Welche Fehler hat Althaus gemacht?
Grundsätzliche und mediale: Nach seinem schweren Ski-Unfall am Jahresanfang hätte die in Umfragen schon angezählte Thüringen-CDU größtes Verständnis für einen sofortigen Rückzug und Zeit für den Aufbau seiner Nachfolge gehabt. Er wollte aber die Macht nicht loslassen.
Mit seiner Rückmeldung via Boulevardpresse verprellte er die Thüringer Medien, bei denen er kein Bein mehr auf die Erde bekam. Mit seiner Wortwahl ("an ihrem Grab zu beten, war eine ganz wichtige Stunde für mich") und dem offenkundigen Versuch, aus dem von ihm verschuldeten Tod einer Skifahrerin auch noch politisches Kapital schlagen zu wollen, verdarb er sich viele Sympathien.
Was bedeutet der Rücktritt für die Thüringer CDU?
Die Erfurter Christdemokraten hätten ihrem Chef und sich einen besser inszenierten Abgang gewünscht. Entweder direkt am Abend des Wahldebakels als klare Übernahme der Verantwortung oder als hart abverhandeltes Zugeständnis an die SPD in Koalitionsgesprächen. Die lapidare Ein-Satz-Erklärung müssen sie als Schlag ins Gesicht empfinden. Er sprach weder mit den Partei- oder Fraktions- noch den Regierungsgremien, beriet sich nicht mit denen, die ihn stützten und machte keine Vorschläge für seine Nachfolge.
Gleichzeitig war aber allen klar, dass es mit Althaus nicht weiter gehen würde. Die einstimmige Solidaritätserklärung am Mittwochnachmittag war in Wirklichkeit die Botschaft, dass er weichen müsse. Nun kann die CDU versuchen, mit einer aufgewerteten SPD in einer schwarz-roten Koalition den Machtverlust an Rot-Rot doch noch zu verhindern.
Nutzt oder schadet der Rückzug Merkels Wahlkampf?
Bundeskanzlerin Angela Merkel verliert ihren wichtigsten Vertrauten in den neuen Bundesländern. Doch im Abwägen der Optionen hat sie sich zügig für ein schnelles Ende von Althaus' Karriere in Thüringen entschieden. Das Gefühl, dass da einer im Amt gehalten wird, der wirklich nicht mehr zu halten ist, hätte den nach vorne gerichteten Bundestagswahlkampf schwer belastet. Außerdem braucht sie die absolut einige, geschlossen kämpfende Union. Mit ihren feinen Drähten in den Thüringer Landesverband hatte sie aber das gewaltige Rumoren wahrgenommen und vorhergesehen, dass die nicht mehr zu haltende Festung Althaus über Wochen politisch sturmreif geschossen worden wäre. Ein zügiger Schnitt statt eine bis zur Wahl quälende Tortur erschien ihr nützlicher.
Kommt jetzt Schwarz-Rot?
Durch den Verzicht von Dieter Althaus hat sich die CDU die Chance eröffnet, doch noch die Macht in Thüringen zu behalten. Der auch an der CDU-Bundesspitze schon verloren gewähnte Chefposten ist wieder greifbar. Das wird sich die SPD teuer abkaufen lassen. Auch die Bundesspitze der SPD könnte je nach Stimmungs-Entwicklung ein Interesse an Schwarz-Rot statt Rot-Rot unter Linken-Führung in Thüringen haben: Als Besänftigung der Wähler und als Signal für eine Neuauflage der großen Koalition im Bund.