Wikileaks-Bericht zu Afghanistan: Westerwelle will Enthüllungen prüfen
zuletzt aktualisiert: 26.07.2010 - 12:58Brüssel (RPO). Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) will die jüngsten Medien-Enthüllungen zur Sicherheitslage in Afghanistan genau prüfen. Es müsse ausgewertet werden, was der Bericht der Internetseite Wikileaks möglicherweise an neuen Erkenntnissen biete, sagte Westerwelle am Montag am Rande des EU-Außenministertreffens in Brüssel.
Die bisher unveröffentlichten Dokumente aus den Jahren 2004 bis 2010 zeigen laut dem Magazin "Spiegel", dass die Lage in Afghanistan immer bedrohlicher wird.
Westerwelle sagte dazu: "Ich sehe mich jedenfalls in meiner Haltung bestärkt, dass ich die Lage in Afghanistan nie beschönigt habe, immer gesagt habe, das ist eine außerordentlich ernste Situation dort." Dennoch sei der Einsatz notwendig, weil es um die Sicherheit in Europa und in Deutschland gehe.
Der britische Außenminister William Hague spielte den Bericht dagegen herunter. "Wir verbringen unsere Zeit nicht damit, Enthüllungen anzuschauen, wir setzen die international abgestimmte Strategie fort", sagte Hague in Brüssel. "Ich hoffe, dass solche Veröffentlichungen nicht die Atmosphäre vergiften", fügte der Brite hinzu.
In vielen EU-Ländern steht die Öffentlichkeit dem Einsatz zunehmend kritisch gegenüber. Großbritannien ist nach den USA und vor Deutschland der zweitgrößte Truppensteller am Hindukusch.
Wikileaks:
- Gegründet wurde Wikileaks im Jahr 2006 nach eigenen Angaben von chinesischen Dissidenten, Journalisten, Mathematikern und Technikern von Start-up-Unternehmen aus den USA, Taiwan, Europa, Australien und Südafrika.
- Derzeit arbeiten 5 Vollzeitmitarbeiter sowie 1000 weitere, teils sporadische Mitarbeiter für das Projekt.
- Offizieller Sitz ist Schweden, als Betreiber fungiert inzwischen die Menschenrechtsorganisation The Sunshine Press. Als Sprecher fungieren Julian Assange und Daniel Schmitt.
- Wikileaks finanziert sich durch Spenden, der Finanzbedarf liegt derzeit bei 600.000 Dollar im Jahr.
- Rund 100 juristische Verfahren wurden bereits gegen Wikileaks angestrengt, die sämtlich von dem Projekt gewonnen wurden.
- Mehr als eine Million Dokumente hat Wikileaks veröffentlicht, seit es Anfang 2007 im Internet startete.
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