NRW-Schulministerin Sommer im Interview: Wir brauchen besseren Unterricht
VON DETLEV HÜWEL - zuletzt aktualisiert: 21.12.2006 - 07:49Düsseldorf (RP). NRW-Schulministerin Barbara Sommer (CDU) sprach mit unserer Redaktion über das Zentralabitur, den Amoklauf von Emsdetten und Schuluniformen.
Frau Sommer, ab 2007 gilt in NRW das Zentralabitur. Warum werden die Aufgaben schon am Tag vor der Prüfung den Schulen zur Verfügung gestellt? Besteht nicht die Gefahr des Schummelns?
Sommer Es hat nur der Schulleiter bzw. sein Stellvertreter Zugang dazu. Die Lehrer bekommen die Fragen erst am Prüfungstag zu Gesicht. Bei der Probeklausur hatten etwa 90 Prozent der Schulen mitgemacht, und es sind lediglich drei Fälle von Schummelei bekannt geworden. Aber klar ist auch: Wer so etwas macht, muss mit einem Disziplinarverfahren rechnen. Im Übrigen setze ich großes Vertrauen in die Schulleitungen.
Wenn trotzdem geschummelt wird...
Sommer ... muss die Prüfung an der Schule wiederholt werden.
Angeblich sind einige Fragen zu leicht.
Sommer Das habe ich noch nicht gehört. Eher kam der Einwand, dass die Fragen zu weit dem Unterrichtsstoff vorgreifen.
Wer bewertet die Arbeiten?
Sommer Das tun die Lehrer anhand von Kriterienkatalogen, die vom Ministerium vorgegeben werden. Um sicherzugehen, dass diese eingehalten werden, gibt es Zweitkorrekturen, zum Teil von Lehrern anderer Schulen.
Wird in den Gesamtschulen durch das Zentralabitur der Druck für mehr Leistung erhöht?
Sommer Natürlich haben wir ein Interesse daran, dass Leistungsstandards gehalten werden. Aber es geht nicht darum, eine Schulform in Misskredit zu bringen. Anhand der Ergebnisse beim Zentralabitur können sich alle Schulen selbstkritisch einschätzen und Schwächen beseitigen.
Die CDU in NRW wollte früher die Haupt- und Gesamtschulen zu Aufbauschulen zusammenfassen. Davon ist keine Rede mehr.
Sommer Das Schulgesetz erlaubt ja solche Verbünde. Auch eine Haupt- und eine Realschule können unter einem Dach betrieben werden. Wir sind für pragmatische Lösungen, die dem Bedarf vor Ort entsprechen. Große Strukturdebatten führen nicht weiter. Es hat keinen Sinn, eine Schulform zu verordnen. Wir setzen darauf, den Unterricht zu verbessern. Darauf kommt es an.
Die SPD favorisiert die Gesamt- bzw. Gemeinschaftsschule.
Sommer Es ist falsch zu glauben, dass mit einem Umbau des Schulsystems die Probleme gelöst seien. Das Wichtigste ist der Unterricht. Das bestätigen auch Wissenschaftler. Im Übrigen halte ich nichts von Versuchen, die in den 70-er Jahren heiß umstrittene Koop-Schule neu zu erfinden.
Neuerdings werden die Schulleiter von den Schulkonferenzen gewählt. Gab es damit irgendwelche Probleme?
Sommer Davon ist mir nichts bekannt. Wohl gibt es gelegentliches Murren darüber, dass die Konrektoren noch nach alter Art durch die Schulausschüsse gewählt werden.
Nach dem Amoklauf von Emsdetten soll es über 80 Fälle von ähnlichen Drohungen bzw. Hinweise darauf gegeben haben.
Sommer Das kann einen wirklich erschüttern. Auf der anderen Seite zeigt es, dass die Appelle zur Wachsamkeit offenbar greifen. An den Schulen ist man sensibler geworden.
Die Personalvertretung der Lehrer soll verschlankt werden.
Sommer Ja, wir sind gehalten, umgerechnet rund 200 Stellen einzusparen. Das geschieht aber im Konsens mit Gewerkschaften und Lehrerverbänden.
Es gibt offenbar noch immer muslimische Lehrerinnen an staatlichen Schulen, die Kopftuch tragen.
Sommer Es sind wenige Fälle. Wir können das nicht durchgehen lassen. Notfalls muss das Gericht entscheiden.
Ist das Thema Schuluniform für Sie erledigt?
Sommer Ganz und gar nicht. Es gibt hervorragende Ideen und Entwürfe vor allem aus den Berufskollegs. Ich werde den Schulen demnächst dazu Vorschläge machen.
Denken sie an eine Pflicht zur Schuluniform?
Sommer Nein, das müssen die Schulen entscheiden. Aber so etwas schafft Binnendruck.
Im neuen Jahr müssen alle vierjährigen Kinder erstmals zu einem Sprachtest.
Sommer Wir fangen damit im Frühjahr an. Wir rechnen damit, dass bis zu 60 000 Kinder eine Sprachförderung benötigen - und zwar auch Kinder aus deutschen Haushalten.
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