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al qaida arabische halbinsel führungsriege ap panorama
  Foto: AP
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Al Qaida breitet sich aus: Wie das Terror-Netzwerk wächst

VON GREGOR MAYNTZ - zuletzt aktualisiert: 05.01.2010 - 14:28

Düsseldorf (RP). Nicht nur in Afghanistan ist es der internationalen Truppe auch im zehnten Jahr des Kampfes nicht gelungen, die Al-Qaida-Helfer dauerhaft zu vertreiben. Im Gegenteil: Das Netzwerk des Terrors breitet sich weiter aus – über die Arabische Halbinsel, über den Golf von Aden, über Afrika.

Es gibt einen Standardsatz, der das Dilemma im Kampf gegen islamistischen Terror beschreibt: "Wirksame Gegenmaßnahmen gegen diese Terrorgruppe zeichnen sich nicht ab." Das Auswärtige Amt verwendet diese Feststellung immer häufiger, um Touristen vor Reisen in bestimmte Regionen zu warnen, in denen Al-Qaida-Terroristen derzeit gezielt Jagd auch auf Deutsche machen.

Auf ein ganzes Dutzend sind diese Warnungen inzwischen angewachsen. Sie betreffen Landesteile von Ägypten, Algerien, Burkina Faso, Libyen, Mali, Marokko, Mauretanien, Niger, Senegal, Sudan, Tschad und Tunesien – um die Reichweite der islamistischen Terrorkrake alphabetisch zu umreißen.

Wo Al Qaida anzutreffen ist

Könnte es also nötig werden, eine fünfte, sechste, zehnte, zwölfte, sechzehnte Front zu eröffnen? Von der dritten und vierten Front im Krieg gegen den Terror wird gesprochen, seitdem Barack Obama ankündigte, nicht nur in Afghanistan und Pakistan den Kampf gegen al Qaida zu führen, sondern auch im Jemen und in Somalia.

Allerdings unterscheiden sich die afrikanischen von den arabischen Schauplätzen: In Afrika gibt es zumeist noch ein funktionierendes Staatswesen, dessen Einfluss nur in entlegenen Gebieten schwindet. Dagegen bekommen die somalische und die jemenitische Regierung die Lage nicht mehr in den Griff. Das führt zu der Faustformel: Je schwächer die Staatsgewalt, desto stärker al Qaida.

Ein riesiges Nachwuchsreservoir

So verkündet das Terrornetzwerk für die arabische Halbinsel den Zusammenschluss der Organisationen im Jemen und in Saudi-Arabien. Und so verbreitet die im inner-islamistischen Kampf in Somalia siegreiche Al-Shabaab-Miliz, es werde nun ein Bündnis über den Golf von Aden hinweg geschmiedet: Somalische Gotteskrieger würden die "muslimischen Brüder im Jemen" im "Kampf gegen die Feinde Gottes" unterstützen.

In den bettelarmen Ländern scheint das Nachwuchsreservoir schier unerschöpflich. Wer sein Leben im Kampf gegen die Ungläubigen lässt, dem ist in den Augen der Islamisten nicht nur selbst ein paradiesisches Leben als Märtyrer im Jenseits sicher, auch seine Hinterbliebenen haben dank der mit üppigen Geldmitteln operierenden Terrororganisation finanziell ausgesorgt – für radikalisierte Großfamilien ein doppelter Anreiz.

Brennpunkt Jemen

Alle Bemühungen westlicher Geheimdienste, die umfänglichen Geldströme zu kappen, schlugen fehl. Nicht einmal die 75 Millionen Dollar an ausgelobten "Fangprämien" für Hinweise, die zur Festnahme oder zum Tod der beiden Al-Qaida-Führungsfiguren Osama bin Laden und Aiman al Sawahiri führen, zeigten bislang Wirkung. Die Nummer eins und zwei des Terrors behalten seit Jahren den Nimbus der Unangreifbarkeit.

Dennoch kann nach Einschätzung westlicher Geheimdienste von einer straffen Organisation immer weniger gesprochen werden. Schon bald nach den Militärschlägen gegen die Taliban und die Ausbildungslager in Afghanistan galt der Al-Qaida-Kern als kaum mehr fähig, nennenswerte Anschläge zu planen. Dennoch zieht sich eine Spur blutigster Attentate um den Globus. Fraglich bleibt, inwiefern die Täter zentralen Vorgaben folgen. Oder ob nicht eher autonome Gruppen und Einzelkämpfer das in Trainingslagern Gelernte auf eigene Faust anwenden und damit eher zufällig Gelegenheit bieten, dass sich Sawahiri & Co. mit dem Schrecken brüsten können.

"Wie vor dem 11. September"

Im Umfeld der Bundestagswahlen verzeichneten die Dienste eine gesteigerte Kommunikation "wie vor dem 11. September" – und fürchteten das Schlimmste. Aber entweder hing das eine nicht mit dem anderen zusammen, oder es zeigte Wirkung, dass mit einem riesigen Aufwand potenzielle "Schläfer" unter Rund-um-die-Uhr-Beobachtung genommen wurden.

Die Zahl derer, die allein in Deutschland unauffällig leben, aber jederzeit für Terrorakte "erwachen" könnten, wird auf über hundert geschätzt. Deutlich größer ist die Zahl der Al-Qaida-Kämpfer im Jemen. Hier erwarten Experten schwerste Anschläge. Die nächsten schlechten Nachrichten, so fürchten Geheimdienste, dürften aus Jemens Hauptstadt Sanaa kommen.

Quelle: RP

 
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