Horst Köhler kritisiert G-8-Staaten: "Wir sollten die Afrikaner nicht länger für dumm verkaufen"
zuletzt aktualisiert: 09.06.2007 - 19:39Köln (RPO). Einen Tag nach dem G-8-Gipfel in Heiligendamm hat Bundespräsident Horst Köhler auf dem Evangelischen Kirchentag in Köln den Umgang der reichen Industrienationen mit Afrika heftig kritisiert. Er forderte ein Ende der europäischen Arroganz. Bundeskanzlerin Merkel relativierte unterdessen die Erfolge von Heiligendamm. Der Gipfel sei nur "ein Schritt von ganz ganz vielen auf der ganzen Welt".
"Wir sollten die Afrikaner nicht länger für dumm verkaufen", verlangte das deutsche Staatsoberhaupt. "Wir arbeiten noch zu sehr in herkömmlichen Strukturen und begreifen nicht, dass wir mit Afrika in einem Boot sitzen", so Köhler auf einer Podiumsdiskussion zum Thema "Globalisierung gestalten" auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag in Köln.
Eine Partnerschaft könne nicht nach dem Motto "Ich bin reich und ich weiß mehr als du" funktionieren. Daher müsse Europa mehr Glaubwürdigkeit in der Entwicklungspolitik an den Tag legen.
Köhler kritisierte ferner, dass noch zu sehr in den herkömmlichen Strukturen gearbeitet werde. Der frühere Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF) schloss dabei ausdrücklich IWF, die Weltbank und die G-8-Staaten in seine Kritik mit ein.
"Nur ein Schritt von ganz vielen"
Auch Bundeskanzlerin Merkel besuchte den Kirchentag. Merkel sprach sich nachdrücklich für weltweite soziale und umweltpolitische Mindeststandards aus. Nur so könne Globalisierung gelingen, sagte die CDU-Politikerin. Der Gipfel von Heiligendamm sei dabei nur "ein Schritt von ganz ganz vielen auf der ganzen Welt", sagte Merkel.
Man müsse in diesem Zusammenhang aufhören, auf Erlösungserlebnisse zu hoffen, mit denen die Probleme der Welt vom einen Tag auf den anderen gelöst würden.
Friedensnobel- preisträger Muhammad Yunus, der mit Merkel über das Thema "Weltwirtschaft gestalten" diskutierte, zeigte sich enttäuscht über den G-8-Gipfel. Das ursprüngliche Ziel, die Armut in der Welt bis zum Jahre 2015 zumindest zu halbieren, werde offenbar nicht weiter verfolgt, kritisierte der Wirtschaftswissenschaftler aus Bangladesch.
Zu einem Zwischenfall kam es bei der Veranstaltung vor rund 6.000 Menschen, als etwa zehn Besucher per Megafon mit einer Protest-Version des Liedes "Danke für diesen guten Morgen" anstimmten und unter anderem sangen: "Danke, liebe Angie, für solche Unverfrorenheit."
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