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Afghanistan: Warum musste der Feldwebel sterben?

VON HELMUT MICHELIS - zuletzt aktualisiert: 29.08.2008 - 07:35

Kabul (RP). Der Tod eines 29-jährigen Bundeswehrsoldaten in Afghanistan durch eine Sprengfalle hat kritische Fragen aufgeworfen. Er fuhr seiner Patrouille im Geländewagen nach Informationen unserer Redaktion ohne wirkungsvollen Minenschutz voraus. In einem moderneren Fahrzeug hätte der Soldat vermutlich überlebt.

Brisant ist vor allem die Tatsache, dass ausgerechnet die besonders anschlagsgefährdete Einheit mit einem Fahrzeug unterwegs war, das nur die geringste Schutzstufe aufwies. Es handelte sich um einen Geländewagen vom Typ Wolf, der die geringste Schutzstufe gepanzerter Einsatzfahrzeuge der Bundeswehr hat. Sie hält nur Gewehrgeschosse und Splitter ab, schützt aber nicht aber gegen Sprengfallen.

Schon Ende März kam es in Afghanistan zu einem Vorfall: Ein riesiger Bombenkrater in der Straße, ein scheinbar völlig zerfetztes Fahrzeug, das auf die Seite geschleudert wurde – trotzdem überlebten die Insassen eines Bundeswehrtransporters vom Typ „Dingo“, der auf eine Mine fuhr. Der 29-jährige Hauptfeldwebel, der am Mittwoch bei Kundus durch eine Sprengfalle der Taliban ums Leben gekommen ist, führte seine Patrouille aus insgesamt acht Fahrzeugen dagegen mit dem älteren Mercedes „Wolf“ an.

Warum nutzte der Soldat keinen „Dingo“? Warum ließ er kein besser geschütztes Fahrzeug vorausfahren? Wieso sind immer noch ältere „Wolf“-Geländewagen im Einsatz? Die Truppe fordert bereits seit Jahren ein moderneres, besser geschütztes Modell wie den „Eagle“ der Firma Mowag.

Fragen ohne Antworten

Auf diese Fragen gab es gestern keine offiziellen Antworten. Das Bundesverteidigungsministerium in Berlin verwies an das Einsatzführungskommando in Potsdam. Das wiederum erklärte, zu operativen Fragen, die Einsätze betreffen, gebe es „grundsätzlich keine Aukunft“. Unklar bleibt auch, ob eventuell zu komplizierte und zeitraubende Beschaffungsverfahren oder Geldmangel die schnelle Auslieferung modernerer Fahrzeuge verzögern.

Die Bundeswehr setzt in Afghanistan verschiedene Transport- und Aufklärungsradfahrzeuge ein. Der „Dingo“ wurde auf dem Unimog-Fahrgestell speziell zum Schutz vor Minen gebaut. Alle Flächen, auch die Fensterscheiben, sind schräg, um Splittern und Explosionsdruck keine Angriffsfläche zu bieten; die Fahrgastzelle ist noch einmal zusätzlich gepanzert.

Bereits am 26. November 2007 war 30 Kilometer nordöstlich von Kundus ein „Dingo“ in eine Sprengfalle gefahren. Die Insassen kamen mit dem Schrecken davon. Der spektakulärste Angriff auf einen „Dingo“ erfolgte im Oktober 2005 nahe der Hauptstadt Kabul: Eine sechs Kilo schwere Panzermine riss zwar einen Krater von einem Meter Tiefe in die Straße und schleuderte das Fahrzeug zwei Meter zur Seite. Doch obwohl das Fahrgestell erheblich beschädigt wurde, blieben die Soldaten unverletzt. Bis 2012 will die Bundeswehr 424 „Dingo“ beschafft haben. In Afghanistan könnten nach Schätzungen zurzeit bis zu 200 dieser Transporter im Einsatz sein. Aufgrund der guten Erfahrungen nutzen auch Österreicher, Belgier und Tschechen das bis zu eine Million Euro teure Fahrzeug. Luxemburg hat 48 „Dingos“ bei Krauss-Maffei bestellt.

Noch 260 "Wölfe" im Einsatz

Nach Informationen unserer Zeitung nutzt die Bundeswehr in Afghanistan noch rund 260 „Wölfe“, von denen nur 80 überhaupt eine leichtere Schutzpanzerung besitzen. Nachteil des „Dingo“ ist sein deutlich größeres Gewicht von 8,8 Tonnen. Er könne starke Steigungen, enge Straßen und Furten im Raum Kundus nicht bewältigen, heißt es. So bestand die angegriffene Patrouille möglicherweise ausschließlich aus „Wölfen“, und das Führungsfahrzeug könnte das bestgeschützte der Einheit gewesen sein, so dass der Hauptfeldwebel korrekt gehandelt hat.

Die Patrouille soll auch mit „Jammern“ (Störsendern) ausgerüstet gewesen sein, die Minen mit Fernzünder frühzeitig auslösen oder die Funkverbindung zum Sprengsatz unterbrechen. Das aber half den Fallschirmjägern aus dem pfälzischen Zweibrücken nichts, weil die Bombe per Draht ausgelöst wurde. Die Taliban arbeiten neuerdings auch mit raffinierten Druckzündern: Eine Variante ist mit Schaumstoff ausgepolstert. Fährt ein leichter Jeep darüber, reagiert die Mine nicht, sondern erst bei schwereren Fahrzeugen wie dem „Dingo“, um größeren Schaden anzurichten.

Quelle: RPMANTEL

 
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