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Otto Graf Lambsdorff panorama ddp
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Otto Graf Lambsdorff ist tot: Westerwelle zeigt sich tief bestürzt

zuletzt aktualisiert: 06.12.2009 - 18:44

Berlin/Bonn (RPO). Trauer um einen großen Liberalen: Der frühere FDP-Vorsitzende Otto Graf Lambsdorff ist am Wochende im Alter von 82 Jahren verstorben. FDP-Chef Guido Westerwelle zeigte sich "fassungslos und tief bestürzt". Bundeskanzlerin Angela Merkel würdigte Lambsdorff als herausragenden Liberalen.

Lambsdorff starb zwei Wochen vor seinem 83. Geburtstag plötzlich und unerwartet in einem Bonner Krankenhaus, wie sein Sohn Nikolaus am Sonntag mitteilte. Politiker würdigten die Lebensleistung des FDP-Ehrenvorsitzenden, der sich nach dem Ende seiner politischen Laufbahn mit der Aushandlung der Entschädigung für NS-Zwangsarbeiter parteiübergreifend Ansehen erwarb.

Die genaue Todesursache war zunächst noch unklar. In einer Nachricht seines Büros hieß es, Lambsdorff sei "von seinen vielfältigen Leiden erlöst" worden. Termine für Trauerfeier und Beisetzung standen zunächst noch nicht fest. Lambsdorff, der am Samstag starb, wäre am 20. Dezember 83 Jahre alt geworden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel würdigte ihn am Sonntag als "menschlich wie politisch gleichermaßen herausragenden Liberalen". Lambsdorff habe die Wirtschaftspolitik der Bundesrepublik lange Jahre ordnungspolitisch geprägt. Er sei eine der "großen Persönlichkeiten unserer sozialen Marktwirtschaft" gewesen, erklärte die Kanzlerin. Jenseits der Tagespolitik habe Lambsdorff "in so sensiblen Fragen wie der deutschen Entschädigung der Zwangsarbeiter des Zweiten Weltkrieges bleibende Maßstäbe gesetzt".

FDP-Chef Guido Westerwelle zeigte sich "fassungslos und tief bestürzt". "Die Liberalen verlieren mit Otto Graf Lambsdorff einen ihrer wichtigsten Gestalter und Wegweiser der vergangenen Jahrzehnte", sagte Westerwelle am Sonntag in Berlin, "wir sind tief traurig." Deutschland verliere einen prägenden Wirtschaftspolitiker, der mit seinem Kompass der sozialen Marktwirtschaft den Weg gewiesen habe.

Westerwelle lobte Lambsdorffs "programmatische Klarheit und kantige Unerschütterlichkeit". Sein marktwirtschaftliches Engagement und sein Engagement für die Menschenrechte weltweit hätten der FDP über ein halbes Jahrhundert hinweg wesentlich zu ihrem Profil verholfen. "Otto Graf Lambsdorffs Verdienste für die Sache der Freiheit haben die Bundesrepublik entscheidend mit geprägt", sagte der FDP-Vorsitzende.

Lambsdorffs politischer Weggefährte Hans-Dietrich Genscher nannte ihn einen "guten Kameraden", der die deutsche Nachkriegsgeschichte gestaltet habe. Lambsdorff sei ein Patriot im besten Sinne des Wortes gewesen, schrieb der frühere FDP-Vorsitzende in der "Bild"-Zeitung (Montagausgabe).

Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) erklärte, Lambsdorffs "Engagement für Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit gehören zu seinem politischen Wirken genauso wie das Eintreten für die soziale Marktwirtschaft".

Der SPD-Vorsitzende Siegmar Gabriel unterstrich: "Nach seinem Ausscheiden aus dem Bundestag hat er sich bleibende Verdienste um die Entschädigung der NS-Zwangarbeiter erworben. Jenseits aller Differenzen in anderen Fragen wird ihm die deutsche Sozialdemokratie diesen persönlichen Einsatz nie vergessen."

Flick-Affäre überschattete Karriere

Lambsdorff wurde am 20. Dezember 1926 in Aachen geborenen und war seit 1951 Mitglied der FDP. 1972 zog der promovierte Jurist in den Bundestag und den FDP-Parteivorstand ein, 1977 wurde er zum Bundeswirtschaftsminister ernannt.

Lambsdorff war ein kämpferischer Verfechter der Marktwirtschaft. Ein von ihm verfasstes Papier trug maßgeblich zum Ende der sozial-liberalen Koalition unter Helmut Schmidt 1982 bei. Er blieb auch unter Kanzler Helmut Kohl Wirtschaftsminister, bis er 1984 wegen der Anklage im Zusammenhang mit der Flick-Parteispendenaffäre zurücktrat. Wegen Steuerhinterziehung beziehungsweise Beihilfe dazu wurde der FDP-Politiker 1987 zu einer Geldstrafe verurteilt. Von 1988 bis 1993 war er FDP-Vorsitzender.

1999 ernannte ihn Bundeskanzler Gerhard Schröder zum Bundesbeauftragten bei der Regelung für die Entschädigung ehemaliger Zwangsarbeiter unter dem nationalsozialistischen Regime. 2001 führte er die schwierigen Verhandlungen mit der US-Regierung, der deutschen Wirtschaft und Anwälten der NS-Zwangsarbeiter zu einem erfolgreichen Ende.

Quelle: AP/pst

 
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