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Interview mit Bernd Althusmann: "Wir brauchen gemeinsames Abitur der Länder"

zuletzt aktualisiert: 10.03.2011 - 07:23
Berlin/Düsseldorf (RP). Im Interview mit unserer Redaktion spricht sich der Chef der Kultusministerkonferenz, der niedersächsischen Kultusminister Bernd Althusmann (CDU), für ein bundesweit einheitliches Abitur aus.

Brauchen wir in Deutschland ein einheitliches Abitur?

Althusmann Seit Jahren arbeitet die KMK an einer Vereinheitlichung der Bildungsstandards. Einige CDU-/FDP-regierte Länder planen, bis 2014 einen gemeinsamen Pool mit Abituraufgaben zu erarbeiten. Dafür bedarf es noch einer Vielzahl organisatorischer Vorbereitungen.

Sollte das Fernziel ein bundesweites Zentralabitur sein?

 

Althusmann Auf dem Weg zum Zentralabitur sind die meisten Bundesländer, oder sie haben bereits eines eingeführt. Ein bundesweites Zentralabitur mit identischen Aufgabenstellungen für alle ist schon allein wegen der unterschiedlichen Prüfungstermine nicht möglich. Perspektivisch sollten wir ein ländergemeinsames Abitur anstreben. Eine Lösung über einen Aufgabenpool ist machbar und möglich, nachdem die Kultusministerkonferenz schon viel Vorarbeit hinsichtlich der Bildungsstandards geleistet hat.

Müssen dann auch die Schulsysteme der einzelnen Länder vereinheitlicht werden?

Althusmann Wir müssen noch bessere Lösungen als bisher schon dafür finden, dass Eltern von einem Bundesland ohne große Probleme ins andere ziehen können. Es geht keinesfalls darum, die Bildungshoheit der Länder aufzugeben. Die ist dort vor Ort richtig angesiedelt und macht unser Bildungssystem insgesamt stark. Aber eine Annäherung zum Beispiel im Sekundarbereich I erscheint mir sinnvoll.

Wie kann denn eine Vereinheitlichung der Schulstrukturen in Deutschland gelingen?

Althusmann Es geht nicht um eine Vereinheitlichung, aber um mehr Gemeinsamkeiten. Die Bundesländer sind zurzeit in der Frage der weiterführenden Schulen der Klassen 5 bis 10 zum Beispiel bei den Fächerfolgen zum Teil unterschiedlich organisiert. Hier könnten wir noch mehr Gemeinsamkeit schaffen. Bei den weiterführenden Schulen gehen die meisten Experten davon aus, dass sich auf Dauer in Deutschland ein zweigliedriges Schulsystem durchsetzen wird, bestehend aus klassischem Gymnasium und einer kombinierten Haupt- und Realschule, die dann Ober- oder Mittelschule heißt. Ich halte das für ein denkbares, aber langfristig angelegtes Modell mit Zukunft. Auch der Zeitpunkt für den Wechsel auf die weiterführende Schule ist in Deutschland unterschiedlichen geregelt.

Sehen Sie in dieser Frage eine Chance auf Einigung?

Althusmann Ich persönlich halte es für richtig, in der vierten Klasse und nicht erst in der sechsten Klasse eine Empfehlung für die weitere Schullaufbahn zu geben. Das hat sich bewährt. Dabei sollten die Eltern möglichst frei mitentscheiden können. Einige Länder sehen dies aber nicht so.

Wie effektiv sind die Sprachstandserhebungen, die inzwischen alle Länder bei den Jüngsten machen?

Althusmann Wir haben dazu 17 verschiedene Verfahren in 16 Bundesländern an der Schnittstelle von Kindergarten und Grundschule. Die Wirksamkeit dieser Verfahren sollte überprüft werden. Wir müssen noch mehr darauf achten, möglichst zielgenau zu fördern. Nur dann wird es uns gelingen, die bundesweit durchschnittliche Zahl von rund sieben Prozent der Schüler, die nicht zu einem Schulabschluss gebracht werden, weiter zu reduzieren.

Eva Quadbeck führte das Interview

Quelle: felt

 
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