Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing, hat ihren neuen Drogen- und Suchtbericht 2009 vorgestellt. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.
Als Negativ-Trend liegt das
Komasaufen weiter vorne. Nach aktuellen Erhebungen aus dem Jahr 2008 liegt der Anteil Jugendlicher, die in den letzten 30 Tagen mindestens einmal mehr als fünf Gläser alkoholischer Getränke konsumierten, mit mehr als 20 Prozent immer noch auf hohem Niveau. Fast jeder zehnte Jugendliche (8,2 Prozent) im Alter von 12 bis 17 Jahren weist einen riskanten oder gefährlichen Alkoholkonsum auf.
Nein, der positive Trend zum
Nichtrauchen hat sich unter Jugendlichen im Jahr 2008 weiter fortgesetzt. Im Jahr 2001 lag die Raucherquote der Jugendlichen im Alter von 12 bis 17 Jahren noch bei 28 Prozent und ist im Jahr 2008 auf 15,4 Prozent gesunken. Dennoch rauchen in Deutschland im europäischen Vergleich immer noch zu viele Kinder und Jugendliche.
Die Experten haben in ihrem Bericht neuerdings auch ein Auge auf
Wasserpfeifen. 39,7 Prozent der Jugendlichen gaben an, bereits mindestens einmal in ihrem Leben eine Shisha geraucht zu haben. Der Anteil derjenigen Jugendlichen, die im letzten Monat vor der Befragung mindestens einmal eine Shisha geraucht haben, lag 2008 bei 12,2 Prozent. Zwar haben sich die aktuellen Werte gegenüber denen des Vorjahres nicht wesentlich verändert, dennoch kann das Shisha-Rauchen in Zukunft bei einem wachsenden Anteil Jugendlicher zu einer ernst zu nehmenden Variante des Tabakkonsums werden.
Der Konsum von Amphetaminen, Ecstasy, Kokain und Opiaten ist
stabil geblieben oder leicht zurück gegangen. Amphetamine und Ecstasy haben jeweils rund vier Prozent der Erwachsenen zumindest einmal im Leben konsumiert, der aktuelle Konsum liegt bei rund einem Prozent der Bevölkerung. Ähnliche Zahlen zeigen sich für Kokain. Auch der Konsum von Opiaten ist leicht rückläufig und liegt bei 1,4 Prozent die im Leben jemals Opiate probiert haben und bei 0,4 Prozent mit einem aktuellen Konsum.
Der aktuell vorliegende Epidemiologische Suchtsurvey von 2006 geht davon aus, dass in Deutschland
insgesamt etwa
600.000 Personen zwischen 18 und 64 Jahren Cannabis entweder missbrauchen (380.000)
oder von Cannabis abhängig sind (220.000). Der Vergleich zu den Zahlen von 2003 zeigt, dass Zahlen in allen Altersgruppen rückläufig sind.
Nein, es gab einen erneuten
Anstieg. Die Drogentodeszahlen lagen im Jahr 2008 bei 1449. 2007 lag die Zahl noch bei 1394 und im Jahr zuvor bei 1296.
In Deutschland sind schätzungsweise
1,4 bis 1,9 Millionen Menschen medikamentenabhängig, davon 70 Prozent Frauen. Anders als bei der Drogen- oder Alkoholsucht verläuft die Abhängigkeit von Medikamenten unauffällig, diskret und im Alltag kaum wahrnehmbar. Sie wird daher auch als "stille Sucht" bezeichnet.
Ja. Die Nutzung des Internets und von PC-Spielen ist alltäglich und selbstverständlich geworden. Diese Entwicklung wird sich fortsetzen und zu einer steigenden Zahl von
Online- und Computerspielsüchtigen führen. Nach verschiedenen Studien gelten bereits heute drei bis
sieben Prozent der Internetnutzer als "onlinesüchtig", ebenso viele werden als stark suchtgefährdet eingestuft.
Sie nimmt die ausufernde Teilnahme an Onlinespielen oder Chats ebenso in den
Blickpunkt wie den oft exzessiven Konsum von "Onlinesüchtigen", die durch das Surfen oder Spielen Schule, Beruf und soziale Kontakte vernachlässigen. Dazu sollen gute
Beratungs- und Hilfsangebote für Betroffene aufgebaut werden.