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Kirche entsetzt über Justizministerin: Zollitsch beschwert sich bei Merkel

zuletzt aktualisiert: 24.02.2010 - 08:06

Hamburg (RPO). Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, hat mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) telefoniert. Der Kirchenmann wollte bei der Kanzlerin seinen Unmut über Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger loswerden.

Details des Gesprächs wurden bislang nicht bekannt. Zollitsch hatte gesagt, er wolle gegenüber Merkel sein Befremden über Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) ausdrücken. Diese hatte Zweifel an der Kooperation der katholischen Kirche bei der Strafverfolgung von Missbrauchsfällen geäußert. Zollitsch forderte die Ministerin auf, ihre Aussagen binnen 24 Stunden zurückzunehmen.

Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) will auf die Kritik von Erzbischof Robert Zollitsch in schriftlicher Form reagieren. Sie halte "wenig von einem wechselseitigen öffentlichen Schlagabtausch", sagte die Liberale dem "Hamburger Abendblatt" (Mittwoch). Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz hatte Äußerungen der Ministerin zum Umgang der Kirche mit Fällen sexuellen Missbrauchs entschieden zurückgewiesen und sie wegen "falscher Tatsachenbehauptungen" zur Korrektur binnen 24 Stunden aufgefordert.

Leutheusser-Schnarrenberger sagte dem Blatt, sie werde Zollitsch "in angemessener Form schriftlich" antworten. Am frühen Dienstagabend hatte Zollitsch wegen des Vorgangs auch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) telefoniert.

Leutheusser-Schnarrenberger hatte am Montagabend in der ARD erklärt, die Verantwortlichen müssten "endlich konstruktiv mit den Strafverfolgungsbehörden zusammenarbeiten, Hinweise geben, mit aufklären". Die Kirchenvertreter hätten bislang nicht den Eindruck erweckt, dass sie auch nur bei Verdachtsfällen mit den Strafverfolgungsbehörden konstruktiv zusammenarbeiten wollten. "Es ist leider bisher nicht ersichtlich, dass sie ein aktives Interesse an wirklich rückhaltloser und lückenloser Aufklärung gezeigt haben, und deshalb muss natürlich überall da, wo nicht verjährt ist, das ganz klar erfolgen", so die Ministerin.

Daraufhin sprach Zollitsch am Dienstagmittag von maßloser Polemik. Niemals zuvor habe ein Mitglied der Bundesregierung eine "ähnlich schwerwiegende Attacke" gegen die katholische Kirche geführt. Er stellte der Ministerin ein Ultimatum, innerhalb von 24 Stunden ihre Interviewäußerungen zu korrigieren. Leutheusser-Schnarrenberger halte der Kirche wahrheitswidrig vor, bei der Aufklärung von Missbrauchsfällen nicht mit der staatlichen Justiz zusammenzuarbeiten.

Quelle: KNA/pst

 
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