Suche nach der Althaus-Nachfolge: Wird die Macht in Thüringen weiblich?
zuletzt aktualisiert: 07.09.2009 - 15:03Erfurt (RPO). Vier Tage nach dem Rücktritt von Dieter Althaus ist die politische Zukunft des Landes weiter offen. Die CDU bekräftigt ihr Ziel, auch künftig den Ministerpräsidenten im Land zu stellen. Im Rennen befinden sich zwei Frauen und ein Mann. Ein Regierungssprecher verkündete indes, dass Althaus morgen die Kabinettssitzung leiten werde. Es wäre sein erster Auftritt nach dem Rückzug.
Am vergangenen Donnerstag hatte Althaus seinen Rücktritt kommentarlos mit einem dürren Satz über die Staatskanzlei verbreiten lassen. Nach Angaben von Regierungssprecher Fried Dahmen wird der ehemalige Merkel-Vertraute am Dienstag das Treffen des Kabinetts leiten.
Laut Landesverfassung bleibt Althaus bis zur Vereidigung einer neuen Regierung geschäftsführend im Amt. Auch sein direkt gewonnenes Landtagsmandat nimmt der CDU-Politiker demnach künftig wahr. Seit Donnerstag befand sich Althaus offiziell in Urlaub.
Nach dem ersten Sondierungsgespräch mit der SPD wollen die Christdemokraten nach wie vor den Regierungschef stellen. Es gebe die parlamentarische Gepflogenheit, dass immer die stärkste Fraktion den Ministerpräsidenten stelle, "daran sollte man sich halten", sagte die amtierende Ministerpräsidentin Birgit Diezel am Montag im Deutschlandfunk. Dass SPD-Landeschef Christoph Matschie Regierungschef in einem Bündnis mit der CDU werden könne, schloss Diezel erwartungsgemäß aus.
In der CDU laufen sich indes drei potentielle Ministerpräsidentin warm. Die beiden Frauen scheinen die besseren Chancen auf das Amt zu haben. Die potentielle Nachfolgerin wäre die derzeit einzige Ministerpräsidentin in Deutschland.
Kandidatin eins: Birgit Diezel. Die 51-Jährige vertrat Althaus nach dessen Skiunfall und machte in den vier Monaten ihre Sache selbst nach Ansicht der Opposition sehr ordentlich. Auch im komplizierten Streit um einen Opel-Investor verteidigte die gelernte Ökonomin aus Greiz die Interessen des Standorts Eisenach und ließ sich nicht über den Tisch ziehen. Seit 2002 führt sie das Finanzministerium, davor war sie Staatssekretärin. Auch seit Donnerstag vertritt sie Althaus. Ein Quasi-Amtsbonus, den Diezel zu nutzen wissen dürfte.
Kandidatin zwei: Christine Lieberknecht. Die Theologin hatte schon viele Posten in Thüringen inne. Sie war Kultus- und Europaministerin, Präsidentin des Landtags und Fraktionschefin. Seit Mai 2008 bekleidet sie das Amt der Sozialministerin in Erfurt. Sie gilt als loyale Anhängerin von Althaus, hat sich aber auch in der Fraktion eine Machtbasis geschaffen. Für Lieberknecht spricht auch, dass sie ein gutes Verhältnis zu SPD-Chef Christoph Matschie unterhält. Beides könnte ihr einen kleinen Vorteil vor Diezel verschaffen.
Kandidat drei: Mike Mohring. Der 37-Jährige aus Thüringen ist noch zehn Monate jünger als der junge Bundeskabinett-Star Karl-Theodor zu Guttenberg aus Bayern. Der im thüringischen Apolda gebürtige Mohring könnte seinen politischen Förderer beerben, so wie Althaus 2003 seinem Förderer Bernhard Vogel gefolgt war. Mohring machte nach dem Mauerfall vor 20 Jahren zunächst beim Demokratischen Aufbruch beziehungsweise Neuen Forum mit. 1993 entschied er sich für die CDU, was seiner Karriere gut getan hat. Heute ist er Vorsitzender der Landtagsfraktion. Gegen die beiden Frauen erscheint er derzeit noch als Außenseiter.
Die langjährige Regierungspartei CDU hatte bei der Landtagswahl knapp zwölf Prozentpunkte und die absolute Mehrheit eingebüßt. Die SPD hingegen konnte Stimmen hinzugewinnen und kann nun wählen zwischen einer Koalition mit der CDU oder mit der Linken und den Grünen. Althaus war am vergangenen Donnerstag zurückgetreten, offenbar um den Weg für eine schwarz-rote Koalition freizumachen.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum