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Neue Terror-Generation: Wie aus Fritz G. Abdullah wurde

zuletzt aktualisiert: 07.09.2007 - 17:56

Karlsruhe (RPO). Nach Großbritannien ist jetzt auch Deutschland von einem neuartigen terroristischen Phänomen betroffen: Den "home grown terrorists", also "hausgemachten" Terroristen. Nach den vereitelten Terroranschlägen auf US-Einrichtungen in Deutschland fragen sich nicht nur die Fahnder, wie aus unbescholtenen einheimischen Bürgern fanatische islamistische Terrorkämpfer werden konnten.

Am Freitag wurden zahlreiche Details über den Lebensweg der am Dienstag gefassten drei Terrorverdächtigen bekannt, die den größten Polizeieinsatz der Nachkriegsgeschichte notwendig machten. Die Bundesanwaltschaft wollte entsprechende Informationen von "Bild"-Zeitung, "Süddeutscher Zeitung" (SZ) und "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) allerdings nicht kommentieren.

Fritz G. wurde am 1. September 1979 in München geboren. Er kommt aus "gutem Hause". Der Vater ist Ingenieur, die Mutter Ärztin. Als er fünf Jahre alt ist, ziehen die Eltern mit ihm und seinem Bruder nach Ulm in Baden-Württemberg. Als er 15 ist, trennen sich seine Eltern, was ihm zu schaffen macht. Der verunsicherte Jugendliche findet offenbar Trost in islamistischen Kreisen, und zwar im Multikulturhaus im bayerischen Neu-Ulm, in das er laut "Süddeutscher Zeitung" regelmäßig geht. Ende 2005 wurde es schließlich geschlossen.

Im Januar heiratete Fritz G. eine streng muslimische Deutsch-Türkin. Das Paar hatte sich in der Moschee kennen gelernt. Sie leben in einem grünen Ulmer Wohnviertel, wenige Meter von einem Kindergarten entfernt.

Vergangenes Jahr verschwand Fritz G. plötzlich für mehrere Wochen. Er wolle in Syrien Arabisch lernen, erklärte er. Tatsächlich ließ er sich aber offenbar in einem islamistischen Lager in Pakistan ausbilden. Die Ermittler machen keine Angaben zu diesen Details. Fritz G. sei laut Bayerns Innenminister Günther Beckstein (CSU) einmal im Zusammenhang mit einem Besuch des späteren Terrorpiloten vom 11. September 2001, Mohammed Atta, in Neu-Ulm gefallen.

 Auch der im saarländischen Neunkirchen geborene Daniel S., der am Sonntag 22 Jahre alt wird, soll aus einem bürgerlichen Elternhaus stammen. Bis Herbst 2003 ging er laut FAZ auf das Steinwald-Gymnasium in Neunkirchen, brach aber nach nur vier Wochen in der 12. Klasse die Schule ab. 2004 soll er zum Islam konvertiert sein und in Ägypten Arabisch gelernt haben.

In der islamischen Szene habe er später als jemand gegolten, der anderen als "Sprachaufenthalte" getarnte Terroristenausbildungen in Camps in Pakistan vermittelt habe, wo er sich selbst im August 2006 aufgehalten habe, berichtete die FAZ unter Berufung auf Sicherheitskreise. Seit Februar 2007 wohnte Daniel S. im Saarbrücker Stadtteil Dudweiler-Herrensohr neben einer Hinterhof-Moschee. Dort soll er zum Ärger seiner Nachbarn alle drei Stunden auch laut in arabischer Sprache gebetet und gesungen haben.

Auch der dritte festgenommene Terrorverdächtige, der 28-jährige Deutsch-Türke Adem Y., ist auf seine Art ein "home grown terrorist". Er wurde zwar am 4. November 1978 in der Türkei geboren, war aber offenbar bereits als Jugendlicher nach Deutschland gekommen, wo er seit vielen Jahren im hessischen Langen bei seinen Eltern wohnte.

Nach der Schule betätigte er sich nach "Bild"-Informationen zunächst als Fahrkartenkontrolleur, wurde dann aber arbeitslos und rutschte in die islamische Szene ab. In Langen galt er laut FAZ Einwohnern als "Phantom", weil er nirgendwo besonders auffiel. Nur die Kreisverwaltung sei stutzig geworden, als der Arbeitslosengeld-Bezieher im Juni, Juli und August 2007 nicht zu erreichen war.

In dieser Zeit war Adem Y. offenbar schon mit der Vorbereitung von Terroranschlägen beschäftigt. Er soll innerhalb der Terrorzelle für die Beschaffung des Wasserstoffperoxids zuständig gewesen sein, mit dem Bomben von fürchterlicher Sprengkraft gebaut sollten.

Quelle: afp2

 
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