Neuer Außenminister in Frankreich: Westerwelle auf Europa-Tournee
VON NILS DIETRICH - zuletzt aktualisiert: 02.11.2009 - 16:05Den Haag/Paris (RPO). Guido Westerwelle ist derzeit viel unterwegs. Nach seinem Antrittsbesuch in Polen legte der neue Außenminister einen Zwischenstopp in den Niederlanden ein. Nun steht Frakreich auf dem Programm: Dort zeigt man sich über die Reiseplanung des Liberalen irritiert.
Neue Außenminister sind eigentlich einer gewissen Tradition verpflichtet: Nach dem Amtsantritt folgen eine Reihe von Antrittsbesuchen. Die erste Visite, so haben es seine Vorgänger in jüngster Zeit stets gehalten, führt nach Frankreich oder Großbritannien. Diese Reihenfolge ist ein Ausdruck der besonderen Beziehungen zwischen beiden Ländern - schließlich wird der wichtigste Partner, sollte man meinen, zuerst besucht.
Doch Westerwelle hat mit der Tradition gebrochen. Sein erster alleiniger Auftritt auf der internationalen Bühne fand nicht auf dem Pariser Parkett statt. Der Liberale reiste nach Warschau, wo man sich über die neue Wertschätzung sichtlich freute. Sein Amtskollege Radoslaw Sikorski bescheinigte ihm, dass die deutsch-polnischen Beziehungen "schon jetzt besser als je zuvor" seien. Westerwelle ließ wissen, dass er mit dem Besuch in Polen "ein klares Signal" geben wolle. Der neue Außenminister will sich künftig vermehrt um die osteuropäischen Nachbarn kümmern.
Auch auf seiner ersten Reihe gen Westen bleibt sich Westerwelle treu. Bevor er in Paris eintraf, machte er einen Schlenker in die Niederlande. Hier hatte der 48-Jährige ebenfalls eine besondere Botschaft im Gepäck: Die Visite im niederländischen Den Haag solle zeigen, dass Europa "keine Veranstaltung von einigen wenigen Großen" sei und sich die EU-Länder "auf gleicher Augenhöhe" begegneten. Seine Gesprächspartner, Amtskollege Maxime Verhagen und Ministerpräsidenten Jan Peter Balkenende, werden es mit Freude vernommen haben.
Schließlich ging es weiter nach Frankreich. Diesmal schickte er eine Botschaft bereits vorweg: Mögliche Sorgen, er könne den deutsch-französischen Beziehungen weniger Bedeutung beimessen als seine Vorgänger, seien "unbegründet", stellte Westerwelle noch vor seinem Abflug klar und fügte an. Über das Thema habe er bereits in Brüssel mit seinem französischen Pendant Bernard Kouchner gesprochen.
Mit dem Sozialisten traf Westerwelle in Paris bereits zu einem Mittagessen zusammen. Danach wollte Frankreichs Regierungschef François Fillon sich mit dem neuen deutschen Minister unterhalten; am späten Nachmittag ist ein Meinungsaustausch mit Staatspräsident Nicolas Sarkozy vorgesehen. Neben bilateralen Fragen dürften auch dort Themen wie die EU, Nato, Afghanistan sowie die Wirtschafts- und Finanzkrise eine Rolle spielen - wie bei den vorherigen Treffen auch.
Damit ist Westerwelles Europa-Tournee aber noch nicht beendet: Am Dienstag geht es weiter nach Belgien und Luxemburg. Einen Tag später sind die USA auf dem Programm, wo Beratungen mit Außenministerin Hillary Clinton anstehen.
Mit Agenturmaterial.
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