals auch die Grenze des politisch Korrekten überschreiten, werden schnell viele Fans gewonnen, die dieses Gedankengut teilen, sich aber in der Öffentlichkeit nie trauen würden, diese Aussagen selber zu formulieren."

Die AfD und die rechtsextreme NPD, so Fuchs, hätten in den vergangenen Jahren vorgemacht, wie insbesondere soziale Medien für die politische Kommunikation erfolgreich genutzt werden können zur Mobilisierung von Massen. Diese Erfahrungen nutze nun auch die "Pegida"-Bewegung. Zudem würden die Seiten nicht moderiert, wodurch "jede noch so krude Meinung" Platz habe und neue Fans binde.

Seiner Beobachtung nach sei das Thema Islamisierung dabei nur der Aufhänger. "In den Kommentaren findet sich Kritik an vielem, was die deutsche Mittelschicht vermeintlich bedroht", sagte er. Auch herrsche unter den Anhängern ein großer Vertrauensverlust in die klassischen Medien. Sie wollten, dass auch andere Sichtweisen publiziert werden. "Dieses Ventil bietet nun Facebook." Hier sei es sehr einfach möglich, Dinge zu äußern nach dem Motto "Das muss man doch mal sagen dürfen" – und man werde von Tausenden wahrgenommen.

Auch Thema am Rande der Innenministerkonferenz

Dieser Frust, der sich auf der Straße und in den sozialen Netzwerken zeigt, schreckt inzwischen auch die Politik auf. Und so ist die "Pegida"-Bewegung auch Thema am Rande der Innenministerkonferenz. "Insgesamt müssen wir darauf achten, dass rechte Extremisten hier nicht die Ängste der Menschen missbrauchen", sagte etwa Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU). Und Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU) sagte der "Bild"-Zeitung, man müsse die Bevölkerung noch mehr über das Thema Asylpolitik informieren. "Die Straße ist dafür aber der falsche Ort."

NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) sieht "Neonazis in Nadelstreifen" hinter der Anti-Islam-Bewegung. Er sagte, es sei besorgniserregend, dass es "dem organisierten Rechtsextremismus gelingt, Menschen aus der Mitte unserer Gesellschaft, die Angst vor einer Islamisierung haben, dort abzuholen und an den Rand unserer Gesellschaft zu ziehen". Von der Herbstagung der Innenminister müsse auch die Botschaft ausgehen: "Niemand wird in diesem Land wegen seiner Religionszugehörigkeit diskriminiert." 

Der Mitbegründer der Dresdner "Pegida"-Bewegung, Lutz Bachmann, bestritt dagegen erneut, Ängste vor Ausländern zu schüren und Rechtsextremisten um sich zu scharen. Unbestritten ist aber, dass sich längst Hooligans, Neonazis und bekennende Islamfeinde unter die Protestierenden gemischt haben.