Jüngste Steinbach-Attacke: Westerwelle will die Wogen glätten
zuletzt aktualisiert: 16.09.2010 - 12:31Berlin (RPO). Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) hat den Deutschlandbeauftragten der polnischen Regierung, Wladyslaw Bartoszewski, gegen scharfe Angriffe von Vertriebenen-Präsidentin Erika Steinbach verteidigt. Diese hatte dem Polen "einen schlechten Charakter bescheinigt. Die Opposition reagiert empört und fordert die Kanzlerin auf, sich von Steinbach zu distanzieren.
Der Außenminister gab am Donnerstag quasi eine Ehrenerklärung für den Polen ab. Westerwelle schätze Bartoszewski als "eine ehrenwerte Persönlichkeit mit einer großen Lebensleistung für die deutsch-polnische Aussöhnung", erklärte ein Sprecher am Donnerstag in Berlin.
Steinbach hatte zuvor mit Kritik an dem Polen für Aufsehen gesorgt. In der ARD sagte die Präsidentin des Bundes des Vertriebenen (BdV): "Bartoszewski hat einen schlechten Charakter; das sage ich ohne Wenn und Aber."
Die CDU-Politikerin begründete ihre abfälligen Bemerkungen mit persönlichen Erfahrungen. So habe sie Bartoszewski vor Jahren herzliche Briefe geschrieben. Zwar habe sie nie eine Antwort erhalten, hingegen habe es von ihm aber Reaktionen öffentlicher Art gegeben.
Wladyslaw Bartoszewski
Der 88-jährige Bartoszewski war von den Nazis ins Konzentrationslager Auschwitz verschleppt und im April 1941 schwer krank entlassen worden. Bartoszewski soll Steinbach vor kurzem mit dem Holocaust-Leugner Bischof Richard Williamson verglichen haben.
"Wie man sich einfach nicht verhält"
Daraus lasse sich einiges schließen. Steinbach unterstrich, sie habe viel Verständnis für die Emotionen in Polen. Allen Opfern deutscher Schuld gelte ihr tiefes Mitgefühl. "Das hindert mich nicht daran, auch festzustellen, dass ich Einzelpersonen auch nicht so sehr schätze, wenn sie sich so verhalten, wie man sich anderen Menschen gegenüber einfach nicht verhält."
Steinbach gilt in Polen seit langem als Reizfigur, unter anderem wegen ihres Engagements für ein Zentrum gegen Vertreibung. Vergangene Woche hatte die streitbare BdV-Präsidentin mit Äußerungen zum Beginn des Zweiten Weltkriegs eine Welle der Empörung losgetreten.
So hatte sie Kritik an Funktionären ihres Verbandes zurückgewiesen. Diese hatten angedeutet, die Mobilmachung Polens sei eine Vorstufe zum Beginn des Zweiten Weltkriegs gewesen.
"Steinbach schlägt um sich"
Die SPD forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel nach Steinbachs neuen Äußerungen auf, sich eindeutig von der BdV-Präsidentin zu distanzieren. Merkel müsse dafür sorgen, dass Steinbach das deutsch-polnische Verhältnis nicht weiter vergifte, sagte Fraktionsvize Gernot Erler.
Steinbach schlage weiter unbelehrbar, unverfroren und unerträglich um sich. Die Verweigerung von Respekt gegenüber einem Menschen mit einer Lebensleistung wie Bartoszewski disqualifiziere sie definitiv.
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