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Zustand der Bundeswehr
Bloß keine allgemeine Wehrpflicht

Zustand der Bundeswehr: Bloß keine allgemeine Wehrpflicht!
Bundeswehr-Tornado beim Start (Archiv): Streich-, Kürz- und Sparobjekt der Nation FOTO: afp, crj/bb
Meinung | Düsseldorf. Das deutsche Militär hat zu wenig Geld, zu altes Gerät und nicht genug Soldaten - soweit sind sich die meisten Beobachter einig. Eine Rückkehr zur allgemeinen Wehrpflicht wäre trotzdem nicht hilfreich, meint unser Autor.  Von Martin Kessler

Die Bundeswehr ist um ihre Lage nicht zu beneiden. Jahrelang war das Militär das Streich-, Kürz- und Sparobjekt der Nation. Viele Geräte sind veraltet, Transportmaschinen oder Kampfflugzeuge nicht einsatzbereit. Die Ausrüstung ist vielfach nicht für die Einsatzorte geeignet.

Von einst 495.000 Soldaten sind gerade einmal 170.000 übrig geblieben. Das ist angesichts der wachsenden Aufgaben der Bundeswehr in der Welt zu wenig. Aber deshalb zur allgemeinen Wehrpflicht zurückkehren, wie es der Historiker Michael Wolffsohn fordert, der früher an der Bundeswehrhochschule in Hamburg unterrichtete?

Die allgemeine Wehrpflicht ist ein Instrument, das alle (bislang ausschließlich männlichen) Bürger verpflichtet, in Zeiten starker Bedrohung das eigene Land zu schützen. Im Kalten Krieg war sie deshalb angebracht. Sie verbindet auch die Bürger stärker mit dem Gemeinwesen, wenn sie dessen Werte aktiv verteidigen müssen. Doch seit dem Fall der Mauer hat sich die Bedrohungslage fundamental gewandelt. Nicht mehr Heere und große Mannschaftsstärken sind gefragt, sondern Spezialeinheiten, die Aufträge gezielt erledigen können. Deshalb ist die Bundeswehr an so vielen Einsatzorten jenseits der deutschen Grenzen unterwegs. Sie trägt zum globalen Frieden bei, dessen Gefährdung – siehe Flüchtlingswelle – auch schnell Deutschland erreichen kann.

FOTO: V. Weber

Dafür benötigt die Bundeswehr Profis und gutes Gerät. Bereitstellen sollte ihr das die Allgemeinheit, vertreten durch den Deutschen Bundestag. Die Bundeswehr übernimmt diese Aufgaben wie die Polizei im Inneren, die ja auch nicht durch zum Sicherheitsdienst verpflichtete Bürger ergänzt wird. Die allgemeine Wehrpflicht ist deshalb ein untaugliches Mittel, die Personalknappheit der Bundeswehr zu beheben. Dazu muss der Dienst attraktiver werden, Aufstiegsmöglichkeiten bieten und den Soldaten besten Schutz im Ausland gewähren. Von all dem ist die Bundeswehr weit entfernt, sieht man von ersten zarten Ansätzen in der Ära von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen ab.

Zusammengefasst gilt: Die Bundeswehr braucht mehr Personal, besseres Gerät und damit mehr Geld. Nachdem wir die Friedensdividende durch den Fall der Mauer eingestrichen haben, müssen wir wieder mehr für die äußere Sicherheit aufbringen. Die allgemeine Wehrpflicht sollte da bleiben, wo sie gegenwärtig ist: im Geschichtsbuch der Nachkriegszeit und des Kalten Krieges.

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