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Studie zu Verdrossenheit bei Jugend: Was Schüler von Politikerreden halten

VON DANA SCHÜLBE - zuletzt aktualisiert: 29.06.2011 - 21:42

Berlin (RPO). Die Jugend engagiert sich nicht, sie interessiert sich nicht für Politik - so lautet ein gängiges Vorurteil. Tatsächlich mangelt es den deutschen Parteien seit Jahren an Nachwuchs. Ein Grund dafür liegt in der Art, wie sich Politiker selbst darstellen. Eine Berliner Studie hat nun hinterfragt, was die Jugendlichen genau daran stört - und stellte auch fest, dass sie gar nicht so uninteressiert sind.

Kanzlerin Angela Merkel bei einer Rede im Bundestag. Viele der Befragten finden, das Politiker absichtlich eine abgehobene Sprache sprechen.  Foto: AFP, AFP
Kanzlerin Angela Merkel bei einer Rede im Bundestag. Viele der Befragten finden, das Politiker absichtlich eine abgehobene Sprache sprechen. Foto: AFP, AFP

"Politik ist einfach nur ein schwarzes leeres Kästchen. Und dann kommt gar nichts mehr", sagt ein Schüler. "Mir kommt es so vor, als wenn sich Poltiker damit rühmen wollen: Umso mehr Fachbegriffe sie benutzten, umso toller sind sie", sagt ein anderer. Es sind die Worte von Schülern zwischen 16 und 19 Jahren, die an der Studie "Sprichst du Politik?" teilgenommen haben.

Ausgearbeitet wurde sie von Berliner Studenten in Kooperation mit der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung. In 27 Gruppeninterviews an Berliner Schulen sowie per Onlinefragebogen, den mehr als 30.000 Jugendliche beantwortet haben, wollten sie herausfinden, was in den Köpfen der jungen Menschen vorgeht, wenn sie mit dem politischen Sytem, den Politikern selbst und ihrer Sprache konfrontiert werden.

Gegen Fremdwörter

So sagte etwa ein Berufsschüler: "Das heißt nicht Nullwachstum, das heißt Stagnation. Also wirklich klipp und klar sagen, so und so sieht es aus." Die Botschaft könnte nicht deutlicher sein und wird von vielen Befragten bestätigt. 59,1 Prozent sagen, dass Politiker absichtlich eine abgehobene Sprache sprechen.

Fremdwörter, Kunstwörter, Beschönigungen - das führe bei den Jugendlichen zu Unverständnis und Überforderung. 78,5 Prozent der jungen Frauen und 67 Prozent der jungen Männer erklärten laut der Studie, dass es sie Zeit und Mühe koste, sich überhaupt in die politischen Themen einzufinden.

Um diese Situation zu verändern, haben die Jugendlichen sogar selbst Vorschläge gemacht. Denn völlig geht der politische Alltag nicht an ihnen vorüber. So sagte etwa ein Schüler, man könne ja Grundschüler einmal im Monat oder einmal in der Woche jemanden wählen lassen, der für irgendetwas verantwortlich sei - wie zum Beispiel die Organisation eines Frühstücks. "Dass man einfach diesen Prozess von Verantwortung übernehmen, wählen drüber nachdenken, wer kann das usw., lernt", fügte der Befragte hinzu.

Für früheren Politikunterricht

Dementsprechend glauben auch 74,2 Prozent, dass die Schule der wichtigste Ort ist, um sich politischen Themen anzunähern. Mehr als die Hälfte wünscht sich, dass der Politikunterricht viel früher beginnt. Und sogar 78,8 Prozent glauben, dass darin aber auch mehr über aktuelle Themen gesprochen werden muss.

Allein die Zitate der Schüler zeigen, dass es mit der Politikverdrossenheit der Schüler nicht so weit her ist. Ihrer Ansicht nach wird es ihnen einfach nur nicht leicht gemacht, sich wirklich intensiv damit zu beschäftigen. Die Studie fasst das so zusammen: Die Jugendlichen hätten das Gefühl, in der Demokratie gebraucht zu werden, aber nicht die Möglichkeiten zu haben, dieser Aufgabe gerecht zu werden.

In Zahlen heißt das: 81,2 Prozent finden es wichtig, sich mit Politik auseinanderzusetzen. Doch 44,2 Prozent der Schüler, die einen niedrigen Schulabschluss anstrebten sagen, sich engagieren sich nicht, weil sie eh nichts ändern können. Bei den Schülern, die etwa Abitur machen wollen, sind es immerhin noch 24,1 Prozent, die diese Aussage teilen.

Die Studie zeigt vor allem eines: Die Jugendlichen sind den erwachsenen Wählern gar nicht so unähnlich, wenn es um die politischen Einstellungen geht. Denn auch hier sitzt oftmals der Frust tief. Nicht wenige denken, sie können an der Lage nichts ändern und verzichten darauf, wählen zu gehen. Und je mehr dieser Frust bei den Erwachsenen zunimmt, umso weniger beschäftigen sie sich auch mit ihren Kindern mit Politik.


 
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