SPD setzt auf neuen "Dreierpack": Wie sich die Troika in Position bringt
VON GREGOR MAYNTZ - zuletzt aktualisiert: 19.07.2011 - 07:32(RP). SPD-Parteichef Sigmar Gabriel und Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier fordern von der Kanzlerin mehr Mut. Das aber machen sie nicht allein, sondern mit einem zusammen, der auftritt und auch so inszeniert wird, als sei er bereits der gefühlte Kanzlerkandidat: Peer Steinbrück.
Ja, ja, formal entscheidet die Sozialdemokratie wirklich erst frühestens Ende 2012. Aber gefühlt ist die Sache seit gestern gelaufen. Seit Parteichef Sigmar Gabriel nicht allein die Medieninszenierung sucht, auch nicht zu zweit mit Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier, sondern indem er ein neues Troika-Format wählt, um den ämterlosen, aber durchaus als ambitioniert gehandelten Peer Steinbrück ins Scheinwerferlicht zu bringen.
Und seit Gabriel sprachlich verrät, wie er über die K-Sache wirklich denkt. Wäre die Frage zwischen Gabriel und Steinmeier und Steinbrück wirklich offen, er käme doch niemals auf die Formulierung, dass "Peer Steinbrück mit Frank-Walter Steinmeier" schon einmal gezeigt habe, wie man Deutschland aus der Krise führe. Und er hätte danach nicht betont, dass die Menschen "Peer Steinbrück mit Frank-Walter Steinmeier" Vertrauen schenken. Beide Male so formuliert, dass klar wird: mit einem Steinbrück, der zupackt, handelt, besser regiert. Und Steinmeier als Beigabe.
Die SPD hat höchst unterschiedliche Erfahrungen mit dem Troika-Stil gemacht. Die legendäre aus Herbert Wehner, Helmut Schmidt und Willy Brandt bescherte der Partei immerhin 16 Regierungsjahre, beschleunigte letztlich aber auch den Machtverlust. Der zweite Troika-Versuch ging 1994 mit Rudolf Scharping, Oskar Lafontaine und Gerhard Schröder gründlich schief. Der Sieg über Bundeskanzler Helmut Kohl gelang erst vier Jahre später Schröder und Lafontaine im Zweier-Zangen-Angriffs-Format.
Jetzt also wieder drei. Aber die drei sind noch vor ihrer eigentlichen Inthronisierung besser aufeinander abgestimmt, als es die Vorgänger je waren. Gabriel reagiert auf Fragen zur Partei, Steinmeier auf das konkrete Vorgehen der Fraktion. Und beide beziehen sich immer auf Steinbrück, der alles sowieso immer besser weiß und besser macht. Jedenfalls suchen die Chefs wieder und wieder den Blickkontakt zum gefühlten Kanzlerkandidaten, der dann mit kaum merklicher Mimik Offensive oder Defensive diktiert.
Auffallend defensiv ist Steinbrück gegenüber seinem Amtsnachfolger als Finanzminister. Für Wolfgang Schäuble (CDU) hat er sogar anerkennende Worte. Und der gefühlte Kandidat legt Wert auf die Feststellung, Schäuble stets von Kritik ausgenommen zu haben. Die soll vor allem die Kanzlerin treffen, also seine künftige Gegenspielerin. Und da sind die drei absolut offensiv. Die Troika inszeniert Steinbrück als Kontrast zur abwartend-unentschlossen wirkenden Angela Merkel. Und zwar so konsequent, dass der Eindruck entsteht, nicht Merkel habe 2008 den Weg aus der Weltfinanzkrise gefunden, sondern in Wirklichkeit Steinbrück.
Diese Rolle muss Steinbrück nicht erst einüben. Die quillt aus jeder Pore seiner Haut. Und deshalb kommt es auch zur überfallartigen Umarmung. Die SPD bietet der Regierung Unterstützung an, wenn sie denn mutiger auch unbequeme Entscheidungen trifft. Das gelte auch dann, wenn die Regierung keine eigene Mehrheit habe, versichert Gabriel mit treuherzigem Augenaufschlag. Ein Schelm, wer Hintergedanken vermutet? Jedenfalls spricht der SPD-Chef von sich aus von der Möglichkeit vorgezogener Neuwahlen.
Denn auch für diesen Fall wüsste die SPD, mit wem sie anträte. Steinbrück doziert, was das Zeug hält, über die Wege aus der Krise. Dabei vermeidet er alles, was nach "Hätte, könnte, vielleicht" klingen mag. Steinbrück meißelt seine Botschaften in Granit: "Es wird zu einem Schuldenschnitt in Griechenland kommen." Und griffig auch die Bilder: "Da fliegen Ihnen die letzten Haare weg – meine jedenfalls", sagt Steinbrück mit dem Hinweis auf eine "Kollegin", die neulich vorgerechnet habe, was die Sparanstrengungen der Griechen auf Deutschland übertragen bedeuten würden.
Die "Kollegin", auf deren Name Steinbrück momentan nicht kommt? Angela Merkel. Da steht er drüber. Jedenfalls gefühlt.
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