kalaydo.de Anzeigen stellen auto immobilien kleinanzeigen tiere ferienwohnungen inserieren
  RP Providing |  RP Shop |  PremiumCard |  RP Reise
         
  Newsletter |  RSS |  Mobil |  Apps
Abo & Service | Anzeigen | ePaper | Schulprojekte  
 
       
 
  Gast
Kommentare ()

Neue Fotos der RAF-Selbstmorde: Was geschah in der Todesnacht von Stammheim?

VON NILS DIETRICH - zuletzt aktualisiert: 05.08.2008 - 18:38

Stuttgart/Düsseldorf (RPO). Die neu aufgetauchten Fotos aus den Zellen der RAF-Terroristen lassen Deutschland aufhorchen. Auf einmal werden jahrzehntealte Fragen wieder aktuell. Vor allem belastet die Ungewissheit über die Geschehnisse vom 18. Oktober 1977 das Gewissen der Republik. Wussten die Gefängnisaufseher in Stammheim von den Selbstmordplänen des Trios Baader, Ensslin und Raspe?  

Das Grab von Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe in Stuttgart.  Foto: ddp
Das Grab von Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe in Stuttgart. Foto: ddp

Es war die Nacht zum 18. Oktober. Im Hochsicherheitstrakt des Gefängnisses Stuttgart-Stammheim ist Ruhe eingekehrt. Gerade hat die GSG 9 die Lufthansa-Geiselnahme in Mogadischu unblutig beendet, Wochen vorher scheiterte die Entführung des Arbeitgeberpräsidenten Hans-Martin Schleyer. RAF-Ikone Ulrike Meinhof hatte sich bereits am 9. Mai 1976 erhängt.  

Die vier gefassten und in erster Instanz zu lebenslangen Haftstrafen verurteilten RAF-Terroristen Andreas Baader, Gudrun Ensslin, Irmgard Möller und Jan-Carl Raspe sitzen in ihren Einzelzellen. Allein sind sie trotzdem nicht: Über ein ausgeklügeltes Kommunikationssystem, das auf dem ehemaligen Anstaltsfunk basiert, können sie miteinander sprechen.

Der Rechtsanwalt Arndt Müller hatte in den Wochen zuvor Waffen, Sprengstoff und elektronische Bauteile in das Gefängnis geschmuggelt. Daraus entstand auch die Wechselsprechanlage der Terroristen, die untereinander ein Kontaktverbot hatten. In der Nacht zum 18. Oktober erfuhr Raspe von der gescheiterten Entführung der Landshut, mit der das Quartett freigepresst werden sollte.

Dann nahm das Geschehen seinen Lauf: Baader erschoss sich, Ensslin erhängte sich an einem Lautsprecherkabel, Raspe schoss sich in den Kopf und Möller verletzte sich mit einem Messer, konnte jedoch gerettet werden.

Bis heute behauptet Möller, es habe sich in der besagten Nacht nicht um Suizid, sondern um staatlich angeordnete Morde gehandelt. Die Aufseher der Justizvollzugsanstalt hätten zumindest von den Plänen gewusst. Auch der ehemalige RAF-Anwalt Hans-Christian Ströbele vertritt diesen Standpunkt. 

Über 400 Bilder gefunden

In Stuttgart waren am Montag mehr als 400 Bilder eines früheren Polizeifotografen aus den Zellen der RAF-Terroristen aufgetaucht. Die Aufnahmen stammten vom Morgen nach den Selbstmorden, berichtete die "Stuttgarter Zeitung". Auch "geheime Bilder" von Obduktionen der führenden RAF-Terroristen seien darunter. 

Der Polizeifotograf ist dem Bericht zufolge vor längerer Zeit verstorben. Die Bilder tauchten demnach vor einer Woche beim Entrümpeln eines Haushalts in Stuttgart in einem Koffer auf und wurden der Stuttgarter Staatsanwaltschaft übergeben. Nach Informationen der Zeitung handelt es sich größtenteils um Abzüge von Fotos, die vor dreißig Jahren für das so genannte Todesermittlungsverfahren von Stammheim angefertigt wurden.

Keine neuen Verdachtsmomente

Die nun gefundenen Bilder ergeben allerdings keine neuen Verdachtsmomente. Bettina Vetter von der Staatsanwaltschaft Stuttgart sagte unserer Redaktion, dass es sich bei dem gefundenen Bildmaterial im Wesentlichen um Fotos handele, die den Ermittlungsbehörden bereits vorliegen. "Zu einer neuen Ermittlung gibt es keine Veranlassung". Allerdings werde geprüft, ob Untersuchungen im Zusammenhang mit der Beschaffung der Bilder aufgenommen würden.

Unabhängig von den nun aufgefundenen Bildern prüft die Staatsanwaltschaft die Aufnahme von Ermittlungen zur Todesnacht vom 18. Oktober. Auslöser war ein Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" aus dem letzten Jahr, in dem neue Verdachtsmomente über die Rolle der Aufsichtsbeamten aufgekommen aufgetaucht waren. "Wir prüfen, ob es Anhaltspunkte für Mord durch Unterlassung gibt", bestätigte Vetter.  

Quelle: afp

 
weitere Artikel
 
Links zu diesem Artikel
 

 
Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung:

       
Anzeige:

Aktuell bei RP Online
Muslime werfen Gauck Geschichtsfälschung vor

Umstrittene Äußerung zum Islam

Muslime werfen Gauck Geschichtsfälschung vor

Joachim Gauck hat sich von der Einschätzung seines Vorgängers Christian Wulff distanziert, der Islam gehöre zu Deutschland. mehr 

Syrische Deserteure drohen Assad

Bürgerkrieg in Syrien

Syrische Deserteure drohen Assad

Die westlichen Staaten und die syrischen Rebellen drohen dem Assad-Regime mit einer härteren Gangart. mehr 

Mehr Politik
Aus der Region

Umstrittene Äußerung zum Islam

Muslime werfen Gauck Geschichtsfälschung vor

Bürgerkrieg in Syrien

Syrische Deserteure drohen Assad

Machtkampf bei den Linken

Kipping lässt Riexinger abblitzen

Videos

Video

Grefrather Eisbahn wird zur Filmkulisse

Die Schlittschuhläufer laufen eine Runde nach der anderen. Auf der Außenbahn des Grefrather Eisstadions ist dieses Mal alles etwas anders . ... mehr 

Kurios: Flugzeuge verhaken sich ineinander

Auf dem Chicagoer Flughafen sind sich zwei sehr ungleiche Flugzeuge ins Gehege gekommen. Eine Boeing 747 wollte sich auf den Weg machen, als ... mehr 

Bundespräsident Gauck in Israel

Umstrittene Äußerung zum Islam

Muslime werfen Gauck Geschichtsfälschung vor

Bundespräsident Joachim Gauck hat sich von der Einschätzung seines Vorgängers Christian Wulff distanziert, der Islam gehöre zu Deutschland. Damit brachte er den Zentralrat der Muslime gegen sich auf. Gauck betreibe Geschichtsfälschung. mehr

 

Machtkampf bei den Linken

Kipping lässt Riexinger abblitzen

 

Letzter DDR-Wirtschaftsminister

Gerhard Pohl tot aufgefunden

 

Minister stellt neues Programm vor

Altmaier grenzt sich von Röttgen ab

 
 

Bundesinnenminister Friedrich im Interview

Deutschland schickt 30 Polizeibeamte zur EM

Top-Services