Kommentar: Wolfgang Clement: das Scheitern des Sturkopfs
VON MICHAEL BRÖCKER - zuletzt aktualisiert: 25.11.2008 - 12:58Berlin (RP). Es ist der letzte Bärendienst eines Sturkopfs an seine Partei. Wolfgang Clement, vom Johannes-Rau-Vertrauten über den NRW-Ministerpräsident zum Superminister für Wirtschaft und Arbeit bis zum inoffiziellen SPD-Querkopf mutierter SPD-Politiker, schlägt alle Kompromissangebote in den Wind und knallt die Tür zur Sozialdemokratie endgültig zu.
Eine Ohrfeige für den Parteivorsitzenden Franz Müntefering, der in einer engagierten Stellungnahme vor den Parteirichtern noch eine "Rüge" Clements aushandelte, um einen Tag später von ihm per Brief über den Austritt in Kenntnis gesetzt zu werden.
Der Rücktritt des umstrittenen, von Freund und Feind wahlweise als Sturkopf, "Genosse Rechthaber" oder "Graf Rotz" bezeichneten Wirtschaftspolitikers, stürzt die Partei erneut in eine Krise. Doch es hat auch etwas von einer persönlichen Tragödie. Der Austritt markiert das bittere Ende einer Parteikarriere, die viel mit Ankündigungen, aber wenig mit Ergebnissen, viel mit Alleingängen, aber wenig mit Teamgeist zu tun hatte.
Nicht nur hat sich der Bochumer Sozialdemokrat von der Sozialdemokratie entfernt. Zusehends haben sich auch ehemalige Weggefährten und führende Genossen von dem Atomlobbyisten und seinem innerparteilichen Kreuzzug losgesagt.
Das Schlimme an der Selbst-Demission des Wolfgang Clement ist, dass er seine Verdienste, etwa die tatkräftig umgesetzten und wirkungsvollen Reformen am Arbeitsmarkt, durch sein Verhalten in den Schatten stellt. Er hätte ein angesehener Mahner für den Wirtschaftsflügel bleiben können, ein gefragter SPD-Grande mit Kompetenzen. Jetzt ist er ein Gescheiterter. Die SPD muss Clement keine Träne nachweinen.
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