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"Kommando Spezialkräfte": Deutschlands härteste Kampftruppe bereit zum Einsatz

zuletzt aktualisiert: 19.09.2001 - 11:28

Berlin (rpo). Sie gilt als Deutschlands härteste Kampftruppe. Sollten die USA die Hilfe deutscher Bodentruppen anfordern, dann sind die Männer des Bundeswehr-"Kommandos Spezialkräfte" (KSK) die erste Wahl.

Die 400 durchtrainierten, an allen Waffen und in jedweder Kampftechnik ausgebildeten, alle Tricks des Kämpfens hinter feindlichen Linien beherrschenden Elitesoldaten haben gelernt, in jedem Klima zu agieren und sich in beliebigem Gelände sicher zu bewegen - auch in den Bergen Afghanistans.

Den Anstoß zur Bildung der Spezialeinheit hatte ein nicht gerade rühmlicher Vorfall gegeben: Als im April 1994 elf Mitarbeiter der Deutschen Welle aus der bürgerkriegsumtobten ruandischen Hauptstadt Kigali gerettet werden mussten, da waren es belgische Fallschirmjäger, die den Job erledigten, da die Bundeswehr über keine entsprechend ausgebildete Einheit verfügte. Heute wäre das anders: In den sieben Jahren seit diesem peinlichen Ereignis ist eine Eliteeinheit ausgebildet worden, die nicht nur deutsche Geiseln im Ausland befreien kann. Zu ihren erklärten Aufgaben gehören auch Kampfeinsätze in gegnerischem Gebiet, Zerstörung wichtiger Einrichtungen des Gegners und die Bekämpfung von Terroristen "im Aufgabenbereich der Streitkräfte".

Stationiert ist das KSK in der Graf-Zeppelin-Kaserne im Städtchen Calw am Rande des Schwarzwaldes. Wer ihm angehören will, muss bereits ausgebildeter Unteroffizier oder Offizier sein. Gesucht werden keine Rambos, sondern eher stille Profis: intelligente, robuste, leistungsstarke und teamfähige Kämpfernaturen, die in Extremsituationen ruhig und überlegt handeln.

Bewerber müssen ein dreimonatiges, extrem hartes Auswahlverfahren bestehen: geprüft werden psychologische Stabilität, körperliche Fitness und die Fähigkeit zur Selbstüberwindung. Gleich am Beginn des Tests steht eine fünftägige Übung "Überleben und Durchschlagen unter extremen Belastungen" - ein Ausflug an die Grenzen der eigenen körperlichen und geistigen Fähigkeiten. Es folgen Transport von Verwundeten, nächtliche Eilmärsche sowie Klettern und Abseilen mit vollem Gepäck, Transport schwerer Lasten über große Entfernungen.

Wer den Eingangstest erfolgreich absolviert hat, erhält eine dreijährige Spezialausbildung zum Kommandosoldaten: Combat- und Präzisionsschießen, Nahkampf, Fallschirmspringen, Abseilen aus Hubschraubern, Sprengen, Überleben in Eis und Schnee ebenso wie im Dschungel oder in der Wüste, Fremdsprachen, Sanitätsdienst. In einem KSK-eigenen Schießzentrum wird das schnelle und zielsichere Schießen unter Stress in schwierigem Umfeld ohne Gefährdung Dritter trainiert. Zum Üben von Geiselbefreiungen und anderen Einsätzen gibt es jeweils spezielle "Studios".

Spezialisten in vier Zügen

Aufbauend auf der Grundausbildung zum Kommandosoldaten folgt die Spezialisierung. Die insgesamt vier Züge haben unterschiedliche Aufgaben und Spezialfähigkeiten: Eindringen an Land, Eindringen aus der Luft, amphibische Operationen sowie Kampf im Gebirge und unter arktischen Bedingungen. Hinzu kommt eine Fernspäh-Kompanie zur Unterstützung der Kommandoeinheiten.

Zur Ausrüstung gehören das Präzisionsgewehr G 22, leichte Maschinengewehre, schallgedämpfte Maschinenpistolen, Blendgranaten, Kampfmesser, Nachtsichtbrillen, Sauerstoffmasken, Navigationsgeräte, Mini-Drohnen, Spezialhelme mit Sprechfunk, Tarnanzüge, Splitterschutz- und Kampfmittelwesten. Im übrigen wird die Ausrüstung dem jeweiligen Einsatz angepasst. Dann werden etwa auf "Zugriff", "Suche" und "Sprengstoff" trainierte belgische Hirtenhunde mitgenommen, oder der lufttransporttaugliche Waffenträger "Wiesel".

Die Ausbildung erfolgt unter weitestgehender Geheimhaltung. Rund 400 Spezialisten haben sie bereits absolviert, weitere 100 Kommandosoldaten sollen noch folgen. Zusammen mit den für den Betrieb in Calw zuständigen Kameraden soll das KSK einmal 960 Mann stark sein.

Die Männer bleiben anonym, zeigen sich im Dienst nur mit schwarzen Gesichtsmasken und dürfen im Privatleben nicht über ihre Tätigkeit sprechen. Erste Bewährungsproben haben sie bereits bestanden, obwohl dies offiziell nicht bestätigt wird: KSK-Soldaten sollen an mehreren Geheimeinsätzen zur Festnahme gesuchter Kriegsverbrecher auf dem Balkan beteiligt gewesen sein.

Quelle: RPO Archiv

 
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