Europäischen Zentralbank: Die geldpolitischen Instrumente
zuletzt aktualisiert: 27.04.2000 - 17:33Frankfurt/Main (dpa). Das wichtigste Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB) ist die Geldwertstabilität des Euro. Der EZB-Rat akzeptiert dabei maximal Teuerungsraten von im Schnitt 2,0 Prozent in den elf Euroländern. Die Währungshüter gehen davon aus, dass eine zu große Versorgung der Volkswirtschaft mit Geld - die Geldmenge wächst schneller als das Produktionspotenzial - die Inflation anheizt.
Mit ihrem geldpolitischen Instrumentarium versucht die EZB, die Ausweitung der Geldmenge zu beeinflussen. Höhere Leitzinsen sollen die Nachfrage der Kreditwirtschaft nach Zentralbankgeld drosseln, niedrigere EZB-Sätzen diese stimulieren. Die Wirkungskette zwischen Zinsbeschlüssen, Konjunktur und Preisen ist jedoch äußerst komplex und wird in der Wissenschaft kontrovers diskutiert.
Generell wird der Wirkungszeitraum einer Zentralbankentscheidung für die reale Wirtschaft auf etwa ein Jahr veranschlagt. Neben der noch als zulässig akzeptierten Teuerung peilt der EZB-Rat für 2000 ein Geldmengenwachstum von maximal 4,5 Prozent an.
Wichtigste Stellschraube für die Geldpolitik von EZB-Präsident Wim Duisenberg und seiner Mannschaft sind die Offenmarktgeschäfte mit der Kreditwirtschaft. Von zentraler Bedeutung sind die so genannten Hauptrefinanzierungsgeschäfte in Form regelmäßiger wöchentlicher Standardtender. Dabei bietet die EZB zu einem festen Zins (Mengentender) den Banken und Sparkassen Zentralbankmittel an. Möglich ist auch die Ausschreibung eines Zinstenders, bei dem die Kreditinstitute den Zinssatz durch ihre Gebote beeinflussen können.
Der aktuelle Hauptrefinanzierungssatz - seit Donnerstag nun bei 3,75 Prozent - wird von einem Korridor eingerahmt. Nach oben wird die Spanne der EZB-Zinsen durch die Spitzenrefinanzierungsfazilität begrenzt, nach unten durch die so genannte Einlagefazilität. Bei diesen beiden ständig offenen Geldquellen liegt die Initiative bei der Kreditwirtschaft.
Bei der Spitzenrefinanzierungsfazilität - die Bundesbank nennt dies "Übernachtkredit" - können sich die Institute zu einem Zinssatz von derzeit 4,75 Prozent Liquidität mit einer Laufzeit von einem Geschäftstag beim Europäischen System der Zentralbanken (ESZB) besorgen. Das untere Ende des Zinskorridors wird von den Zinsen markiert, die die EZB für Einlagen der Kreditwirtschaft über Nacht gewährt. Dieser Satz liegt jetzt bei 2,75 Prozent.
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