Bundesbank-Chef erklärt EZB-Verzicht: Weber sah Glaubwürdigkeit gefährdet
zuletzt aktualisiert: 12.02.2011 - 10:29Berlin (RPO). Bundesbank-Präsident Axel Weber verzichtet auf eine Kandidatur für den Chefposten der Europäischen Zentralbank (EZB), weil er seine Glaubwürdigkeit in Frage gestellt sah. Dem EZB-Präsidenten komme eine Sonderstellung zu, sagte Weber in einem Interview. "Wenn er jedoch zu wichtigen Fragen eine Minderheitsmeinung vertritt, leidet die Glaubwürdigkeit dieses Amts."
Weber erinnerte daran, dass er bei einigen wichtigen Entscheidungen in den vergangenen zwölf Monaten klare Positionen bezogen habe. "Die Positionen mögen für die Akzeptanz meiner Person bei einigen Regierungen nicht immer förderlich gewesen sein." Seither sei seine Überzeugung gereift, dass er das Amt des EZB-Präsidenten nicht anstrebe, so Weber gegenüber dem "Spiegel".
Weber war mit seiner öffentlichen Kritik am Beschluss des EZB-Rats angeeckt, Staatsanleihen auf dem Sekundärmarkt zu kaufen. Der 53-Jährige ist ein angesehener Experte für Geld- und Währungstheorie, war Ökonomie-Professor in Köln und einer der fünf Wirtschaftsweisen, die die Bundesregierung beraten.
Weber sagte dem "Spiegel", bereits im Herbst habe er der Regierung signalisiert, "dass für mich mehrere berufliche Optionen bestehen". Ihm sei wichtig gewesen, "frei zu entscheiden, was ich machen werde". Im Januar habe er darüber mit Merkel gesprochen. Es habe keine Festlegung auf eine Kandidatur gegeben, sondern die Vereinbarung, im März noch einmal ein Gespräch darüber zu führen. "Seit Januar ist dann mein Entschluss gereift."
Durch Indiskretion an die Öffentlichkeit gekommen
Über seine Entscheidung habe er - "wie es in einer unabhängigen Institution üblich ist" - als Erstes seine Vorstandskollegen in der Bundesbank informiert. Das Gespräch sei durch eine Indiskretion an die Öffentlichkeit gekommen, was er sehr bedaure.
Seine Zukunft ließ Weber offen. Er werde sich jetzt erst einmal eine Karenzzeit gönnen. "Ich möchte nicht vor dem nächsten Jahr irgendeine Tätigkeit aufnehmen." Zu den Gerüchten, er werde an die Spitze der Deutschen Bank wechseln sagte er: "Solange ich im Amt bin, führe ich keine Gespräche über meine berufliche Zukunft. Mit niemandem."
Weber legt sein Amt zum 30. April nieder. Regulär hätte seine achtjährige Amtszeit ein Jahr später, im April 2012, geendet. Webers Nachfolger soll nächste Woche bekanntgegeben werden. Als ein Kandidat gilt Merkels Wirtschaftsberater Jens Weidmann.
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