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Bundespräsident in Katar: Wulff appelliert an arabische Jugend

zuletzt aktualisiert: 27.02.2011 - 19:39

Doha/Kuwait (RPO). Christian Wulff wird sich in einem Fernsehinterview am Montag direkt an die arabische Bevölkerung wenden. Der Bundespräsident will in einem TV-Interview mit Al-Dschasira für die Demokratie, das "Miteinander der Religionen und Kulturen" und den "Minderheitenschutz" werben. Derzeit hält sich Wulff im Rahmen einer Nahost-Reise in Katar auf.

Bundespräsident Christian Wulff und seine Gattin Bettina sind auf Staatsbesuch in Katar.  Foto: dapd, dapd
Bundespräsident Christian Wulff und seine Gattin Bettina sind auf Staatsbesuch in Katar. Foto: dapd, dapd

Der Umbruch in der arabischen Welt war am Sonntag das Hauptthema einer Unterredung Wulffs mit Katars Emir Scheich Hamad bin Khalifa Al-Thani. Der Bundespräsident, der mit dem Emir hervorragende Beziehungen unterhält, lobte die Stabilität und den Modernisierungskurs Katars. Dass der unabhängige TV-Kanal Al-Dschasira aus der Hauptstadt Doha sendet, zeige, dass im Emirat "Teilhabe möglich" sei.

Scheich Hamad stellte nach einem Gespräch mit Wulff klar, dass er arabische Initiativen gegen das Regime des libyschen Diktators Muammar al Gaddafi für wenig Erfolg versprechend hält. Es liege vor allem an der Europäischen Union, rasch eine abgestimmte Position entwickeln, um sich "an die Seite der Unterdrückten" zu stellen und so letztlich Flüchtlingsströme zu vermeiden. Der Emir appellierte zugleich an Gaddafi, ein Blutbad zu vermeiden.

Wulff hatte sich bereits am Samstag von Kuwait aus mit einem eindringlichen Appell an die EU gewandt und für Hilfen geworben. "Ich finde, ein neuer, junger Bundespräsident darf sagen: Verschlaft nicht die Erwartungen an Europa in dieser Stunde", sagte er. Die Europäische Union müsse auf die historische "Zeitenwende" in den arabischen Staaten mit "Visionen" und "Entschlusskraft" reagieren und "Handlungsfähigkeit" beweisen. Es sei jetzt "zu wenig", nur "den kleinsten gemeinsamen Nenner" zu suchen. Die arabische Jugend müsse eine Perspektive erhalten.

In Kuwait war Wulff Gast bei den dreifachen Jubiläumsfeierlichkeiten zum 50-jährigen Bestehen Kuwaits, zum 20. Jahrestag der Befreiung von der irakischen Besatzung und zum fünften Regierungsjahr von Emir Scheich Sabah Al-Ahmad Al-Jaber Al-Sabah. In Katar absolvierte Wulff, der von seiner Frau Bettina begleitet wird, ein umfangreiches Programm und informierte sich unter anderem über die Planungen zur Fußball-WM 2022.

In Begleitung Wulffs reist eine hochkarätige Wirtschaftsdelegation. Dazu gehören Spitzenmanager der Konzerne VW und Hochtief, an denen das Emirat Anteile hält, sowie Bahnchef Rüdiger Grube. Die Deutsche Bahn AG soll in Katar für rund 17 Milliarden Euro ein Schienenverkehrsnetz aufbauen sowie eine Strecke ins benachbarte Bahrain erstellen.

Der Bundespräsident betonte, er wolle sich bei seinem Besuch am Golf bei "erfahrenen Politikern" über die Lage in der arabischen Welt informieren. Die Gespräche stünden im "Zeichen des Respekts, der Zusammenarbeit und des voneinander Lernens". Seine Reise an den Golf erfolge in "enger Abstimmung" mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Außenminister Guido Westerwelle (FDP).  

Wulff hat zudem das zögerliche Vorgehen der EU gegen die libysche Führung kritisiert. "Manchmal muss man auch die Diplomatie Diplomatie sein lassen und die Dinge vorantreiben", sagte Wulff am Sonntagabend in der ARD-Sendung "Bericht aus Berlin". In den vergangenen Tagen seien manche Libyen betreffende Dinge eher in den Nachbarländern Tunesien und Ägypten entschieden worden, als auf der Ebene der europäischen Außenminister, fügte Wulff hinzu. "Das kann so nicht bleiben."  

Quelle: apd/ndi

 
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