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Günter Grass wehrt sich gegen Kritik
"Widerrufen werde ich auf keinen Fall"
Günter Grass - Thesen und Fakten zum Israel-Gedicht
Günter Grass - Thesen und Fakten zum Israel-Gedicht FOTO: dapd, JENS MEYER
Düsseldorf. Literaturnobelpreisträger Günter Grass sieht sich nach den harschen Reaktionen auf seine Kritik an Israel als Opfer einer Kampagne. Den Vorwurf des Antisemitismus wies er als "Gehässigkeit" zurück. Zugleich bekräftigte er: "Widerrufen werde ich auf keinen Fall."

Israel sei eine Atommacht außerhalb jeglicher Kontrolle. Zu dpa sagte Grass: "Sollte Israel Irans Atomanlagen angreifen, könnte das zum Dritten Weltkrieg führen." Wer seinen Text genau lese, der erkenne seine "Sorge um die Zukunft dieses Landes", sagte der Schriftsteller im Sender 3sat. „Ich werde hier an den Pranger gestellt“, fügte er hinzu.

Es handle sich um eine Fortsetzung der persönlichen Anfeindungen, die er bereits 2006 nach dem Erscheinen seines autobiografischen Buches "Beim Häuten der Zwiebel" erfahren habe. Der "Süddeutschen Zeitung" sagte Grass dann freilich auch, er hätte deutlicher zum Ausdruck bringen sollen, dass er die Politik der derzeitigen Regierung Israels habe treffen wollen: "Die kritisiere ich: eine Politik, die gegen jede UN-Resolution den Siedlungsbau fortsetzt."

Der Angesprochene, Premier Benjamin Netanjahu, reagierte empört: "Die schändliche Gleichstellung Israels mit dem Iran sagt wenig über Israel, aber viel über Herrn Grass aus." Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, fragte: "Wer antisemitisch agitiert, wer antisemitische Klischees zuhauf verwendet – was wäre der denn anderes als ein Antisemit?"

Unterstützung erhielt Grass aus der Kulturszene. "Man muss ein klares Wort sagen dürfen, ohne als Israel-Feind denunziert zu werden", sagte der Präsident der Akademie der Künste in Berlin, Klaus Staeck. Die Nazi-Jägerin Beate Klarsfeld wiederum verglich Grass ihrerseits mit Hitler. Sie zitierte aus einer Drohrede, die Hitler 1939 gegen "das internationale Finanzjudentum“ hielt.

Klarsfeld fuhr fort, wenn man den Ausdruck "das internationale Finanzjudentum“ durch "Israel" ersetze, "dann werden wir von dem Blechtrommelspieler die gleiche antisemitische Musik hören".

Quelle: RP/nbe
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