| 18.38 Uhr

Für Wiederaufbau und den Arbeitsmarkt
Wie die Bundeswehr syrische Flüchtlinge ausbildet

Pilotprojekt zur Ausbildung von Syrern bei der Bundeswehr
Pilotprojekt zur Ausbildung von Syrern bei der Bundeswehr FOTO: afp, CS
Ingolstadt. In Horst Seehofers Heimatstadt setzt CDU-Vize Ursula von der Leyen ein Zeichen für "Wir schaffen das": Die Verteidigungsministerin startet in Ingolstadt ein Ausbildungsprojekt, um syrische Flüchtlinge fit für die Integration in den Arbeitsmarkt und den Wiederaufbau ihres Landes zu machen. Von Gregor Mayntz

Etwas schräg ist er schon, der Schnitt durchs Kantholz. "Für den ersten in seinem Leben schon sehr gelungen", lobt der Ausbilder. Nun kommen die Schalbretter dran. Am Mittag steht die Konstruktion, am Nachmittag wird das Loch in der Decke mit Beton zugegossen.

Ali Scharqi (20) braucht nicht viel Fantasie, um vor Augen zu haben, wofür diese Mauern mit Spuren einer Teilzerstörung stehen. Er ist aus Manbidsch geflohen, als die Terrormiliz Islamischer Staat die Region besetzte und die syrische Luftwaffe die Stellungen und Häuser bombardierte. Nun lernt er bei den Pionieren der Bundeswehr in Ingolstadt alles, was er zum Wiederaufbau in seiner syrischen Heimat braucht.

Phase zwei in Sachen Flüchtlingshilfe

Ursula von der Leyen hatte diese Bundeswehr-Integrationshilfe bei der Sicherheitskonferenz in München angekündigt. Es ist sozusagen Phase zwei der Truppenunterstützung in Sachen Flüchtlingshilfe. Als die Dynamik des Zustroms immer größer wurde, setzte sie bis zu 9000 Soldaten gleichzeitig ein, schuf 51.000 Unterkünfte, ließ eine Million Essen austeilen und 2,2 Millionen Arbeitsstunden leisten, um die Unterbringung der Flüchtlinge auf dem Wege der Amtshilfe zu begleiten. Nun sieht sie die Stärke des Ausbildungsbetriebes Bundeswehr mit über hundert Lehrberufen gefordert, um jungen Menschen den Weg in den Arbeitsmarkt zu erleichtern.

Jeweils vier Wochen lang können Flüchtlinge mit Bleibeperspektive Ausbildungsmodule durchlaufen: Bau, Technik, Handwerk oder Sanität. Neben Ingolstadt in Bogen, Greding, Berlin, Meppen und Delmenhorst. Die Pilotphase setzte die Ministerin mit Bundesagentur- und Flüchtlingsbundesamt-Chef Frank-Jürgen Weise per Unterschrift unter einer "Kooperationsvereinbarung" in Gang. Nach zwölf Wochen soll Bilanz gezogen werden.

Der große Renner für die Flüchtlinge ist das Angebot derzeit noch nicht. Auf hundert Syrer war die Truppe in Ingolstadt eingestellt. Nach einem Sicherheitscheck kamen zwar ungefähr so viele in Frage. Gekommen sind jedoch nur 50. Und mit Frauen tut sich die Truppe hier besonders schwer. Einen weiteren Anlauf soll nun auf dem Gebiet der Sanitätsausbildung unternommen werden. Weise schätzt, dass 30 bis 40 Prozent der Flüchtlinge eine qualifizierte Ausbildung schaffen könnten. Aber erst einmal braucht er den "Beweis, dass es funktioniert". Und deshalb ist er dabei, stellt das Knowhow seiner beider Behörden der Truppe zur Verfügung.

Von der Leyen: Irgendwann wird der Krieg vorbei sein

Von der Leyen stellt sich vor, dass die Flüchtlinge mit dem Bundeswehr-Lehrgangszertifikat gute Chancen haben, einen regulären Ausbildungsplatz und danach auch einen guten Arbeitsplatz zu finden. Das Papier zeige schließlich, dass da einer über grundlegende Deutschkenntnisse verfüge, jeden Morgen pünktlich erscheine und interessiert daran sei, sich Techniken in fremder Umgebung anzueignen.

Auch damit habe die Bundeswehr schließlich Erfahrung, erklärt die Ministerin – denkt etwa an die Ausbildung von Kurden und winkt in Ingolstadt einer Gruppe Schwarzer aus Mali in Bundeswehr-Uniform zu. Irgendwann werde der syrische Bürgerkrieg vorbei sein, und dann brauche das Land ausgebildete Fachkräfte, damit sie es wieder aufbauen.

Einen wie Scharqi? Am 5. Mai letzten Jahres hielt er es in Nordsyrien nicht mehr aus, machte sich auf den langen Weg nach Deutschland, während seine Familie sich im Libanon in Sicherheit brachte. Er wählte die klassische Balkanroute über die Türkei und die Ägäis nach Griechenland. Von dort über Mazedonien und Serbien, über Ungarn und Österreich nach Deutschland, wo er am 20. November eintraf. Asylunterkunft Deggendorf, Sprachkurs in Straubing. Nun übt er bei der Bundeswehr, Bombenlöcher zu reparieren. Deutschland sei schon immer ein Traumziel gewesen, sagt er. Er fühle sich hier immer noch willkommen, will hier auch eine Lehre machen und in einen Beruf am Bau einsteigen.

Und wenn der Bürgerkrieg einmal endet? Will er dann zurück? "Sicher werde ich dann hinfahren und meine Familie besuchen", sagt er. Und fährt fort: "Aber dann will ich wieder zurück und weiter in Deutschland leben und arbeiten."

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