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Nach Attentat von Würzburg
Herrmann pocht auf strengere Kontrollen an Grenzen

Würzburg: Joachim Herrmann pocht auf strengere Kontrollen an Grenzen
Bayerns Innenminister Herrmann ist unzufrieden mit der Überprüfung von Flüchtlingen FOTO: dpa, shp lof fpt
Würzburg/Berlin. Eine "unfassbar grausame Tat" nennt Kanzlerin Merkel die Axt-Attacke von Würzburg. Die Rufe nach schärferen Sicherheitsmaßnahmen reißen nicht ab.

Nach dem Angriff eines Flüchtlings auf Zug-Insassen hat Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) ein strengeres Vorgehen bei den Grenzkontrollen gefordert. Wer ohne Papiere einreise und seine Identität nicht belegen könne, müsse zunächst an der Grenze festgehalten und überprüft werden, sagte Herrmann im BR Fernsehen. "Das können wir nicht mehr so laufen lassen."

Herrmann verlangte auch schnellere Verfahren beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge in Nürnberg. Der 17-Jährige sei bereits im Juni 2015 nach Deutschland eingereist. Sein Asylverfahren sei seitdem aber nicht vorangekommen: "Er ist nicht angehört worden. Es sind auch keine Fingerabdrücke genommen worden", kritisierte Herrmann. "Das ist eines der Defizite, die wir ja seit Monaten beklagen, dass wir hier immer noch nicht in wirklich regelmäßigen und geordneten Verfahren sind, dass es Tausende nach wie vor in unserem Land gibt, wo das Verfahren immer noch nicht richtig durchgeführt wird." Kanzleramtsminister Peter Altmaier (CDU) sah zuletzt kein erhöhtes Terrorrisiko durch Asylbewerber.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) nannte die Attacke eine "unfassbar grausame Tat". Sie sagte, dass alles getan werde, "was von Seiten des Staates und seiner Sicherheitsbehörden getan werden kann, um jede Form von gewaltbereitem Extremismus zu entdecken und zu unterbinden".

Zwei Menschen in Lebensgefahr

Ein 17-jähriger Flüchtling hatte am Montagabend in einem Regionalzug bei Würzburg-Heidingsfeld vier Menschen mit einer Axt und einem Messer angegriffen. Bei den Opfern handelte sich um eine Urlauberfamilie aus Hongkong. Danach attackierte er auf der Flucht eine Spaziergängerin. Polizisten eines Spezialeinsatzkommandos erschossen den Jugendlichen. Zwei Opfer schweben in Lebensgefahr.

Nach den bisherigen Erkenntnissen der Behörden stammte der Jugendliche aus Afghanistan. Das ZDF hatte aber am Dienstagabend unter Berufung auf Sicherheitskreise berichtet, es gebe Zweifel an seiner Herkunft. So sei in seinem Zimmer auch ein pakistanisches Dokument gefunden worden.

Der 17-Jährige hatte sich einer Videobotschaft als Kämpfer des Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bezeichnet. Die Bundesanwaltschaft zog die Ermittlungen am Mittwoch an sich. Es bestehe der Verdacht, "dass der Attentäter die Tat als Mitglied des sogenannten Islamischen Staats zielgerichtet begangen hat", teilte die Behörde in Karlsruhe mit. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) sagte in Berlin, der Attentäter sei ein Einzeltäter, der sich durch die Propaganda der Terrormiliz "angestachelt" gefühlt habe. Das Bekennervideo enthalte aber keine Hinweise auf eine Anordnung der Miliz. Er sieht auch bislang keinen Anlass, an der afghanischen Nationalität des Attentäters zu zweifeln. Zugleich sprach sich der Bundesinnenminister für mehr Videoüberwachung, mehr Polizei und einen besseren Schutz der Polizeibeamten aus.

(crwo/dpa)
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