| 18.25 Uhr

Textentwürfe und Zettelwirtschaft
Was von der Weltklimakonferenz in Bonn bleibt

Weltklimakonferenz: Fazit fällt gemischt aus
Händeschütteln zum Abschluss: Der französische Umweltminister Nicolas Hulot, Bundesumweltministerin Barbara Hendricks und der französische Präsident Emmanuel Macron. FOTO: afp
Bonn. Bundesumweltministerin Hendricks wertet die Weltklimakonferenz zum Schluss als Erfolg. Wissenschaftler und Nichtregierungsorganisationen ziehen eine gemischte Bilanz.

Übrig bleibt eine riesige Zettelwirtschaft: 195 Staaten haben Textentwürfe erarbeitet. Ein Jahr bis zur nächsten Konferenz haben sie nun Zeit, daraus ein Regelwerk für das Pariser Klimaabkommen zu machen. Für Bundesumweltministerin Barbara Hendricks sind die Erwartungen an die Weltklimakonferenz damit erfüllt. Alle hätten in Bonn dabei sein und mitwirken wollen, letztlich auch die USA, inoffiziell vertreten durch mehrere Bundesstaaten wie Kalifornien. "Das ist der Geist von Paris", sagte die SPD-Politikerin. 

Scharfe Kritik kam von Grünen und Linken. Die Klima-Expertin der Grünen-Bundestagsfraktion, Annalena Baerbock, sagte: "Auf der Klimakonferenz in Bonn hat der Gastgeber Deutschland höchstens mit Lust- und Verantwortungslosigkeit beim Klimaschutz geglänzt. Die Aussage, es habe den Delegationen an Mut gefehlt, sei "schlicht und einfach falsch", sagte Umweltstaatssekretär Jochen Flasbarth. "Wir haben das geliefert, was jetzt erforderlich ist."

Klimaerwärmung auf 1,5 Grad eindämmen

Hendricks bedauerte, dass Deutschland beim Thema Kohleausstieg nicht konkreter geworden sei, was international Kritik auf sich gezogen habe. "Das muss natürlich die Verhandler zu Jamaika auch aufrütteln", sagte die scheidende Ministerin mit Blick auf die laufenden Sondierungsgespräche in Berlin. Es wäre aber "nicht anständig" gewesen, wenn sie der nächsten Bundesregierung hier vorgegriffen hätte.

Hendricks zeigte sich zuversichtlich, dass die künftige Bundesregierung bis zur Klimakonferenz in Kattowitz einen Pfad für den Kohleausstieg vorzeichnen werde. "Das wird die neue Bundesregierung auf jeden Fall machen müssen."

Bei dem in Arbeit befindlichen Regelwerk geht es vor allem darum, wie der klimaschädliche CO2-Ausstoß von den 195 Ländern künftig gemessen und angegeben werden soll. Alle müssen dabei die gleichen Maßstäbe anwenden. Ziel des Pariser Abkommens ist es, die Klimaerwärmung auf deutlich unter 2 Grad, möglichst sogar 1,5 Grad einzudämmen.

Es fehlt "Mut und Enthusiasmus"

Ein Hauptstreitpunkt der Konferenz aber war bis zuletzt das Geld, das reiche Staaten den ärmeren zum Klimaschutz und zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels geben sollen. Die Entwicklungsländer wollten zum Beispiel längerfristige Zusagen über ein Jahr hinaus. Die Industrieländer hielten dagegen, sie könnten ihre Haushalte nicht so lange planen. Wegen solcher Debatten wurde am Freitag mit Verhandlungen mindestens bis tief in die Nacht gerechnet.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace vermisste bei den Verhandlungen in Bonn "Mut und Enthusiasmus". Die stärksten Impulse seien von außen gekommen, etwa von der Länderallianz, die am Donnerstag den Ausstieg aus der Kohle angekündigt habe, kritisierte Greenpeace-Geschäftsführerin Sweelin Heuss.

Ottmar Edenhofer, Chef-Ökonom des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), forderte erneut einen schnellen Kohleausstieg: "Die Welt steckt in der Kohlefalle - und die UN-Klimakonferenz hat daran nichts geändert", kritisierte er. "Aus dieser Kohlefalle muss sich die Menschheit befreien, wenn sie die Kosten des Klimawandels begrenzen will."

An der Konferenz hatten 25.000 Delegierte aus 197 Nationen unter der Präsidentschaft der Republik Fidschi teilgenommen. Das nächste Treffen findet im Herbst 2018 im polnischen Kattowitz statt.

(laha/afp/dpa/kna)
 
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