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Antrittsbesuch auch in den USA: Westerwelles erste Woche

VON GREGOR MAYNTZ - zuletzt aktualisiert: 05.11.2009 - 21:03

Berlin (RP). Außenminister Guido Westerwelle blickt auf eine ereignisreiche Woche zurück. Nach den Antrittsbesuchen in Brüssel, Warschau und Paris traf der Vizekanzler am Donnerstag mit seiner US-Kollegin Hillary Clinton zusammen. Westerwelle genießt diese Augenblicke. Es gibt Momente, da scheint er wie staunend neben sich zu stehen.

Gerade hat er seine höflichen Sprechblasen über die freundschaftlichen Beziehungen zu Protokoll gegeben, sie persönlich mit seiner Herkunft als "Rheinländer" gefärbt, da hält er kurz inne, betrachtet die Gemälde, die Prachtleuchter, die Goldverzierungen und sagt dann mit leicht schiefem Mund, dies sei ja "mit das Schönste, wo man eine Pressekonferenz abhalten kann".

Westerwelle weiß genau, wo er ist. Im Uhrensaal am Quai d'Orsay, dem Sitz des französischen Außenministers. Westerwelle schaut, als wäre er ausnahmsweise in dieser prunkvollen Umgebung aufgeschlagen. Doch Hausherr Bernard Kouchner sitzt neben ihm, übernimmt verbal den Job des "zwick-mich-damit-ich-glaube-dass-das-wirklich-passiert". Er sagt schlicht: "Guido, Du wirst jetzt öfter hier sein, mein Freund, Du bist jetzt hier zu Hause." Zu Hause. Westerwelles Wohnzimmer lässt sich nicht mehr in Stoppersocken durchqueren. Jetzt braucht er den Regierungs-Jet.

Am ersten Tag hat er nicht einmal Zeit, seinen neuen Schreibtisch einzuräumen, da ist er schon auf dem Weg zum Europäischen Rat nach Brüssel. Samstag Warschau, Montag Den Haag und Paris, Dienstag Luxemburg und Brüssel, Donnerstag Washington. Guido globalisiert. Und zwar im Zeitraffer. Unterwegs schaufelt er via "Hochdruckbetankung" außenpolitisches Fachwissen in sich hinein. Noch ist der Außenminister eher "außen Minister" und innen latent unsicher. Aber das schwindet von Tag zu Tag.

Und natürlich ist es auch bei dieser Regierungsbildung so, dass die Ereignisse ein sachtes Lernprogramm durchkreuzen. Fünf Tage bevor Westerwelle seiner amerikanischen Amtskollegin Hillary Clinton die Hand schütteln kann, telefonieren die beiden bereits miteinander und klären ihre Meinungen zu den jüngsten Entwicklungen in Afghanistan. Und als er ihr dann Donnerstag gegenüber sitzt, bleibt ebenfalls keine Zeit für Smalltalk.

Mit Clinton über Opel-Deal diskutieren

Deutschlands Regierung ist sauer darüber, wie die Amerikaner hinter dem Rücken der im Kongresse redenden Bundeskanzlerin den Opel-Deal handhabten. Clinton habe "viel Verständnis für unsere Haltung gezeigt", sagte Westerwelle nach dem Treffen in Washington. "Die Außenministerin hat sehr klar gemacht, dass die Entscheidung ohne politische Einflussnahme der amerikanischen Regierung zustande kam." Westerwelle wertete dies als "gute Nachricht".

Vom Antrittsbesuch bei der Nato hat Westerwelle außerdem die dringende Ermahnung zu mehr Soldaten und Ausbildern für Afghanistan mitgebracht. Da bleibt kaum Zeit, Westerwelles eigene Initiative "US-Atomsprengköpfe raus aus Deutschland" intensiver zu erörtern.

Bei der Einführung im Auswärtigen Amt machte Westerwelle keinen Hehl daraus, dass er sich den liberalen Rekord-Minister Hans-Dietrich Genscher zum Vorbild genommen hat. Mit ihm hatte er die eigenen Akzente durchgesprochen: Bei aller Kontinuität gleich zum Auftakt Profil zeigen, indem es nicht zuerst nach Paris und London geht, sondern nach Warschau und demonstrativ zu den "Kleinen".

Die ersten Gehversuche hat Westerwelle ohne Ausrutscher hingekriegt. Freilich muss er den parallelen Gang noch üben. Denn während Westerwelle abhob, sackten die Umfragewerte der FDP ab. Genscher verstand es, sowohl den Glanz der weiten Welt auf die Liberalen zu lenken, als auch umfragewirksam in der Innenpolitik mitzumischen. Für den Vizekanzler Westerwelle bleibt noch viel Raum.


 
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