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Hintergrund: Warum Krieg im Kaukasus?

VON GODEHARD UHLEMANN - zuletzt aktualisiert: 09.08.2008 - 21:38

Düsseldorf (RP). Im Kaukasus droht sich ein regionaler Konflikt zwischen Georgien und Südossetien zu einem Krieg auszuweiten.

Welche Gefahren drohen?

Es kann zu einem Flächenbrand kommen, in den Russland, Georgien, Ossetien, Abchasien verwickelt werden können.

Was ist der Grund ?

Südossetien ist kein großes Land. Es umfasst knapp 4000 Quadratkilometer und zählt heute nur noch rund 75 000 Einwohner. Völkerrechtlich gehört das Gebiet zu Georgien. 1990 hatte sich Südossetien als Republik für unabhängig erklärt. Sie wurde aber international nie anerkannt. Georgien besteht auf seiner territorialen Einheit.

Wer sind die Osseten?

Sie sind ein iranischsprachiges Kaukasusvolk. Ihr Siedlungsgebiet ist in zwei getrennte Bereiche geteilt. Die nordossetische Republik liegt heute in Russland, Südossetien auf dem Gebiet Georgiens. Solange beide Teile noch Bestandteil der alten Sowjetunion waren, blieb es weitgehend ruhig. 1989 entstand eine südossetische Volksfront („Ademon Nychas“), die sich gegen die Abtrennung Ossetiens von der Sowjetunion wandte und eine Vereinigung beider ossetischer Teile forderte.

Im November 1989 hatte der Oberste Sowjet des Bezirks eine „Südossetische Autonome Sowjetrepublik“ beschlossen, die von der Sowjetunion (sie bestand bis 26. Dezember 1991) wieder abgeschafft wurde. Es kam zum ersten Südossetien-Konflikt (bis 1990). Im September 1990 erklärte sich Südossetien erneut für unabhängig. Es folgten schwere Auseinandersetzungen mit Georgien. Auf Seiten der Osseten wurden rund 2000 Menschen getötet, rund 100 000 flohen nach Russland. Als es Mitte 1992 zu kriegsähnlichen Auseinandersetzungen kam, beschloss ein georgisch-russisches Übereinkommen den Einsatz von Friedenstruppen sowie die Einrichtung von Pufferzonen.

Wer stellt die Friedenstruppe?

Sie ist rund 1500 Mann stark und wird von Russen, Osseten und Georgiern gestellt. Kontrolliert wird sie von einer Kontrollkommission, in der alle drei sowie die Nordosseten vertreten sind. Der Konflikt wurde dadurch aber nicht gelöst, nur eingedämmt.

Wer bestimmt bei den Südosseten?

Eduard Kokojti wurde 2002 und 2006 zum Präsidenten gewählt. 2003 bezeichnete er sein Land als Bestandteil Russlands. Regierungschef ist der russische Industrielle Juri Morosow. Er war Finanzdirektor einer russischen Ölgesellschaft. Die zweite Amtssprache in Südossetien ist Russisch. 95 Prozent der Bewohner haben die russische Staatsbürgerschaft angenommen. Sie brauchen im Gegensatz zu den Georgiern daher für Russlandbesuche auch kein Visum.

Welche Pläne hat Georgien?

Die Regierung in Tiflis will Südossetien mit Autonomierechten wieder in das Staatsgefüge eingliedern. Dazu hat Präsident Saakaschwili am 22. September 2004 vor der Uno einen Plan vorgelegt, der von Südossetien – aber auch vom ebenfalls abtrünnigen Gebiet Abchasien – sofort zurückgewiesen wurde. 2004 verständigte man sich auf einen Waffenstillstand, der aber immer wieder durchbrochen wurde. 2005 beschossen die Georgier die südossetische Hauptstadt Tschinwali mit Mörsern. In einer Volksbefragung am 12. November 2006 sprachen sich 99 Prozent der Südosseten für die Unabhängigkeit aus, die dort lebenden Georgier durften nicht abstimmen.

Was verursachte die Eskalation?

Angeblich hatten georgische Soldaten Anfang Juli einen Polizeichef in Südossetien umgebracht. Nachdem weitere Menschen getötet worden waren, hat die südossetische Regierung die Generalmobilmachung angekündigt. Georgien reagierte mit erhöhter Gefechtsbereitschaft. Georgien hatte seine Armee im Mai schon einmal in erhöhte Gefechtsbereitschaft versetzt, als Russland zusätzliche Truppen in die ebenfalls abtrünnige Region Abchasien schickte.

Was sagen die USA?

Sie unterstützen die territoriale Integrität Georgiens und fordern eine friedliche Konfliktlösung.

Quelle: RP

 
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