Umstrittene Enthüller: Wikileaks: "Erster Geheimdienst des Volkes"
VON JOHANNES BORNEWASSER - zuletzt aktualisiert: 30.11.2010 - 10:00Düsseldorf (RPO). Mit mehr als 400.000 veröffentlichten Geheimdokumenten allein zum Irak-Krieg sorgte Wikileaks weltweit für Aufsehen. Im Dezember 2006 gegründet spezialisierte sich die Internetplattform auf Enthüllungen, um Missstände offen zu legen und Regierungen zu mehr Transparenz zu bewegen. Die Dokumente werden Wikileaks zugespielt, die Quellen nicht verraten.
Die Ähnlichkeit mit dem Mitmach-Nachschlagewerk Wikipedia ist gewollt. Im Vergleich zur Online-Enzyklopädie, an der jeder Internetnutzer mitwirken kann, geht es Wikileaks speziell um geheime Dokumente. Diese werden dem Portal von Journalisten oder Politikern zugespielt. Seine Informanten nennt Wikileaks „Whistleblower“ (Hinweisgeber). „Leak“ bedeutet übersetzt so viel wie „Leck“.
Komplexe technische Vorgänge machen die Internetplattform nach Angaben der Betreiber unzensierbar. Sind Dokumente einmal veröffentlicht, können sie demnach nicht mehr gelöscht werden. Sollten so anfangs noch „von Unterdrückung geprägte Regime“ angeprangert werden, wandelte sich die Seite inzwischen zu einer Art internationalem Enthüllungsportal.
Bei Wikileaks einsehbar sind seit November 2009 beispielsweise Teile des lange geheim gehaltenen Vertrages zwischen der Bundesregierung und dem deutschen Maut-Betreiberkonsortium „Toll Collect“. Im April veröffentlichte Wikileaks ein Video, das zeigt, wie amerikanische Soldaten im Jahr 2007 von einem Helikopter aus irakische Zivilisten töteten. Im Juli stellte das Portal 77.000 Dokumente zur Lage Afghanistans ins Internet.
Kritik setzt unter anderem an dieser Stelle an. Während sich Wikileaks selbst als „erster Geheimdienst des Volkes“ sieht, werfen US-Regierung und Nato dem Netzwerk vor, die internationale Sicherheit zu gefährden. Soldaten und Zivilisten würden durch die Veröffentlichung der Unterlagen in Gefahr gebracht.
Bekanntestes Mitglied ist Mitbegründer Julian Assange. Der einzige Deutsche Teilnehmer, Daniel Domscheit-Berg, der unter dem Pseudonym Daniel Schmitt mitwirkte, verließ das Projekt im September wegen Streitigkeiten mit Assange, der kurz zuvor in Schweden unter Vergewaltigungsverdacht geriet.
Gerüchten zufolge arbeiten bis zu sechs Freiwillige in Vollzeit für Wikileaks. Zudem sollen mehrere hundert Experten bei der Auswertung von Informationen behilflich sein. Der Etat von geschätzt rund 600.000 US-Dollar pro Jahr werde durch Spenden aus privater Hand getragen. Aufgrund der eigenen Ansprüche liegt die Veröffentlichung von Informationen über das eigene Netzwerk nahe. Dass Wikileaks jedoch die Namen seiner Informanten oder Mitarbeiter veröffentlicht, gilt als unwahrscheinlich.
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